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Verwaltungsvorlage (05_Handlungsempfehlungen)

                                    
                                        05

eMPFeHLUNGeN

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

302

5.0 INHALTSANGABe

5.1 eINLeITUNG

S. 304

5.2 IDeNTITÄT UND STADTBILD

S. 306

5.3 HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR
DIe POSTINDUSTRIeLLe STADT XL

S. 311

5.4 GeSTALTUNGSReGeLN
RÄUMLIcHe SySTeMe L+M

S. 316

5.5 GeSTALTUNGSReGeLN
ARcHITeKTUR S

S. 335

5.6 GeSTALTUNGSVORBILDeR

S. 358

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

303

5.1 eINLeITUNG

Das kulturhistorisch - städtebauliche Leitbild aus Schritt 4 skizziert ein zukünftiges
Bild für die funktionale, räumliche und architektonische Gestaltung der Innenstadt
für eine postindustrielle Gesellschaft. Im Folgenden werden Handlungsempfehlungen
angereicht, wie das Leitbild in einer neuen Stadtbaukultur umgesetzt werden kann.
KeRNFRAGe
wie kann die kulturhistorisch - städtebauliche Kernidentität der
Krefelder Innenstadt geschützt, verstärkt und weiter entwickelt
werden?
GRUNDLAGeN UND ZIeLe
In Schritt 5 werden Empfehlungen
angereicht für die weitere Ausarbeitung
und Umsetzung des Leitbildes als
gemeinsame Grundlage für eine
neue Stadtbaukultur, mit der Krefeld
sich deutlich von anderen Städten
unterscheiden kann.

des Ganzen erhalten, verstärken und
weiter entwickeln. Ein kohärentes
Stadtbild, das Bezug nimmt auf die
kulturhistorisch - städtebauliche
Kernidentität der Innenstadt und
die Qualitäten der drei räumlichen
Systeme, aus denen sie besteht, bildet
die Grundlage.

Die Handlungsempfehlungen
beziehen sich sowohl auf allgemeine
Ausgangspunkte für Arbeitsprozesse
als auch auf die funktionale, räumliche
und architektonische Ausformulierung
und Qualität von Erhaltungs- und
Entwicklungsaufgaben.

eRHALTeN,
wIeDeRHeRSTeLLeN,
VeRSTÄRKeN UND
weITeReNTwIcKeLN
Neue Investoren und bestehende
Eigentümer brauchen die Perspektive,
dass das Gebiet als Ganzes
aufgewertet wird – und dass eine
‘Schrottimmobilie’ von heute die
identitätsstiftende Altbausubstanz
von morgen werden kann. Der
öffentliche Raum muss dabei einen
überzeugenden, zusammenhängenden
Rahmen bieten.

Die Innenstadt soll Raum und
Aufenthaltsqualität bieten für
Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit
in einem urbanen Lebensumfeld.
Die Grundvoraussetzung dafür
ist ein klares Bekenntnis zur
kleinteiligen Nutzungsmischung und
Entschleunigung der historischen
Innenstadt. Dazu sind klare
Zuständigkeiten von Politik und
Verwaltung zu definieren und
integrierte Prozesse zu etablieren.
Die vielen öffentlichen und privaten
Einzelprojekte in der Innenstadt sollen
in der Summe die Identität und Qualität

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

RÄUMLIcHe SySTeMe
Der Schutz kulturhistorisch städtebaulich wertvoller Elemente
ist die Grundvoraussetzung, auf
der eine Weiterentwicklung der
Innenstadt im Sinne ihrer Kernidentität
stattfinden muss. Die Grundprinzipien
ihres funktionalen und räumlichen
Aufbaus und die Kerneigenschaften

ihrer räumlichen Systeme sind
Bezugspunkte, mit denen dafür
gesorgt werden kann, dass Alt und
Neu sich zu einem kohärenten Ganzen
verbinden.
Wie weit die Grundprinzipien der
räumlichen Systeme einzuhalten
sind, und wieviel individuelle
Freiheit Eigentümern, Investoren
und Architekten dabei eingeräumt
werden soll, und was dies für das
Stadtbild bedeutet, bedarf bei der
wünschenswerten Aktualisierung
innerstädtischer Bebauungspläne einer
öffentlichen Debatte.
ÖFFeNTLIcHeR RAUM
Anhand der drei räumlichen
Systeme werden in Abschnitt 5.4
Grundprinzipien zur Gestaltung
von Straßen und konstituierenden
Plätzen erläutert. Entschleunigung,
Aufenthaltsqualität und eine
hochwertige, aufgeräumte, und vor
allem konsequent durchgängige
Entwurfssprache haben dabei Priorität.
Die exemplarische Ausarbeitung und
Systematik können als Grundlage
für eine weitere Ausarbeitung der
Gestaltungsregeln für den öffentlichen
Raum dienen.

GeSTALTUNGSKRITeRIeN
In Abschnitt 5.5 wird eine Basis
gelegt für nachvollziehbare
Gestaltungskriterien für die
drei räumlichen Systeme. Wie
weit die Gestaltungskriterien
ausdifferenziert werden müssen,
und wieviel individuelle Freiheit zur
Selbstverwirklichung Eigentümern,
Investoren und Architekten dabei
eingeräumt werden soll, und was
dies für das Stadtbild bedeutet,
bedarf bei der Aufstellung einer
Gestaltungssatzung einer öffentlichen
Debatte.
GeSTALTUNGSVORBILDeR
In Abschnitt 5.6 folgen
Gestaltungsvorbilder. Dazu wurden
drei Standorte ausgewählt, an denen
der Umgang mit den räumlichen
Systemen exemplarisch gezeigt
werden kann. Zwei dieser Standorte
waren in Schritt 2 - Abgleich als
Dissonanten identifiziert und in Schritt
3 - Bewertung negativ bzw. neutral
bewertet worden. Die SWOT Analyse
dieser Standorte ergab, dass die

304

5.1 MASSSTABSeBeNeN
Die Handlungsempfehlungen beziehen sich auf alle Maßstabsebenen des Leitbildes.
Zusätzlich werden auf der ebene XL auch Handlungsempfehlungen zu den
Arbeitsprozessen gegeben, die zu einer erfolgreichen Umsetzung notwendig sind.

FUNKTIONAL:

RÄUMLIcH:

ARcHITeKTONIScH:

XL

L+M

S

MANUFAKTURSTADT/
POSTINDUSTRIeLLe
STADT

RÄUMLIcHe SySTeMe:
- STADTKRONe
- STRASSeN UND HÄUSeR
- VIeR wÄLLe

IDeNTITÄTSSTIFTeNDe
BeBAUUNG
- KONSTITUIeReND
- ARcHITeKTUR-IKONeN

NUTZUNGSMIScHUNG

GeSTALTUNGSReGeLN FÜR DeN
ÖFFeNTLIcHeN RAUM
L - STADTGRUNDRISS:
Fluchtlinien, Straßen, Plätze, Gassen usw.

GeSTALTUNGSReGeLN FÜR
GeBÄUDe UND GeBÄUDeKOMPLeXe
Bebauungstypologien, Nutzungen;
Architektur, Fassadenaufbau und –komposition;
Material und Farbe

L
•
•
•
•

•
•
•
•
•

KLIMAScHUTZ
eNTScHLeUNIGUNG
AUFeNTHALTSQUALITÄT
wOHNSTADT
ARBeITSPROZeSSe

ÖFFeNTLIcHeR RAUM
Übersicht räumliche Systeme
Straßen
konstituierende Plätze
übrige Freiflächen

Gestaltungsregeln
erhalten
neu entwickeln,
Schaufenster
Material und Farbe

M - RÄUMLIcHeR AUFBAU:
Parzellen, Gebäude auf einer Parzelle, Organisation
von Parzellen und Gebäuden, Trauf- und Firsthöhen und
Dachlandschaft
M - RÄUMLIcHeR AUFBAU
• Übersicht räumliche Systeme
• Baublöcke
L + M DISSONANTeN
GeSTALTUNGSVORBILDeR
• Polizeipräsidium
• Theaterplatz
• Stadtkrone

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

305

5.2 IDeNTITÄT UND
STADTBILD
eRHALTeN, wIeDeRHeRSTeLLeN,
VeRSTÄRKeN UND weITeR
eNTwIcKeLN
Die Stadtstruktur der vorindustriellen
konstituierenden Zeitschichten,
die sich in drei räumlichen
Systemen manifestiert und durch
Architektur - Ikonen verschiedener
Transformationsschichten bereichert
wird, ist nicht nur kulturhistorisch und
räumlich schützenswert. Sie ist im
postindustriellen Zeitalter auch Quelle
für eine neue Urbanität.
Ausgehend von einer kleinteiligen
Funktionsmischung, Entschleunigung
und Aufenthaltsqualität, sind
Grundlagen erforderlich, um Erhaltung,
Verstärkung und Weiterentwicklung
der drei räumlichen Systeme der
historischen Stadtstruktur zu steuern.
eRHALTeN UND
wIeDeRHeRSTeLLeN
Krefeld besitzt einen einzigartigen
und kulturhistorisch - städtebaulich
wertvollen historischen Stadtgrundriss
(2D) mit einer hohen Anzahl wertvoller

bzw. identitätsstiftender, aber schwer
beeinträchtigter Einzelobjekte (3D).
Auf der Grundlage der kulturhistorisch
- städtebaulichen Bewertungen aus
Schritt 3 - Bewertung sind sowohl
der Stadtgrundriss als auch die
Einzelobjekte unter Schutz zu stellen.
Sie bilden zusammen das Fundament
für die Zukunft der Krefelder Innenstadt
und sind wichtige Zeugnisse der
Stadtbaugeschichte, auch über das
650 jährige Stadtjubiläum 2023 hinaus.
Verglichen mit der hohen Anzahl der
in dieser kulturhistorischen Analyse
identifizierten Einzelobjekte, die noch
aus den konstituierenden Zeitschichten
stammen, fällt auf, wie wenig Bauten
in der Krefelder Innenstadt unter
Denkmalschutz stehen. Da alte Häuser
für das Stadtbild von essentieller
Bedeutung sind, liegt es nahe, neue
Denkmäler auszuweisen.

städtebaulich wertvollen Stadtgrundriss
als auch seine Bebauung adäquat zu
schützen.
VeRSTÄRKeN UND
weITeReNTwIcKeLN
Gestaltungsregeln für Um- und
Neubauten innerhalb der drei
räumlichen Systeme erklären die
Grundprinzipien der konstituierenden
Architektur und bilden eine
Entwurfsgrundlage, anhand derer
der Bestand im Sinne seiner
Kerneigenschaften verstärkt und mit
neuer Bebauung weiter entwickelt
werden kann.

Sanierungs-, Erhaltungs- und
Gestaltungssatzungen sind die
offensichtlichen Instrumente,
um sowohl den kulturhistorisch -

5.2.1 eRHALTeN UND wIeDeRHeRSTeLLeN

S. 307

5.2.2 VeRSTÄRKeN UND
weITeReNTwIcKeLN

S. 308

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

306

5.2.1

IDeNTITÄT UND STADTBILD
eRHALTeN UND wIeDeRHeRSTeLLeN
Die gesamte Krefelder Innenstadt hat einen hohen kulturhistorisch - städtebaulichen wert. Für die
erhaltung und wiederherstellung der Innenstadt als Ganzes ist ein geeignetes Instrumentarium erforderlich,
mit dem die erhaltenen Fluchtlinien und die feinkörnige Parzellierung gesichert werden können. Die
einheitliche, qualitätvolle Gestaltung des öffentlichen Raumes und der erhalt der kulturhistorisch städtebaulich wertvollen Bausubstanz bilden dabei Schwerpunkte.

XL

L+M

MANUFAKTURSTADT

RÄUMLIcHe SySTeMe ARcHITeKTUR

XL:
Die gesamte Innenstadt und ihre
konstituierenden Zeitschichten
haben einen hohen kulturhistorisch
- städtebaulichen Wert (siehe Schritt
3, Abschnitt 3.3). Nur die oranische
Stadterweiterung wurde wegen ihrer
starken Überformung nicht hoch,
aber positiv bewertet. Wenngleich
die Struktur der Innenstadt an den
Standorten der Dissonanten stark
beeinträchtigt wurde, ist hinreichend
Kohärenz vorhanden, um daraus
Anforderungen an Erhalt und
Verstärkung abzuleiten. Dabei gilt der
feinen Nutzungsmischung besonderes
Augenmerk.

L+M:
Die historische Stadtstruktur
(Fluchtlinien, Parzellierung) ist zum
großen Teil noch vorhanden und hat
einen hohen Wert (siehe Schritt 3,
Abschnitt 3.4). Für den Erhalt dieser
Stadtstruktur (siehe karte L+M1)
ist ein geeignetes Instrumentarium
erforderlich, mit dem die erhaltenen
Fluchtlinien und die feinkörnige
Parzellierung (2D) gesichert werden
können. Es wird empfohlen, dazu eine
Erhaltungssatzung aufzustellen.

ARcHÄOLOGIe:
Die früheste Geschichte Krefelds ist
noch weitgehend unerforscht. Eine
aktive Förderung der archäologischen
Erforschung und Dokumentation
der Innenstadt ist notwendig als
wichtiger Beitrag zur Kenntnis der
Stadtgeschichte. Eine Karte der
Innenstadt mit Bereichen, innerhalb
derer mit archäologischen Funden zu
rechnen ist, ist dringend notwendig
für ein planmäßiges Vorgehen. Die
Präsentation der Ergebnisse an die
Bürger ist zu empfehlen, zum Beispiel
in einem Raum in der Innenstadt, in
dem die Resultate archäologischer
und anderer Forschungen gezeigt
werden können. So wird die räumliche
Erfahrung der Bürger mit einem
historischen Bewusstsein verbunden.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Die einheitliche Gestaltung des
öffentlichen Raumes ist erforderlich,
um ein attraktives Stadtbild zu
bewirken. Gestalterische und
technische Aspekte sind dabei
zu hochwertigen Lösungen zu
integrieren. Es wird empfohlen,
eine Gestaltungssatzung mit
Gestaltungsprinzipien für den
gesamten öffentlichen Raum in der
Innenstadt aufzustellen. Ein Ansatz
dazu ist in Abschnitt 5.4 zu finden.
An mehreren Standorten in
der Innenstadt gibt es noch ein
kohärerentes Stadtbild. Dieses hat
einen hohen Wert. Für den Erhalt
der Bebauung (siehe Kohärenzkarte
L+M2) ist ein geeignetes
Instrumentarium erforderlich, mit
dem die erhaltenen Bauvolumen,
Traufhöhen und Fassaden (3D)
gesichert bzw. wiederhergestellt
werden können. Es wird empfohlen,
dazu eine Erhaltungssatzung
aufzustellen.

S
S:
In der Innenstadt sind noch viele
Häuser aus den konstituierenden
Zeitschichten und der Kaiserzeit
erhalten geblieben (siehe
Bewertungskarte S1 + S2
exemplarisch). Diese haben einen
sehr hohen oder hohen Wert und
bedürfen des Schutzes gegen Abriss
und der sorgfältigen Begleitung bei
Veränderungen der Fassaden. Die
Eintragung als Denkmal wird für
Exemplare mit sehr hohem Wert
empfohlen. Auch für weniger wertvolle,
aber identitätsstiftende Bebauung aus
den konstituierenden Zeitschichten ist
ein Schutzinstrumentarium notwendig.
Die Fassaden der Einzelobjekte aus
den Transformationsschichten, deren
Architektur sich in die Kernmerkmale
der konstituierenden Zeitschichten
einfügt (siehe Kohärenzkarte
L+M2 und Bewertungskarte S1,
S2, exemplarisch) haben einen
positiven Wert, wenn ihre Architektur
von überdurchschnittlicher Qualität
ist. Diese Architektur kann als
gelungene Weiterentwicklung der
Gestaltungsprinzipien der historischen
Architektur gelten und trägt damit in
substantiellem Maße zur Kohärenz
des Stadtbildes bei. Diese Gebäude
haben kulturhistorisch - räumlichen
Wert im Stadtbild und bedürfen
des Schutzes gegen Abriss und
der sorgfältigen Begleitung bei
Veränderungen der Fassaden. Die

Eintragung als Denkmal wird für
Exemplare mit sehr hohem Wert
empfohlen. Auch für weniger wertvolle,
aber identitätsstiftende Bebauung aus
den Transformationsschichten ist ein
Schutzinstrumentarium notwendig.
Die Fassaden der Einzelobjekte aus
den Transformationsschichten, deren
Architektur von den Kernmerkmalen
der konstituierenden Zeitschichten
abweicht, aber von hoher
architektonischer Qualität sind, haben
einen hohen oder positiven Wert
und bedürfen des Schutzes gegen
Abriss und der sorgfältigen Begleitung
bei Veränderungen der Fassaden.
Die Eintragung als Denkmal wird
für die repräsentativsten Exemplare
empfohlen.
Auf der Kohärenzkarte L+M2
fallen die Architektur - Ikonen auf:
großmaßstäbliche und repräsentativ
gestaltete neue Gebäudetypologien mit
einer öffentlichen oder kommerziellen
Funktion (Kaufhäuser, Kinos, Banken,
Museum, Post, etc.). Diese Gebäude
bedürfen des Schutzes. Die Eintragung
als Denkmal wird für die Architektur
- Ikonen aus der Periode zwischen
1870 und 1940, die noch nicht unter
Denkmalschutz stehen, empfohlen.

307

5.2.2

IDeNTITÄT UND STADTBILD
VeRSTÄRKeN UND weITeReNTwIcKeLN
Die in Abschnitt 5.2.1 genannten empfehlungen zur erhaltung und wiederherstellung kulturhistorisch städtebaulicher werte sind auch die Grundlage zur Verstärkung und weiterentwicklung der Innenstadt.
Ausgehend vom hohen kulturhistorisch - städtebaulichen wert der Innenstadt als Ganzes und dem erhalt
der kulturhistorisch - städtebaulich wertvollen Bausubstanz, ergeben sich daraus Anforderungen an den
Umgang mit dem Stadtgrundriss, dem öffentlichen Raum (2D) und neuer Bebauung (3D).

XL

L+M

MANUFAKTURSTADT

RÄUMLIcHe SySTeMe ARcHITeKTUR

Ziel des funktionalen Leitbildes aus
Schritt 4 ist die Schaffung eines
urbanen Lebensumfelds, das den
Ansprüchen einer postindustriellen
Gesellschaft gerecht wird. Dazu
gehört eine kleinmaßstäbliche
Nutzungsmischung und eine höhere
Einwohnerdichte des Gebiets
ebenso wie die Entschleunigung
der Innenstadt zugunsten einer
höheren Aufenthaltsqualität und
Erholungsräumen.

Die Wiederherstellung der historischen
Stadtstruktur (Fluchtlinien,
Parzellierung, Traufhöhen, Dachform,
aber auch die hohe Anzahl von
Eingängen an der Straße) bildet
die Grundlage für alle Planungen
in der Innenstadt. Ein geeignetes
Instrumentarium ist notwendig,
um die tägliche Planungspraxis in
der Innenstadt auf einen klaren,
einheitlichen Kurs zu bringen.

Der öffentliche Raum ist für die
gesamte historische Stadtstruktur zu
entschleunigen und entsprechend der
Merkmale ihrer räumlichen Systeme
einheitlich zu gestalten. Dabei hat die
Verbesserung der Aufenthaltsqualität
oberste Priorität.
Neue bauliche Entwicklungen sind
in die historische Stadtstruktur und
die Kernmerkmale ihrer Bebauung
entsprechend der räumlichen Systeme
einzufügen. Das innerstädtische
Wohnen bildet dabei einen wichtigen
Schwerpunkt.
Ein zusammenhängendes Stadtbild mit
einer feinkörnigen Nutzungsmischung
(Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und
Kultur) muss die Grundlage aller
städtebaulichen Einzelplanungen sein.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

eMPFeHLUNGeN

S

VeRFAHReN

Bindende Gestaltungskriterien
sind festzulegen, ausgehend
vom räumlichen Aufbau der
drei räumlichen Systeme und
den Gestaltungsprinzipien der
konstituierenden Architektur. Bei den
Gestaltungskriterien geht es nicht
unbedingt um Architekturstile, sondern
um kompositorische Grundprinzipien
für die Gestaltung von Bauvolumen
und Fassadengliederung (siehe
Abschnitt 5.5).

Die Dissonanten sind Standorte, an
denen die historische Stadtstruktur
stark transformiert und beeinträchtigt
wurde. Sie bedürfen der näheren
Untersuchung. Aufgrund der Methodik,
die bei der exemplarischen Bewertung
von vier Standorten aufgezeigt
wurde (siehe Bewertung, Abschnitt
3.9), können die Dissonanten
bewertet werden. Aufgrund der
exemplarischen SWOT Analysen für
diese vier Standorte können auch die
Stärken und Schwächen der übrigen
Dissonanten aufgezeigt werden
und die Chancen und Bedrohungen
analysiert werden (siehe SWOT Analysen, Abschnitt 3.9).
Grundsätzlich ist bei der Bewertung
und SWOT - Analyse der Dissonanten
vom Erhalt und Wiederherstellung
der ursprünglichen Stadtstruktur
(Fluchtlinien, Parzellierung,
Traufhöhen, Dachform, aber auch die
hohe Anzahl von Eingängen an der
Straße) auszugehen. Zum Umgang
mit Dissonanten siehe auch Abschnitt
5.6.1 und Gestaltungsvorbilder.

308

5.2.2

IDeNTITÄT UND STADTBILD
INSTRUMeNTARIUM
DILeMMA
Im Idealfall wäre das komplette
untersuchte Gebiet unter eine
einheitliche Satzung zu stellen,
innerhalb derer Erhaltung,
Wiederherstellung, Verstärkung und
Weiterentwicklung stattfinden können.
In Nordrhein-Westfalen gibt es - im
Gegensatz z.B. zu Brandenburg zwar eine rechtliche Basis für eine
einheitliche Herangehensweise,
die Praxis fragt jedoch um die
Definition kleinteiligerer Bereiche,
in denen je nach Erhaltungsgrad
der historischen Stadtstruktur und
Bausubstanz verschiedene Satzungen
bzw. planologische Instrumente
anzuwenden sind, die gemeinsam zu
einem kohärenten Stadtbild führen
sollen.

RÄUMLIcHe SySTeMe

STADTKRONe
STRASSeN UND HÄUSeR
VIeR wÄLLe

BeReIcHe
Auf der Basis der Kohärenzkarte
(siehe Schritt 3 Abschnitt 3.3.3)
wurde versucht, diese Bereiche grob
zu definieren. Die Unterscheidung
dieser Bereiche ist jedoch nicht
kongruent mit den räumlichen
Systemen der Innenstadt, die bei allen
Entscheidungen leitend sein sollten.
Die Intention der Karte mit
verschiedenen Erhaltungsgraden ist es
keinesfalls, die Krefelder Innenstadt in
drei völlig unterschiedliche Bereiche
einzuteilen, die von den räumlichen
Systemen abweichen. Vielmehr
soll hier ein Dilemma illustriert
und ein möglicher Lösungsweg
skizziert werden, wie trotz des
unterschiedlichen Erhaltungsgrades in
Richtung eines kohärenten Stadtbildes
gearbeitet werden kann.

INSTRUMeNTARIUM

Abb. 5.0_1 (oben)
Räumliche Systeme

BeReIcH A
BeReIcH B
BeReIcH c
ARcHITeKTUR - IKONeN

Abb. 5.0_2 (rechts)
Erhaltungsgrad der historischen Stadtstruktur

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

309

5.2.2

INSTRUMeNT

IDeNTITÄT UND STADTBILD
INSTRUMeNTARIUM
Die räumliche Strategie für die skizzenhaft definierten Gebiete könnte wie folgt
aussehen:

BeReIcH A

BeReIcH B

BeReIcH c

BeReIcH MIT GUT eRHALTeNeR
STADTSTRUKTUR UND VIeL
HISTORIScHeR BAUSUBSTANZ
Hier blieb viel historische Bausubstanz
erhalten und es gibt auch eine Vielzahl
historischer Fassaden. Das Gebiet ist
daher auf mehreren Maßstabsebenen
erhaltenswert.

BeReIcH MIT HOHeR
HISTORIScH STÄDTeBAULIcHeR KOHÄReNZ
In diesem Bereich entsprechen die
meisten Fluchtlinien, Traufhöhen
und Dachformen nach wie vor den
Grundprinzipien der historischen
Stadtstruktur. Es gibt eine Vielzahl
von Gebäuden aus der Ersten
Nachkriegsmoderne.

BeReIcH MIT GeRINGeR
HISTORIScH STÄDTeBAULIcHeR KOHÄReNZ
Dieser Bereich besitzt wenig oder
keinen Zusammenhang mit den
Grundprinzipien der historischen
Stadtstruktur. Er überschneidet sich
zum Teil mit den 27 zuvor genannten
städtebaulichen Dissonanten und/
oder den in der Kohärenzkarte L+M2
in kulturhistorisch - städtebaulicher
Hinsicht negativ bewerteten
Einzelbauten.

DeNKMALBeReIcH
• Analyse der bauhistorischen
Substanz + Schutz der
konstituierenden Bebauung;
• planerischer Schutz von
Fluchtlinien, historischer
Parzellierung, Traufhöhe, Dachform

eRHALTUNGSSATZUNG
Die Erhaltung, Verstärkung und
Weiterentwicklung der historischen
Stadtstruktur im Sinne ihres
städtebaulichen Zusammenhangs wird
hier empfohlen.
• Untersuchung der bauhistorischen
Substanz + Schutz der
konstituierenden Bebauung
• planerischer Schutz von
Fluchtlinien, Traufhöhe, Dachform

DISSONANTeN
Zur Herangehensweise an die
Dissonanten siehe Abschnitt 5.6.1.
SANIeRUNGSSATZUNG
wo nötig, um historische Fluchtlinien
wiederherzustellen

GeSTALTUNGSSATZUNG
ÖFFeNTLIcHeR RAUM
siehe Abschnitt 5.4 (entsprechend der
Zuordnung zu den drei räumlichen
Systemen)

GeSTALTUNGSSATZUNG
ÖFFeNTLIcHeR RAUM
siehe Abschnitt 5.4 (entsprechend der
Zuordnung zu den drei räumlichen
Systemen)

GeSTALTUNGSSATZUNG
ÖFFeNTLIcHeR RAUM
siehe Abschnitt 5.4 (entsprechend der
Zuordnung zu den drei räumlichen
Systemen)

GeSTALTUNGSSATZUNG
ARcHITeKTUR
• Wiederherstellung der
konstituierenden Bausubstanz und
der Fassaden
• Neubauten siehe Abschnitt 5.5
(entsprechend der Zuordnung zu
den drei räumlichen Systemen)

GeSTALTUNGSSATZUNG
ARcHITeKTUR
• Wiederherstellung der
konstituierenden Bausubstanz und
der Fassaden
• Neubauten siehe Abschnitt 5.5
(entsprechend der Zuordnung zu
den drei räumlichen Systemen
• zusätzliche Untersuchung
der Architektur der ersten
Nachkriegsmoderne

GeSTALTUNGSSATZUNG
ARcHITeKTUR
• Wiederherstellung der
konstituierenden Bausubstanz und
der Fassaden
• Neubauten siehe Abschnitt 5.5
(entsprechend der Zuordnung zu
den drei räumlichen Systemen

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

310

5.3 HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR DIe POST
INDUSTRIeLLe STADT

XL

Ziel des funktionalen Leitbildes aus Schritt 4 ist die Schaffung eines urbanen Lebensumfelds, das den
Ansprüchen einer postindustriellen Gesellschaft gerecht wird. Dazu gehört eine kleinmaßstäbliche
Nutzungsmischung und eine höhere einwohnerdichte des Gebiets ebenso wie die entschleunigung
der Innenstadt zugunsten einer höheren Aufenthaltsqualität und erholungsräumen. Die bevorstehende
Transformationsaufgabe bedarf auch klarer politischer Zielsetzungen und entsprechender Arbeitsprozesse.

5.3.1 NUTZUNGSMIScHUNG UND KLIMAScHUTZ

S. 312

5.3.2 eNTScHLeUNIGUNG UND AUFeNTHALTSQUALITÄT

S. 313

5.3.3 wOHNSTADT

S. 314

5.3.4 ARBeITSPROZeSSe

S. 315

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

311

5.3.1

HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR DIe POSTINDUSTRIeLLe STADT XL
NUTZUNGSMIScHUNG UND KLIMAScHUTZ
Die Aktivierung der Innenstadt für urbanes wohnen ist nicht nur zwingend notwendig für ein lebendiges
Stadtherz. Die erhöhung der Bevölkerungsdichte in der Innenstadt ist auch mit Abstand die wirksamste
Klimaschutzmassnahme. Durch die Aktivierung des Bestands kann Flächenversiegelung im Außenbereich
vermiden werden. Die Anwesenheit von Grün im Straßenraum sowie eine gut durchdachte und sorgfältig
detaillierte Materialisierung der Straßenoberfläche fördern ein angenehmes Stadtklima.

XL
NUTZUNGSMIScHUNG
FUNKTIONALe
HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN
Eine lebendige Innenstadt braucht
neben einer hohen Einwohnerdichte
eine Vielzahl kleinmaßstäblicher
Funktionen, vor allem in den
Sockelgeschossen. Wo viele
Menschen leben und arbeiten, entsteht
Leben und Austausch im öffentlichen
Raum.
Die in der zweiten Nachkriegsmoderne
entstandene ‘City’ mit großen
Warenhäusern und einer zunehmend
anonymen Eigentümerstruktur aus
kommerziellen Immobilien-Investoren
stellt die Stadt vor immer größere
Herausforderungen. Im Folgenden
werden dazu eine Reihe strategischer
Empfehlungen gegeben:
• deutliche Erhöhung
der Einwohnerzahl des
Untersuchungsgebiets als Priorität
aller Massnahmen in der Innenstadt,
s. auch 5.3.3 Wohnstadt;
• Pflege der kleinteiligen lokalen
Eigentümerstruktur und der
Kommunikation mit den
Eigentümern mit dem Ziel,
langfristig, nachhaltig und
qualitätvoll zu planen und zu bauen;
• Vermeiden großmaßstäblicher
Funktionen und stimulieren
kleinmaßstäblicher,
umweltvertäglicher gewerblicher
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Aktivitäten (Werkstätten, Ateliers,
Läden) in den Straßen und Gassen
der Innenstadt, wodurch im
Gebiet auf kleiner Maßstabsebene
Betriebsamkeit entsteht;

KLIMAScHUTZ
vorbereiten, vor allem innerhalb der
mittelalterlichen Stadtkrone und
entlang der Friedrichstraße.

• In jeder Satzung bzw. dem
jeweiligen Planungsinstrumentarium
der räumlichen Systeme und
Dissonanten eine Klausel
aufnehmen, durch die
Großfunktionen immer einer
Sonderbehandlung bedürfen. So
bietet sich die Möglichkeit zur
besseren Steuerung der Prozesse;

• Absprachen treffen zu einer
funktionsneutralen Ausführung der
Sockelgeschosse aller Neubauten.
Wenn verschiedene Nutzungen im
Sockelgeschoss möglich sind, z.B.
Wohnung, Werkstatt, Ladenlokal,
Fahrradabstellplatz, bedeutet dies
auch eine größere Flexibilität und
Nachhaltigkeit von Nutzungen
in einem kleineren Maßstab und
weniger Leerstand.

• Positionierung unvermeidlicher
Großbauten nur beim Dissonanten
der Sankt-Anton-Straße und
unter strengen städtebaulichen
Spielregeln (z. B. mehrere Eingänge
und kleinmaßstäbliche Funktionen
im Sockelgeschoss, Mindestanteil
Wohnungen festlegen);

• Erschließung einzelner Wohnungen
nach Möglichkeit mit einer eigenen
Haustür direkt von der Straße aus.
Dies schafft eine direkte Beziehung
zwischen Haus und öffentlichem
Raum, was zu einer besseren
sozialen Kontrolle und mehr
Lebendigkeit im Straßenraum führt.

• Leerstand problematischer
Großbauten als Experimentierfeld
nutzen, Erfahrungen mit temporären
Nutzungen wie Coworking - Spaces,
Concept Stores, Pop - up - Galerien
und neuen Gastronomiekonzepten
sammeln;
• Eigentümer leerstehender
Immobilien gezielt ansprechen
und in Prozesse einbinden. In
zweiter Instanz eine Sonderabgabe
auf leerstehende Immobilien

• Positionierung der Marktfunktion
in einer zentraleren Lage in
der Innenstadt (Neumarkt,
Schwanenmarkt, Friedrichstraße)
als flexible Ergänzung des
Einzelhandelsangebots;

HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN
ZUM KLIMAScHUTZ
Die postindustrielle Stadt erfordert
auch besseren öffentlichen Raum und
Grün - aber nicht nur zum Anschauen,
sondern zur flexiblen Nutzung und
als ‘erweitertes Wohnzimmer’ der
Stadtbewohner und -besucher.
Die Reduktion und Entschleunigung
des motorisierten Individualverkehrs ist
Grundvoraussetzung für die Schaffung
von Lebens- und Aufenthaltsqualität in
der Innenstadt. Sie bedeutet auch eine
Reduktion von Schadstoffemissionen,
Feinstaub usw. (siehe auch die
Handlungsempfehlungen zur Mobilität).
Von der Freilassung innerstädtischer
Brachflächen wird ausdrücklich
abgeraten. Vielmehr soll der öffentliche
Raum seinem ursprünglichen Zweck
wieder zugeführt werden.
VIeR wÄLLe
• Ein entsiegelter Mittelstreifen der
Vier Wälle (wassergebundene
Oberfläche und Grün) ergibt eine
innerstädtische Versickerungsfläche
von über 50.000 m2;
• Eine helle Farbe der
wassergebundenen Oberfläche ebenso wie eie helle Pflasterung
der Straßen - reflektiert Wärme und
heizt sich nicht so schnell auf wie
ein dunkles Pflaster;

• Ein durchgehendes Dach der
mehrfachen Baumreihen spendet
Schatten, bindet Feinstaub und
kühlt die Innenstadt nachts ab;
STRASSeN UND HÄUSeR
• Die Anlage eines schmalen
Streifens entlang der Hausgrenze,
auf dem Bewohner ihre eigenen
Fassadengärten anpflanzen können,
schafft auch in den schmaleren
Straßen mehr Grün;
• Mit einer konsequenten Umsetzung
des Handlungsleitfadens
zur ‘Umgestaltung von
Blockinnenbereichen’ von 2012
(Büro BASTA, Dortmund) durch
Entsiegelung und Begrünung
können auch in einer dicht
besiedelten Innenstadt qualitätvolle
private Außenräume entstehen;
STADTKRONe
• Die kleinteilige Pflasterung ergibt
versickerungsoffene Flächen
auch dort, wo gestalterisch eine
Versiegelung erwünscht ist;
• Auch hier kann in den sekundären
Straßen und Gassen mehr Raum
für Grün geschaffen werden, indem
eine schmaler Streifen entlang der
Hausgrenze unversiegelt bleibt;
(siehe dazu auch 5.4
Gestaltungsregeln öffentlicher Raum)

312

5.3.2

HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR DIe POSTINDUSTRIeLLe STADT XL
eNTScHLeUNIGUNG UND AUFeNTHALTSQUALITÄT
Die Entschleunigung des fließenden Verkehrs ist Grundbedingung, um den öffentlichen Raum
der Innenstadt attraktiv und mit einer hohen Aufenthaltsqualität gestalten zu können. Straßen
sollen durchlässiger und zugleich sicherer, freundlicher und kommunikativer werden und mehr
Raum für langsame Verkehrsteilnehmer bieten. entschleunigte Straßen mit weniger ebenerdigen
Parkplätzen sind zur Schaffung eines attraktiven wohnumfelds notwendig.

XL
eNTScHLeUNIGUNG UND AUFeNTHALTSQUALITÄT
HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN
ZUR MOBILITÄT
Die Erreichbarkeit des Einzelhandels
ist in Krefeld schon seit dem
Wiederaufbau ein wichtiges Thema.
Über 70 Jahre lang wurde der
motorisierte Individualverkehr
dabei deutlich favorisiert, mit
einem dramatischen Verlust an
Aufenthaltsqualität.
Im 21. Jahrhundert ist eine
Neudefinition der Erreichbarkeit
notwendig. Besucher der Innenstadt
sollen - wie in zahllosen attraktiven
Städten Europas - ermutigt werden,
zu Fuß, mit dem ÖV oder mit dem
Fahrrad in die Innenstadt zu kommen.
Besucher, die mit dem Privatfahrzeug
‘in die Stadt fahren’ wollen, sollen
dieses im Parkhaus abstellen, aber
nicht im öffentlichen Raum.

• bewachte Fahrradstellplätze
und Servicestationen z. B.
für (elektrische) Fahrräder,
Lastenfahrräder in Parkhäusern
oder Radstationen an den
innerstädtischen Knotenpunkten der
Radachsen. Auch in leerstehenden
Sockel- bzw. Erdgeschossen sind
sie als Zwischennutzung denkbar.
ÖV
• Es ist zu untersuchen, ob Buslinien
in Gebieten, aus denen viele
Autofahrer kommen, nicht besser
in Straßenbahnen umgewandelt
werden können. Straßenbahnen
haben mehr (Sitz-) plätze, mehr
Türen, die Fahrt ist zügig und
komfortabel und Schienen werden
nicht so schnell blockiert.

FAHRRAD
• Die Erreichbarkeit mit dem Rad
ist in der ‘Fahrradstadt Krefeld’ zu
verbessern, vor allem dort, wo die
Radialen auf den Ring treffen.

• Der ÖV soll anderen
Fortbewegungsmöglichkeiten,
wie dem Auto in Attraktivität
nicht nachstehen. Das gilt auch
für die gestalterische Qualität
der Fahrzeuge, Haltestellen und
Mobiliar.

• Dem Leitbild liegt ein klares Raster
zugrunde, mit sechs Radachsen
durch die Innenstadt als Teil eines
gesamtstädtischen Netzwerks;

AUTO
• Der Durchgangsverkehr über den
Ostwall und die Sankt-Anton-Straße
soll aufgehoben werden;

• Stellplätze für Fahrräder sind in der
Form hochwertiger Fahrradbügel
und nach den Gestaltungsregeln im
öffentlichen Raum zu platzieren;

• Das gesamte Gebiet innerhalb der
Vier Wälle soll auf maximal 30km/h
entschleunigt werden;
•

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

• Besucher parken nur im Parkhaus.
Das ebenerdige Parken bleibt
kurzfristig den Anliegern (Wohnen
und Arbeiten) vorbehalten. Generell
wird bemerkt, dass das Parken und
vor allem auch das Falschparken im
öffentlichen Raum zu billig ist;
• Da ein Auto im Allgemeinen
über 90% der Zeit ungenutzt
bleibt, ist auch zu erwägen, auf
den verbleibenden ebenerdigen
Parkplätzen Nachbarschaftsautos/
Carsharing - Angeboten den
Vorrang zu geben, die intensiver
genutzt werden als Privatfahrzeuge.
• Ein Auto benötigt unabhängig von
seiner Antriebsart unverhältnismäßig
viel Raum. Elektromobilität stellt
insofern keine Verbesserung
dar, als ein elektrisches Auto
ebensoviel Platz einnimmt, und die
Ladeinfrastruktur selbst zusätzlichen
Raum benötigt.
• Langfristig sollen Anwohner
wie Besucher ihre Fahrzeuge
in Quartiersgaragen und
Parkhäusern abstellen. Shared
- Parking - Konzepte in den
großen Parkhäusern sind zu
testen. Behindertenstellplätze
und Haltemöglichkeiten für den
Anlieferverkehr sind gestalterisch
so unsichtbar wie möglich im
öffentlichen Raum zu integrieren.

FAHRRAD- STATT
AUTOSTeLLPLÄTZe
Die Schaffung von Wohraum in der
Innenstadt hat höchste Priorität.
Die Stellplatzablöse für neuen
Wohnraum sollte unbedingt an
die sofortige Zugänglichkeit eines
Parkhauses gekoppelt werden, so
lange es noch keine Quartiersgaragen
gibt. Es wird außerdem dringend
empfohlen, zumindest einen
Teil der bauordnungsrechtlich
nachzuweisenden Stellplätze
für Kraftfahrzeuge durch
Fahrradstellplätze zu ersetzen.
FUSSGÄNGeR
• Der Fußgängerverkehr wird mit
breiten, einheitlich gepflasterten
Bürgersteigen gestärkt. Die Vier
Wälle werden mit durchgängigem
Mittelstreifen als Promenade
gestaltet;
• Begegnungszonen bzw.
multifunktional nutzbarer Raum
nach Shared - Space - Prinzip sind
für den jeweiligen Ort passend
abzustimmen, z.B. bei den
Stadteingängen (Hauptbahnhof,
Friedrichsplatz und Friedrichstraße);
• ein einheitliches, hochwertiges
Straßenpflaster und Straßenmobiliar
wertet den öffentlichen Raum
auf, Sitzgelegenheiten bieten
Verweilmöglichkeit;

QUIcK wINS UND TeMPORÄRe
INTeRVeNTIONeN
• Testen neuer Straßenquerschnitte
der Vier Wälle aber auch von
Wohnstraßen mit temporären
Materialien. Erhebung
verkehrstechnischer Daten,
begleitende öffentliche Diskussion
und Bürgerbeteiligung;
• Wo dem Auto Straßenraum
entzogen wird, ist dieser sofort
durch eine neue, sinnvolle Nutzung
zu besetzen, zum Beispiel in der
Form von Außengastronomie und
Grün;
• Die Platzierung von ‘Parklets’
als temporäre Sitzgelegenheit
und Begrünung an der Stelle von
Parkplätzen kann die Qualität
aufzeigen, die der Straßenraum mit
weniger Autos bekommen könnte;
• Radachsen können mit
temporärer Markierung sofort
umgesetzt werden. Dabei
ist strategisch vorzugehen
und das tatsächlich geplante
Radwegenetz als Grundlage zu
beachten. Empfohlen wird, mit
der temporären Umgestaltung der
Rheinstraße zwischen Ostwall und
Dionysiuskirche zu beginnen;
• Eine gute, begleitende
Öffentlichkeitsarbeit ist notwendig,
313

5.3.3

HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR DIe POSTINDUSTRIeLLe STADT XL
wOHNSTADT
Urbanität ist dort, wo viele Menschen wohnen und arbeiten. Die Krefelder Innenstadt ist heute zu dünn
besiedelt, besitzt aber ein enormes Potential zur Nachverdichtung. In der mittelalterlichen Stadtkrone
geht es um die Aktivierung neuer Nutzungen oberhalb der oft nur eingeschossigen Geschäfte. In der sie
umgebenden Rasterstadt ist es das wohnen und Arbeiten in alten und neuen Stadthäusern, und an den Vier
wällen kommen auch großstädtische, kulturelle Nutzungen hinzu.

XL
wOHNSTADT
INNeN- STATT
AUSSeNeNTwIcKLUNG
Zur Schaffung eines urbanen
Lebensumfelds, das den Ansprüchen
einer post-industriellen Gesellschaft
gerecht wird, ist ein klares
Bekenntnis zu einer nachhaltigen
Stadtentwicklungspolitik notwendig.
Ein Konzept zur Aktivierung
des immensen innerstädtischen
Wohnraum- und Flächenpotentials
muss oberste Priorität haben bei
der Wohnungsbaupolitik. Bei der
Umsetzung des Leitbildes sind die
Haus- und Grundbesitzer in der
Innenstadt frühzeitig zu beteiligen und
einzubeziehen.
NUTZUNGSMIScHUNG
Die kleinmaßstäbliche
Nutzungsmischung von Wohnen
und Arbeiten, Einkaufen, Kultur und
Freizeit auf allen Maßstabsebenen
ist entscheidend für ein urbanes
Lebensumfeld. Bauten müssen
heute im Stande sein, verschiedene,
wechselnde Nutzungen möglich
zu machen. Dies stellt neue
Anforderungen an die Architektur
der Fassaden, und vor allem an die
Sockelgeschosse.
wOHNUMFeLD
Wo viele Menschen wohnen, folgt
auch der Einzelhandel für den
täglichen Bedarf und alle Arten von
Dienstleistungen.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Wo noch historische Architektur
vorhanden ist und der öffentliche
Raum für den langsamen Verkehr und
zum Verweilen gestaltet ist, können
erfolgreiche, nachhaltige und sehr
attraktive Nachbarschaften entstehen.
Die Qualitäten der vorindustriellen
Manufakturstadt bieten dabei einen
reichen Fundus an Lösungen, die
bereits in der Kernidentität der
Innenstadt angelegt sind.
ScHROTTIMMOBILIeN ZUeRST
Um die identitätsstiftende historische
Bausubstanz langfristig für das
Stadtbild zu sichern, ist die
Rettung und Wiederherstellung von
sogenannten ‘Schrottimmobilien’
und die Sicherung historischer
Baumaterialien und -elemente
von höchster Dringlichkeit. Alle
vorhandenen Möglichkeiten sollten
dazu ausgeschöpft werden, Leerstand
und Verwahrlosung zu unterbinden.
Der strukturelle, intensive Dialog mit
den Eigentümern ist dabei besonders
wichtig.
STADTRePARATURGeSeLLScHAFT
Der Aufbau einer Organisation nach
dem Vorbild der niederländischen
Stadsherstel-AG bzw. Genossenschaft
für den Kauf, Renovierung und
Vermietung historischer Immobilien,
kann auch historische Bausubstanz
in sehr schlechtem Zustand für das
Stadtbild retten.

Private Eigentümer und lokale
Investoren können als Teilhaber
von einer festen Rendite profitieren,
aber die Häuser nicht weiter
verkaufen. Eine allgemeinnützige
Stadtentwicklungsgesellschaft
kann auf der Grundlage eines klar
definierten wohnungspolitischen Ziels
die Entwicklung von Straßen durch
den Kauf und die Vermietung von
Immobilien fördern. Nur die unbedingte
Gemeinnützigkeit kann eine breite
Unterstützung in der Bevölkerung
garantieren.
LeeRSTANDSMANAGeMeNT
Eine Organisation, die sich um
die Nutzung und das Bild der
Geschäftsstraßen kümmert, kann
dazu beitragen, Straßen lebendig
zu halten. Dabei geht es nicht um
Blumenschmuck und Fensterfolien,
sondern vor allem um eine höhere
Nutzungsvielfalt, z.B. in der Form von
Wohnen und Arbeiten oberhalb von
Geschäften. Vor allem in den Lagen
außerhalb der Stadtkrone ist auch
eine Umwidmung des Einzelhandels
zugunsten von Wohnen und Arbeiten
im Bebauungsplan denkbar.
Die Eigentümer von
Einzelhandelsimmobilien haben in den
letzten Jahrzehnten hohe Gewinne
mit der Vermietung kommerzieller
Erdgeschossflächen erzielt. Angesichts

der dramatischen Entwicklungen
des stationären Einzelhandels wird
die Erschließung und Vermietung
von Obergeschossen z.B. in der
Form kleiner Wohneinheiten auch
für kommerzielle Investoren wieder
interessant.
BAULÜcKeNMANAGeMeNT
Ein aktives, methodisches
Management der Baulücken ist
dringend erforderlich. Instrumente
für strategische Leerstands- und
Brachflächenkataster werden in NRW
entwickelt und stehen den Kommunen
zur Verfügung. Der Kontakt und Dialog
zwischen der Stadt, den Eigentümern
und privaten Kaufinteressenten, sofern
sie selbst in der Innenstadt wohnen
wollen, muss ermöglicht und gefördert
werden.
In erster Instanz ist zu überlegen,
wie der Verkauf einer Baulücke
attraktiv gemacht werden kann für
den Eigentümer, z.B. durch eine
sorgfältige Beratung. Auch finanzielle
Anreize wie die Teilhabe an der
Stadtreparaturgesellschaft mit fester
Rendite können eine Alternative bieten
zur Spekulation mit einem Grundstück
oder einem leerstehenden Haus.
In zweiter Instanz sollten
Instrumente geschaffen werden,
die die Spekulation mit - bzw. das
Zurückhalten von Baulücken langfristig
unattraktiv machen (Sonderabgaben,
Grundsteuer C, Baugebot)

FÖRDeRUNG VON
wOHNeIGeNTUM
Angesichts des enormen Drucks
institutioneller und kommerzieller
Investoren auf die Städte stellt
sich die Frage, wie der Abverkauf
innerstädtischer Immobilien an
auswärtige Investoren eingeschränkt
werden kann, deren Entscheidungen
vor allem aufgrund von
Gewinnmaximierung getroffen werden.
Dort, wo die typischen Traufhöhen
der räumlichen Systeme überschritten
werden, oder mit untypischen Erkern,
hohen Bautiefen etc. versucht wird,
Flächen zu maximalisieren, droht
die Qualität vor allem der zwei- bis
dreigeschossigen Manufakturstadt
schwer beeinträchtigt zu werden.
Eigentümer, die ihre eigenen
Stadthäuser selbst bewohnen wollen,
unterliegen diesem Renditedruck nicht
und bringen sich zudem aktiver in die
Gestaltung ihres Wohnumfelds ein
als auswärtige Vermieter. Aus beiden
Gründen ist diese Zielgruppe gezielt zu
fördern.
Um Spekulation zu unterbinden,
sollte die Förderung des Baus von
Stadthäusern in der Innenstadt an
die Bedingung gebunden werden,
dass Häuser selbst bewohnt
werden müssen und über einen
festzulegenden Zeitraum nicht
314

5.3.4

HANDLUNGSeMPFeHLUNGeN FÜR DIe POSTINDUSTRIeLLe STADT XL
ARBeITSPROZeSSe
Eine integrierte Herangehensweise von Stadt- und Verkehrsplanung, Denkmalpflege,
Bauaufsicht und Gestaltungsbeirat ist in Krefeld notwendig, um die großen Themen
(Mobilitätskonzept, Klimaschutzkonzept, Kulturhistorische Städtebauliche Analyse) langfristig
und überzeugend umzusetzen. Alle einzelvorhaben sind inhaltlich und sachlich an den Zielen
einer integrierten, nachhaltigen Stadtentwicklung zu überprüfen.

XL
ARBeITSPROZeSSe
‘POLICY’ STATT ‘POLITICS’
In der deutschen Sprache wird nicht
zwischen inhaltlichen Leitideen
(policy) und Machtpolitik (politics)
unterschieden. Für eine nachhaltige
Stadtentwicklung ist der Unterschied
relevant. Es ist die Aufgabe des Rates
bzw. des Hauptausschusses, die
inhaltlichen Ziele einer integrierten
Innenstadtentwicklung zu formulieren
und Leitlinien festzulegen. Es soll
nicht im Einzelfall entschieden werden
(politics), da dies zu einer weiteren
Fragmentierung des Stadtgefüges
führt. Vielmehr soll aufgrund inhaltlich
solider Leitlinien (policy) gesteuert
werden, denen alle Einzelprojekte
entsprechen müssen. Die Verwaltung
ist für die Umsetzung zuständig.

Eine integrierte Herangehensweise
von Stadt- und Verkehrsplanung,
Denkmalpflege, Bauaufsicht und
Gestaltungsbeirat liegt einer
überzeugenden und konsequenten
Umsetzung der großen Themen
zugrunde. Planungs- und
Genehmigungsprozesse sind so zu
organisieren, dass die verschiedenen
Fachbereiche rechtzeitig eingebunden
werden und die Unabhängigkeit
der Beratung gewährleistet ist.
Eine Verpflichtung gegenüber
den vorgenannten Grundsätzen
zum Erhalten, Verstärken und
Weiterentwickeln der kulturhistorisch
- städtebaulichen Werte der Krefelder
Innenstadt hat dabei oberste Priorität.

Bebauungsplanverfahren sind
hoheitliche Aufgabe des Stadtrates,
der die Kongruenz mit den Zielen einer
integrierten Innenstadtentwicklung
und den Leitlinien sicherstellt.
Dies erfordert Weitsichtigkeit,
Gestaltungswillen und Verantwortung
über einen langen Zeitraum.

Entsprechend sind integrierte
Prozesse und Protokolle aufzustellen.
Dazu gehören schlüssige
Bebauungspläne und bindende
Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen
ebenso, wie die integrierte Vorberatung
(Stadtplanung, Bauaufsicht,
Denkmalschutz, Gestaltungsbeirat),
in der planerische und gestalterische
Grundlagen vorab geklärt werden.

INTeGRIeRTe PROZeSSe
Optimale Ergebnisse in der
Stadtentwicklung können nur in
einer integrierten Herangehensweise
erzielt werden. Dies betrifft die
großen Gutachten (Mobilitätskonzept,
Klimaschutzkonzept, KHSA) und
vor allem die Abstimmung der
Fachbereiche untereinander.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

BINDeNDe SATZUNGeN
Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen
für die Innenstadt als Ganzes und
für Bereiche, in denen die Elemente
der historischen Stadtstruktur und
konstituierende Bebauung erhalten
geblieben sind, sind aufzustellen.
Heute gibt es zwar mehrere

Gestaltungssatzungen für die
Innenstadt, auch für Fassaden und
Farbgebung, Fenster und Türen. Diese
greifen jedoch nicht so umfänglich, wie
es notwendig wäre. Hinzu kommen
mangelnde Personalressourcen,
um die Einhaltung der Satzungen
engmaschig zu überwachen.
Die Einbindung der Denkmalbehörde,
der Bauaufsicht und des
Gestaltungsbeirates ist bei der
Aufstellung bindender Satzungen
zwingend notwendig, um
Abstimmungsprobleme bei der Prüfung
von Bauanträgen zu vermeiden.
Die Selbstverpflichtung der Stadt
gegenüber den vorgenannten
Grundsätzen bedeutet auch, dass
die Einhaltung der Grundsätze in
der Ausführung entsprechend zu
kontrollieren ist und bei Übertretungen
konsequent einzuschreiten ist - bei
kleinen und bei großen Projekten.
GeSTALTUNGSBeIRAT
Der Gestaltungsbeirat vertritt das
kollektive, öffentliche Interesse und
eine nachhaltige Stadtentwicklung
und Baukultur gegenüber
kommerziellen Einzelinteressen. Die
früh- und rechtzeitige Konsultation
des Gestaltungsbeirats ist bei
Innenstadtfragen unerläßlich.
Es wird empfohlen, die Berufung
der Mitglieder auf der Basis
hervorragender fachlicher Qualifikation

zu städtebaulich - gestalterischen
Fragen durchzuführen. Die Rolle von
Vertretern der politischen Fraktionen
im Gestaltungsbeirat ist unklar und
näher zu definieren.
Der Gestaltungsbeirat sollte seine
Empfehlungen - sofern es um
Innenstadtthemen geht - auf den
zuvor genannten Entwicklungszielen
und Satzungsinhalten basieren.
Der Gestaltungsbeirat sollte alle
Bauprojekte in der Innenstadt zu
sehen bekommen. Dabei geht es nicht
nur um die städtebaulich bedeutenden
Projekte, sondern vor allem um eine
allgemeine Erhöhung der Qualität der
Architektur.
Sitzungen sollten öffentlich sein,
um Bürger zu sensibilisieren für
einen baukulturellen Diskurs.
Vorsitz und Geschäftsführung des
Gestaltungsbeirats entscheiden, was
in der öffentlichen Sitzung beraten wird
und was nicht. Die Geschäftsordnung
des Gestaltungsbeirates ist
dementsprechend anzupassen.
STADT(BAU)KULTUR
Eine Sensibilisierung der Bürger
für die Themen der Innenstadt ist
erforderlich, um die öffenltiche Debatte
auf ein inhaltlich und fachlich höheres
Niveau zu bringen. Baukulturelle
Bildung und Architekturrouten
durch die Innenstadt auf der Basis
von Schritt 1 – Analyse werden

empfohlen, um die Stadtbaugeschichte
Krefelds anhand der verbleibenden
historischen Objekte und räumlichen
Strukturen zu vermitteln und ihr
Potential aufzuzeigen. Die räumliche
Etablierung der kulturhistorischen und
archäologischen Forschung in der
Innenstadt würde einen kulturellen
Mehrwert darstellen.
Die Eigentümer, vor allem aber
die Architektenschaft Krefelds und
die Quartiersarchitekten sind für
das Leitbild, die kulturhistorisch
- städtebaulichen Werte und
Kernqualitäten der drei räumlichen
Systeme und die dazu gehörigen
Gestaltungskriterien zu sensibilisieren,
damit sich eine Planungskultur
entwickelt, die langfristig in einem
zusammenhängenden Stadtbild
resultiert.
Die Rolle der Quartiersarchitekten
ist insofern neu zu definieren,
als die Beratung durch die
Quartiersarchitekten mit den
kulturhistorisch - städtebaulichen
Werten und Kernqualitäten der
räumlichen Systeme sowie den Zielen
des Leitbilds im Einklang sein muss.
Wettbewerbe zu den Stadthäusern
oder zur Herangehensweise an die
Dissonanten und ihrer zukünftigen
Entwicklung können die aktive
Auseinandersetzung mit dem
Stadtgrundriss befördern.
315

5.4 GeSTALTUNGSReGeLN
RÄUMLIcHe SySTeMe

L+M

ein hochwertiges, zusammenhängendes Stadtbild ist oberstes Ziel für alle
einzelprojekte in der Innenstadt. Die Gestaltung des öffentlichen Raums
ist nicht als Summe individueller Projekte aufzufassen, sondern zuallererst
als Teil eines zusammenhängenden und lesbaren Ganzen.
Die nachfolgenden Gestaltungsregeln wurden exemplarisch aufgestellt
als Struktur für eine systematische Grundlage für die Gestaltung des
öffentlichen Raums.

5.4.1 RÄUMLIcHe SySTeMe

S. 317

5.4.2 ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN

S. 320

5.4.3 ÖFFeNTLIcHeR RAUM - PLÄTZe

S. 328

5.4.4 ARcHITeKTUR

S. 335

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

316

5.4.1

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
KeRNMeRKMALe ALLGeMeIN
Die drei räumlichen Systeme bilden den Orientierungsrahmen für
die Gestaltung der Innenstadt. Sie sind in ihrem charakter deutlich
voneinander zu unterscheiden. Die Qualitäten der drei räumlichen
Systeme und ihre Lesbarkeit können als Basis dienen für die Ausarbeitung
bindender Gestaltungsregeln.
1
•
•
•

STADTKRONe
organisch geschwungene, unregelmäßige Fluchtlinien
langsamer, vor allem fußläufiger Verkehr;
reizvolle Kleinteiligkeit in Parzellierung und Silhouetten
der Bebauung, ‘Altstadt’;
• Relief und Detailreichtum in der Architektur;
• kleinteiliges, informelles Pflaster von Hauswand zu
Hauswand, ‘Wohnzimmer’ der Stadt;
• frei im Raum platzierte Bäume.

2 STRASSeN UND HÄUSeR
• barock-klassizistische Rasterstadt;
• langsame Bewegung zu Fuß, mit dem Rad und mit dem
Auto. Fahrradstraßen = ‘Radachsen’;
• unaufgeregte, traufständige Häuser, vertikal und
horizontal gegliederte Fassaden;
• lange Straßenprofile, hergerichtet für Aufenthaltsqualität,
vor allem für Bewohner.

3 VIeR wÄLLe
• klassizistische Anlage von Promenaden/Boulevards nach
französischem Vorbild;
• langsame Bewegung zu Fuss, aber auch mit dem Rad,
ÖPNV, Auto;
• durchgehender Spaziergang über die Mittelstreifen des
Ost-, Süd- und Westwalls möglich;
• Verbreiterung der Bürgersteige des Nordwalls und
Verbesserung der Erreichbarkeit und Nutzbarkeit des
Friedrichsplatzes als Aufenthaltsraum.

Abb. 5.0_3
räumliche Systeme
Stadtkrone, Straßen und Häuser,
Vier Wälle

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

317

5.4.1

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
ÖFFeNTLIcHeR RAUM

PLÄTZe
KONSTITUIeReND

PLÄTZe
TRANSFORMATION

LE
WAL
VIER

LE
WAL
VIER

STRASSeN

PLÄTZe
TRANSFORMATION

LE
WAL
VIER

PLÄTZe
KONSTITUIeReND

ER
ER
MAU
MAU
ZISE
ZISE
E AK
E AK
OCK
OCK
BAR
BAR

STRASSeN

R
AUE
DTM
STA
M.A

PLÄTZe
KONSTITUIeReND

LE
WAL
VIER

STRASSeN

R
AUE
DTM
STA
M.A

ER
ER
MAU
MAU
ZISE
ZISE
E AK
E AK
OCK
OCK
BAR
BAR

2 STRASSeN UND HÄUSeR
• primäre Straßen (Fahrradstraßen): Breite Straße, Königstraße, Gartenstraße,
Rheinstraße, Dreikönigenstraße
• sonstige primäre Straßen: südliche Hochstraße, Sankt-Anton-Straße, CarlWilhelm-Straße.
• sekundäre Straßen: alle übrigen Straßen im Gebiet
• konstituierende Plätze: Neumarkt, Friedrichstraße
• nicht konstituierende Plätze: Dionysiusplatz, Von-der-Leyen-Platz,
Theaterplatz, Anne-Frank-Platz, Max-Petermann-Platz, Platz an der
Wallstraße (südlich Anne-Frank-Platz)
• Kriegsbrachen: Willy-Göldenbachs-Platz, Dr.-Hirschfelder-Platz, sowie die
diversen unbenannten Park- und Spielplätze, die auch als Dissonanten
markiert wurden.

R
AUE
DTM
STA
M.A

1 STADTKRONe
• primäre Straße(n): Hochstraße, Everts- und Angerhausenstraße
• sekundäre Straßen/Gassen: Poststraße und Tückingsgasse, EvangelischeKirch-Straße, Wiedenhof- und Mennoniten-Kirchstraße
• konstituierende Plätze: Schwanenmarkt, Kirchhof um die Alte Kirche
• nicht konstituierende Plätze: Platz an der Alten Kirche
• Kriegsbrachen: Evangelischer-Kirch-Platz, als Gasse wiederherzustellen

R
AUE
DTM
STA
M.A

Im öffentlichen Raum werden jeweils Straßen und
Plätze unterschieden. Diese werden wiederum in
primäre und sekundäre Straßen bzw. konstituierende
und nicht konstituierende Plätze eingeteilt.

3
•
•
•

VIeR wÄLLe
primäre Straßen: Ostwall, Südwall, Westwall
sekundäre Straßen (Fahrradstraße): Nordwall
konstituierende Plätze: Friedrichsplatz, Bahnhofsvorplatz, Karlsplatz (durch
den Bau des Kaiser-Wilhelm-Museum faktisch aufgehoben)
• nicht konstituierende Plätze: ‘Joseph-Beuys-Platz’ rund um das KaiserWilhelm-Museum und auf dem Westwall

Abb. 5.0_4, 5 und 6
Übersicht der Straßen und Plätze
(konstituierend und nicht konstituierend) in den
jeweiligen räumlichen Systemen

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

PLÄTZe
TRANSFORMATION

318

5.4.1

RÄUMLIcHe SySTeMe
DISSONANTeN

2
3 2
2

1

wo Transformationen einer
eigenen Logik folgen, wurden
Dissonanten identifiziert. Der
Umgang mit ihnen wird unter
5.6.1 näher erläutert.

4

3

6

5

27
7
15
9

17

8

13
18

1

10

16

11

20

12
14
19
22
21

Abb. 5.0_7
Räumliche Systeme und Dissonanten

23

24
26
25

1 STADTKRONe
2 STRASSeN UND HÄUSeR
3 VIeR wÄLLe
4 DISSONANTeN
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

319

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN
Die Grundprinzipien der Gestaltung
der primären und sekundären Straßen
werden im folgenden auf der Grundlage
der Analyse und des Leitbildes weiter
ausformuliert.
1 STADTKRONe
Eine Trennung von Fahrbahn und Trottoir gab es im Mittelalter noch nicht. Wenn
Straßen überhaupt befestigt waren, dann mit einer kleinteiligen Pflasterung.
Entsprechend den historischen Abbildungen und historischen Referenzen wird
daher die folgende Gestaltung empfohlen:
• Fußgängerstraßen, Pflasterung in einer Ebene von Hauswand zu Hauswand;
• primäre Straße(n): kleinteiliges, unregelmäßiges Mosaikpflaster, mittiger
Läufer aus Großpflaster oder kleinteiligem Plattenbelag (vorhanden), zur
Betonung der Hauptstraße;
• sekundäre Straßen/Gassen: kleinteiliges, unregelmäßiges Mosaikpflaster.
2 STRASSeN UND HÄUSeR
Die Straßen der brandenburgisch-preußischen Stadterweiterungen waren aus
Geldmangel lange unbefestigt. Die erste überlieferte Pflasterung zeigt bereits
eine Trennung von Fahrbahn in robustem Kleinpflaster mit grauer Bordsteinkante
aus Naturstein und einem Trottoir aus helleren Natursteinplatten. Entsprechend
den historischen Abbildungen und historischen Referenzen wird daher die
folgende Gestaltung empfohlen:
• langsamer Verkehr, Bürgersteige und Fahrbahnen getrennt, Bordsteinkante
farblich abgesetzt;
• primäre Straßen: Bürgersteige mit Läufer z.B. aus mittelgroßen
Natursteinplatten, zur Hausgrenze Mosaikpflaster (Klimaschutz*). Fahrbahn
in Großpflaster oder asphaltiert als Fahrradstraße (Mobilität*); Parkplätze als
Buchten im Bürgersteig (Mobilität*),
• sekundäre Straßen: Bürgersteige mit Natursteinplatten, zur Hausgrenze
Mosaikpflaster/Streifen zur Begrünung und für Sitzbänke (Klimaschutz*).
Fahrbahn verkehrsberuhigt mit Großpflaster in Reihe.
3 VIeR wÄLLe
Die Essenz der Anlage der Vier Wälle als französische Boulevards ist die
Promenade auf dem Mittelstreifen, mit einer hellen, wassergebundenen
Oberfläche und mehrfachen Baumreihen. Die erste überlieferte Pflasterung
zeigt bereits eine Trennung von Fahrbahn in robustem Kleinpflaster mit grauer
Bordsteinkante aus Naturstein und einem Trottoir aus helleren Natursteinplatten.
Entsprechend den historischen Abbildungen und historischen Referenzen wird
daher die folgende Gestaltung empfohlen:
• Bürgersteige und Fahrbahnen getrennt, Bordsteinkante farblich abgesetzt;
• die Vier Wälle: Mittelstreifen als möglichst durchgänginge Promenade
mit wassergebundener Oberfläche und Läufern mit Plattenbelag (Jogger,
Rollstuhlfahrer, Kinderwagen*) in Kombination mit kulturhistorisch wertvollem
und neuem Grün. Fahrbahn in Großpflaster oder asphaltiert (Mobilität*);
Bürgersteige mit Natursteinplatten, zur Hausgrenze Mosaikpflaster
(Klimaschutz*);
• sekundäre Straßen: Bürgersteige mit Natursteinplatten, zur Hausgrenze
Mosaikpflaster/Streifen zur Begrünung und für Sitzbänke (Klimaschutz*).
Fahrbahn verkehrsberuhigt mit Großpflaster in Reihe

* Alle Straßenprofile, Detaillierungen und Materialisierungen sind in Abstimmung
mit Mobilitäts- und Klimaschutzkonzept, und unter Berücksichtigung der Belange
mobilitätseingeschränkter Verkehrsteilnehmer*innen und der Anforderungen des
ÖPNV weiter auszuarbeiten.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE
Abb. 5.0_8-15
Übersicht der Straßenprofile
in den jeweiligen räumlichen Systemen

PRIMÄRe STRASSe

PRIMÄRe STRASSe

OSTwALL

SeKUNDÄRe STRASSe

FAHRRADSTRASSe

wOHNSTRASSe

weSTwALL

NORDwALL

320

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 1 STADTKRONe
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - PRIMÄRe STRASSeN

links unten: Abb. 5.0_9
Straßenprofil Fußgängerzone

RÄUMLIcHeS SySTeM
Das Gebiet der ‘Altstadt’ ist dem
Fußgänger vorbehalten. Hier ist das
kommerzielle, kulturelle und vor allem
gastronomische Herz der Stadt. Es
gibt genügend Sitzgelegenheiten, auch
ohne etwas ‘konsumieren’ zu müssen.
In der Stadtkrone sind die organisch
geschwungenen, unregelmäßigen
Fluchtlinien aus dem Mittelalter noch
erhalten. Innerhalb der kleinteiligen
Parzellierung wird nach einer
reizvollen Silhouette gestrebt. Die
Architektur der Bebauung soll dem
Fußgänger die entsprechenden
visuellen Reize in der Form von
Relief und Detailreichtum der
Fassaden bieten.

FUSSGÄNGeRZONe

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Ein kleinteiliges, informelles Pflaster
von Hauswand zu Hauswand folgt
den unregelmäßigen Formen des
Stadtgrundrisses und ist wie die
Architektur detailreich und reizvoll.
Die Farben sind eher beige als
grau und eher hell als dunkel, und
sie verleihen dem Stadtraum einen

freundlichen Wohnzimmercharakter.
Einzelne Bäume sind frei im Raum
platziert.
PRIMÄRe STRASSe(N):
Die Hochstraße wurde 2019 mit
einem doppelten Läufer aus beigen
Granitplatten in Läuferverband
neu gepflastert. Eine Mittelrinne
und die Ränder wurden in einem
regelmäßigen, relativ dunklen
Kleinpflaster ausgeführt.

Abb. 5.0_16 (links oben)
Gasse in Kopenhagen
Ein kleinteiliges Pflaster von Hauswand zu
Hauswand passt zur Unregelmäßigkeit der
Fluchtlinien und der Bebauung und bietet der
Geschwindigkeit des Fußgängers entsprechende
visuelle Reize.
Abb. 5.0_18 (unten)
Referenzbild Pflasterung
helles Kleinpflaster

Abb. 5.0_17 (rechts oben)
Hochstraße
Die Läufer aus einem hellen Plattenbelag
betonen die Wichtigkeit der Hochstraße
als Rückgrat der Stadt. Das dunkelgraue
Betonpflaster wäre langfristig durch ein beiges
Kleinpflaster in derselben Farbe wie die
Granitplatten auszutauschen.
Abb. 5.0_19 (unten)
Referenzbild Pflasterung
Läufer aus hellen Granitplatten

Es wird empfohlen, die
Materialisierung der Mittelrinne
langfristig gegen ein unregelmäßiges
Mosaikpflaster in der Farbe der
Granitplatten auszutauschen, um
ein einheitliches Bild zu erhalten und
die Verbindung zu den sekundären
Straßen herzustellen, die es
aufzuwerten gilt. Die beige Farbe
ergibt zudem weniger Kontrast und ein
freundliches, zusammenhängendes
Gesamtbild.

321

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 1 STADTKRONe
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - SeKUNDÄRe STRASSeN

links unten: Abb. 5.0_8
Straßenprofil wohnstraße

SeKUNDÄRe STRASSeN
UND GASSeN
Die Querstraßen und -gassen
der Stadtkrone bedürfen in ihrer
Ausstrahlung einer deutlichen
Aufwertung. Sie sind relevant als
Erschließung neuer Nutzungen
oberhalb der bestehenden Geschäfte,
und sollen darum von Rückseiten zu
Vorderseiten umgewandelt werden.
Auch für diese Kapillargefäße
der Stadt wird ein kleinteiliges,
unregelmäßiges Mosaikpflaster
empfohlen, das hier ein informelleres
Stadtbild schaffen soll als in der
Haupteinkaufsstraße und ein
stimulierendes Umfeld für neue
Nutzungen bieten kann.

AUTOFReIe ZONe
Alle ebenerdigen Parkplätze im Gebiet
sind aufzuheben. Auch die Möglichkeit
zum Wildparken ist zu blockieren,
zum Beispiel mit subtilen Pollern. Für
den Lieferverkehr zu festen Zeiten
und für die Feuerwehr bleibt das
Gebiet selbstverständlich erreichbar,
versenkbare Barrieren sind hier
einzusetzen, um das Wildparken zu
unterbinden.

Abb. 5.0_20 (links oben)
Gasse in Amsterdam
Ein kleinteiliges Pflaster von Hauswand zu
Hauswand bildet eine Art Teppich als Unterlage
für informelle Nutzungen.

Abb. 5.0_21 (rechts oben)
Mennoniten-Kirch-Straße
Das Kleinpflaster schafft eine freundliche,
wohnliche Atmosphäre, Aufenthaltsqualität und
Raum für neue Nutzungen

Abb. 5.0_18 (unten)
Referenzbild Pflasterung
helles Kleinpflaster, von Hauswand zu
Hauswand angelegt

Am Rand des Gebietes sind an der
Wiedenhofstraße und der MennonitenKirch-Straße sowie an der Markt- und
Rheinstraße Fahrradabstellplätze
in Form hochwertiger Fahrradbügel
(s. Stadt der Straßen und Häuser,
Radachsen) vorzusehen. Für
elektrische Fahrräder und den
motorisierten Individualverkehr gibt
es eine Vielzahl von Parkhäusern in
unmittelbarer Nähe der Stadtkrone.
Dies gilt übrigens auch für
Behindertenparkplätze.

wOHNSTRASSe

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

322

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 2 STRASSeN UND HÄUSeR
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - PRIMÄRe STRASSeN

Abb. 5.0_23
Umgestaltung Nachtegaalstraat, Utrecht
Die ehemalige Hauptverkehrsstraße wurde
in eine Fahrradstraße umgewandelt. Breitere
Bürgersteige und schmalere Fahrbahnen in
denen Fahrräder Vorrang haben und das Auto
zu Gast ist sorgen für eine gleichberechtigte
Verteilung des öffentlichen Raumes. Der
Straßenraum wurde gründlich aufgeräumt.
Durch die Entschleunigung entstand
Aufenthaltsqualität.

RÄUMLIcHeS SySTeM
Die Stadt der Straßen und Häuser
soll sich zu einem vielseitigen und
gemischten Gebiet entwickeln, in
dem es sich gut wohnen und arbeiten
lässt. Hier wird eine gleichberechtigte
Nutzung des öffentlichen Raums
durch Fußgänger und motorisierten
Individualverkehr angestrebt.

36%

+

45%

Abb. 5.0_22
Basisprinzip Neugestaltung Straßen
Die Fahrbahn wird verschmälert und der
Straßenraum dadurch entschleunigt. Durch die
Ausstülpungen zwischen den Parkplätzen wird
der Abstand zwischen den Bürgersteigen halbiert
und zusätzlicher Raum für den Fußgänger und
Grün geschaffen.
wOHNSTRASSe

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Dazu werden Bürgersteige breiter,
Fahrspuren deutlich schmaler
ausgebildet. Auch mit der Anlage
der Radachsen wird das Tempo des
motorisierten Individualverkehrs
wie von selbst deutlich reduziert.
Es soll darauf geachtet werden,
dass die Zahl der dazu aufgestellten
Verkehrsschilder möglichst niedrig
gehalten wird.
PRIMÄRe STRASSeN
Die Bürgersteige der primären Straßen
erhalten beidseitig einen schmalen
Streifen entlang der Hausgrenze für
individuelle Bepflanzung und zum
Aufstellen einer Sitzbank.
Parkbuchten (langfristig nur noch

für Parkbuchten für Ladezonen und
Behindertenstellplätze) werden
beidseitig in die Bürgersteige integriert.
Sie erhalten ein graues Großpflaster.
Autos parken also nicht auf der
Fahrbahn, sondern in einer deutlich
erkennbaren Zone des Bürgersteigs,
wodurch die Fahrbahnen visuell
schmal gehalten werden können.
Anstelle mancher Parkplätze können
hier auch hochwertige Fahrradbügel
platziert werden.

Abb. 5.0_24 Breite Straße
Die Fahrbahn - hier als Radachse gestaltet wurde verschmälert. Durch die Ausstülpungen
zwischen den Parkplätzen wird der Abstand
zwischen den Bürgersteigen wird zusätzlicher
Raum für den Fußgänger geschaffen und der
Straßenraum entschleunigt.
Abb. 5.0_25, 26 und 27 Materialien
Kleinpflaster und Plattenbelag für die
Bürgersteige, Großpflaster für die Parkbuchten
und kontrastierender Asphalt für die Radachsen.

Die Fahrbahnen der primären
Straßen fallen zum großen Teil mit
den Radachsen zusammen und sind
asphaltiert. Die Bordsteinkanten
werden in einem Grauton abgesetzt.
Die Faustregel dabei ist: die
Oberflächen für den Fußgänger sind
beige gehalten, Höhenversprünge und
Fahrbahn in einem kontrastierenden
Grauton.

323

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 2 STRASSeN UND HÄUSeR
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - SeKUNDÄRe STRASSeN

Abb. 5.0_28
‘Geveltuintje’ in Amsterdam
Ein schmaler Streifen an der Hausgrenze
wird auf Anfrage gratis von der Stadt als
‘Fassadengarten’ entsiegelt und rundum mit
Kantsteinen versehen.

Abb. 5.0_10 und 12 (links unten)
Straßenprofil Wohnstraße und primäre Straße
bzw. Fahrradstraße

Abb. 5.0_29
Umgestaltung einer Straße in Groningen
Breitere Bürgersteige und schmalere
Fahrbahnen sorgen für eine gleichberechtigte
Verteilung des öffentlichen Raumes.
Einzelne Parkplätze für Autos wurden durch
Fahrradabstellplätze und Baumspiegel
ausgetauscht. Die Baumspiegel wurden von
Bewohnern ‘adoptiert’ und bepflanzt.

SeKUNDÄRe STRASSeN
UND GASSeN
Die Bürgersteige der sekundären
Straßen erhalten an der Sonnenseite
einen schmalen Streifen entlang
der Hausgrenze für individuelle
Bepflanzung und zum Aufstellen einer
Sitzbank.

GLeIcHBeRecHTIGUNG IM
VeRKeHR
Um mehr Raum für langsame
Verkehrsteilnehmer zu schaffen muss
die Anzahl der ebenerdigen Parkplätze
reduziert werden. Der ruhende
Individualverkehr soll langfristig in
Parkhäuser und Quartiersgaragen
verlagert werden.

Abb. 5.0_30: Stephanstraße
Neuprofilierung mit schmalerer Fahrbahn und
breiterem Bürgersteig mit einem schmalen
Streifen für Bepflanzung und Sitzgelegenheiten
der Anwohner.

Abb. 5.0_18, 26 und 31: Materialien
Kleinpflaster und Plattenbelag für die
Bürgersteige, Großpflaster (Reihenpflaster
Basalt) für die Fahrbahn und die Parkbuchten

Parkbuchten werden an der
Schattenseite in die Bürgersteige
integriert. Autos parken also
nicht auf der Fahrbahn, sondern
deutlich erkennbar in der Zone des
Bürgersteigs, wodurch die Fahrbahnen
visuell schmal gehalten werden
können.
Die Fahrbahnen der engeren
Wohnstraßen erhalten ein Großpflaster
in einem Grauton, auch die
Bordsteinkanten sind in einem Grauton
abzusetzen. Die Faustregel dabei ist:
die Oberflächen für den Fußgänger
in beige, Höhenversprünge und
Fahrbahn in einem kontrastierenden
Grauton.
wOHNSTRASSe

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

324

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 3 VIeR wÄLLe
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - OSTwALL
Abb. 5.0_32
Ostwall
Neuprofilierung mit vier Baumreihen
auf dem Mittelstreifen und einer hellen,
wassergebundenen Oberfläche mit Läufern aus
Natursteinplatten. Rechts im Bild die Vollendung
der Bauflucht zum Theaterplatz.

Abb. 5.0_13 (unten)
Straßenprofil Ostwall

RÄUMLIcHeS SySTeM
Die Anlage der Vier Wälle als
Promenade um die barocke
Akzisestadt ist nicht nur
kulturhistorisch - städtebaulich
einzigartig. Sie ist trotz aller
Transformationen bis heute
identitätsstiftend und deutlich im
Stadtbild erkennbar.
Die Bebauung entlang der Vier
Wälle ist deutlich höher und
repräsentativer gestaltet als im Gebiet
der Straßen und Häuser innerhalb
der Vier Wälle. Viele Häuser im Stil
des Neoklassizismus und aus der
Gründerzeit blieben erhalten. Nach der
Zerstörung 1943 wurde die Bebauung
durch Bauten des Wiederaufbaus zum
Teil raffiniert ergänzt.

OSTwALL

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

IDeNTITÄT UND STADTBILD
Die Vier Wälle nehmen bei der
Innenstadtentwicklung eine
Schlüsselrolle ein. Sie sind nicht
nur für ihre Anlieger, sondern für
alle Bürger der Stadt der wichtigste
Identifikationsort. Dementsprechend
sollen sie nicht als Alleen oder

Gartenanlagen, sondern als
großstädtische Boulevards für alle
Bürger nutzbar gemacht werden.
Die unaufgeregte, weltstädtische
Gestaltung der Vier Wälle
zur größten und wichtigsten
Freianlage der Innenstadt soll
für die Transformationsaufgaben
der Stadt Impulse setzen, wie die
Mobilitätswende, den Klimaschutz
und die Schaffung eines attraktiven,
urbanen Lebensumfelds mit
überregionaler Strahlkraft.
GeSTALTUNGSKONZePT
Die Vier Wälle sollen ein einheitliches,
qualitätvolles Stadtbild erhalten,
mit hochwertigem, aber nicht
übergestaltetem Stadtmobiliar. Der
gestalterische Zusammenhang der
Anlage ist sowohl in der horizontalen
Fläche (2D) als in der Bebauung
(3D) unbedingt zu wahren. Ein
Gestaltungskonzept für die horizontale
Fläche soll nach den im Leitbild
skizzierten Ausgangspunkten
zügig erarbeitet und umgesetzt
werden. Oberste Priorität hat dabei

die Aufenthaltsqualität und die
Wiederherstellung des Mittelstreifens
von West-, Süd- und Ostwall
als durchgängige Promenade,
einschließlich des südlichen Teils des
Ostwalls als Stadteingang.
Die neutrale, strenge Gestaltung
nach der konstituierenden Situation,
mit einem grünen Dach aus
kleinen Bäumen und einer hellen,
wassergebundenen Oberfläche ist
dabei als richtungweisende Referenz
zu verstehen. Langfristig wird eine
Rückkehr zum konstituierenden Bild
mit mehrfachen Baumreihen und
kleineren Bäumen empfohlen.
NeUTRALITÄT STATT
FUNKTIONALISMUS
Die Vier Wälle sollen als
großstädtischer, öffentlicher Raum
mehrere Funktionen zulassen.
Visuelle Ruhe, funktionale Neutralität
bzw. Nutzbarkeit für eine Vielzahl
von Aktivitäten und Veranstaltungen
sind Grundvoraussetzung für
eine entspannte, großstädtische
Atmosphäre.
325

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 3 VIeR wÄLLe
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - weSTwALL, SÜDwALL

Abb. 5.0_33: Place Dauphine in Paris
Mittelbereich mit heller, wassergebundener
Oberfläche und neuen, kleinen Bäumen. Die
Fahrbahn ist grob gepflastert, der Bürgersteig ist
genügend breit für Außengastronomie

Abb. 5.0_34 Garten der Münchener Rück
Beispiel einer hellen, wassergebundenen
Oberfläche in Kombination mit einem
großformatigen Plattenbelag in der gleichen
Farbe, sowie einem Blätterdach aus mehrfachen
Baumreihen. Vogt Landschaftsarchitekten AG

Abb. 5.0_14 (unten)
Straßenprofil westwall

Abb. 5.0_35: westwall
Neuprofilierung mit drei Baumreihen
auf dem Mittelstreifen und einer hellen,
wassergebundenen Oberfläche mit Läufern aus
Natursteinplatten.

Abb. 5.0_36, 31, 26, 18: Materialien
Kleinpflaster und Plattenbelag für die
Bürgersteige, Großpflaster (Reihenpflaster
Basalt) für die Fahrbahn und die Parkbuchten

weSTwALL

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

326

5.4.2

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M - 3 VIeR wÄLLe
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - STRASSeN - NORDwALL

Abb. 5.0_37
Bürgersteig in Berlin
Der Bürgersteig besteht aus einem
Kleinpflaster und Läufern aus
Natursteinplatten. Er ist genügend breit
für Außengastronomie
Abb. 5.0_15 (links unten)
Straßenprofil Nordwall

NORDwALL
Die Bürgersteige werden verbreitert
und erhalten einen doppelten Läufer
aus Natursteinplatten für die Laufzone
sowie entlang der Hausgrenze einen
schmalen Streifen und zur Fahrbahn
hin einen breiteren Streifen aus
Kleinpflaster. Diese ‘Servicezone’
zur Straße hin bietet Raum zum
Be- und Entladen, für Fahrradbügel,
Außengastronomie, Haltestellen.

Abb. 5.0_38: Nordwall
Neuprofilierung mit verbeiterten Bürgersteigen,
mit einem Kleinpflaster und Läufern aus
Natursteinplatten. Zwischen Läufer und Fahrbahn
ist Platz für Außengastronomie sowie neue
Bäume.
Abb. 5.0_39: Materialien
Kleinpflaster und Plattenbelag für die
Bürgersteige, Großpflaster für die Fahrbahn und
die Parkbuchten

Die Fahrbahnen erhalten eine in Farbe
und Textur abgesetzte, asphaltierte
Fahrradspur. Die Fahrbahn selbst ist in
einem Großpflaster in einem Grauton
gehalten, auch die Bordsteinkanten
sind in einem Grauton abzusetzen. Die
Faustregel dabei ist: die Oberflächen
für den Fußgänger in beige,
Höhenversprünge und Fahrbahn in
einem kontrastierenden Grauton.

NORDwALL

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

327

5.4.3

ÖFFeNTLIcHeR RAUM

ÖFFeNTLIcHeR
RAUM - PLÄTZe

erst wenn die Vier wälle als öffentlicher
Freiraum wiederhergestellt sind, kann
eine sinnvolle Auseinandersetzung mit
den übrigen Freiflächen der Innenstadt
stattfinden.
VIeR wÄLLe UND PLÄTZe
Die Vier Wälle sind für alle
Bürger Krefelds der wichtigste
Identifikationsort der Innenstadt.
Ihre Gestaltung zur größten
und wichtigsten Freianlage der
Innenstadt soll Impulse setzen für
alle Transformationsaufgaben, die es
in den nächsten Jahren zu meistern
gilt, wie z.B. die Mobilitätswende,
Klimaschutz, aber auch die
Neubewertung der Innenstadt als
attraktives, urbanes Wohngebiet.
Der Friedrichsplatz ist ebenso Teil
der historischen Anlage wie der
Nordwall. Der Karlsplatz wurde durch
den Bau des Museums aufgehoben
und der Bahnhofsvorplatz kam als
Stadteingang hinzu.
KONSTITUIeReNDe PLÄTZe
Bisher wurde nicht klar zwischen
den Plätzen, die als solche geplant
waren und den Kriegs- und
sonstigen Brachflächen innerhalb
der Vier Wälle unterschieden.
Um die historische Stadtstruktur
wieder klar lesbar zu machen,
ist es wichtig, gerade diejenigen
Plätze sinnvoll im Stadtgrundriss
zu verorten, die unlöslich mit der
Entwicklungsgeschichte der Stadt
verbunden sind.
Der mittelalterliche Schwanenmarkt
(Alter Markt), der barocke Neumarkt
und die barocke Friedrichstraße
bilden das räumliche Rückgrat, an

dem die Stadtstruktur sich entwickelt
hat. Sie sind als die zentralen
Aufenthaltsorte der Innenstadt und
entsprechend ihrer Situierung im
mittelalterlichen Stadtkern bzw. in der
barock-klassizistischen Stadtanlage zu
gestalten und weiter zu entwickeln.
Die ehemals prachtvolle Achse
der Friedrichstraße wird dabei
ausdrücklich einbezogen. Zum einen
ist ihre Anlage von 1738/1766 mehr
als nur eine Straße, zum anderen kann
die Gestaltung der Friedrichstraße die
südliche und die nördliche Innenstadt
miteinander verbinden.
NIcHT KONSTITUIeReNDe
PLÄTZe
Erst wenn die Vier Wälle wieder
als Promenade genutzt und die
konstituierenden Plätze als zentrale
Stadtplätze gestaltet sind, können
die vielen Kriegsbrachen und die
sonstigen, nicht konstituierenden
Plätze thematisiert werden. Als
Folge kleiner, offener Räume - die
interessanterweise allesamt an
der barocken Akzisemauer, der
‘Innengrenze’ des Vagedesplans,
liegen - können sie den Bedarf an
kleinen Quartiersplätzen bedienen.
Das Verhältnis zwischen offenem und
bebautem Raum wird damit von der
rein quantitativen auf eine qualitative
Ebene gebracht.
Abb. 5.0_40:
öffentlicher Raum - Plätze

KONSTITUIeReNDe PLÄTZe
ÜBRIGe FReIFLÄcHeN
VIeR wÄLLe
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

328

5.4.3

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - KONSTITUIeReNDe PLÄTZe
Um die historische Stadtstruktur wieder klar lesbar
zu machen, ist es wichtig, gerade diejenigen Plätze
sinnvoll im Stadtgrundriss zu verorten, die unlöslich
mit der entwicklungsgeschichte der Stadt verbunden
sind.

ScHwANeNMARKT (ALTeR MARKT)
Eine Trennung von Fahrbahn und Trottoir gab es im Mittelalter noch nicht. Wenn
Plätze überhaupt befestigt waren, dann mit einer kleinteiligen Pflasterung.
Entsprechend den historischen Abbildungen und historischen Referenzen wird
daher die folgende Gestaltung empfohlen:
• Pflasterung in einer Ebene von Hauswand zu Hauswand;
• kleinteiliges, unregelmäßiges Mosaikpflaster, das den organischen Verlauf der
mittelalterlichen Fluchtlinien betont;
• frei platzierte Einzelbäume;
• Schwanenmarkt: Marktplatz, Gastronomie, Veranstaltungen
• Wiederherstellung der räumlichen Lesbarkeit der Gasse zwischen
Schwanenmarkt und Nordportal der Alten Kirche durch Platzierung eines
räumlichen Elements.
NeUMARKT UND FRIeDRIcHSTRASSe
Auch die Plätze der brandenburgisch-preußischen Stadterweiterungen waren
aus Geldmangel lange unbefestigt. Abgesehen von Plantage (heute Rheinstraße)
und Neumarkt gab es keine geplanten Baumpflanzungen. Die erste überlieferte
Pflasterung zeigt bereits eine Trennung von Fahrbahn in robustem Kleinpflaster
mit grauer Bordsteinkante aus Naturstein und einem Trottoir aus helleren
Natursteinplatten. Da hier verkehrsberuhigte Bereiche bzw. multifunktional
nutzbare Flächen geplant sind (Mobilität*), wird hier die folgende, modifizierte
Gestaltung empfohlen:
• Pflasterung in einer Ebene von Hauswand zu Hauswand, Unterscheidung der
Fahrbahn nur im Belag;
• Pflasterung als ‘Teppich’ aus Natursteinplatten, der die geometrische Anlage
der barocken Stadterweiterungen betont;
• Anschlüsse in kleinteiligem Natursteinpflaster;
• formal im Raster platzierte Bäume;
• Neumarkt: Marktplatz, Gastronomie, Veranstaltungen
• Friedrichstraße: Marktplatz, Gastronomie, Veranstaltungen
FRIeDRIcHSPLATZ UND BAHNHOFSVORPLATZ
Die konstituierenden Plätze sind Teil der Anlage der Vier Wälle mit ihrer
Promenade auf dem Mittelstreifen als französische Boulevards, mit einer hellen,
wassergebundenen Oberfläche und mehrfachen Baumreihen. Gleichzeitig
bilden sie wichtige Stadteingänge. Da hier verkehrsberuhigte Bereiche bzw.
multifunktional nutzbare Flächen geplant sind (Mobilität*), wird hier die folgende,
modifizierte Gestaltung empfohlen:
• bodengleiche Pflasterung; Fahrbahn in Großpflaster oder asphaltiert
(Mobilität*) abgesetzt mit Pollern; Fußgängerbereiche gepflastert mit
Natursteinplatten, zur Hausgrenze Mosaikpflaster (Klimaschutz*);
• möglichst symmetrisch im geometrischen Raster platzierte Bäume;
• Bahnhofsvorplatz: direkter Zugang für ankommende Reisende zum
Mittelstreifen des Ostwalls;
• Friedrichsplatz: bodengleicher Zugang zur Mittelinsel, Liegewiesen und
Sitzbänke.
Abb. 5.0_41-45
* Alle Platzprofile, Detaillierungen und Materialisierungen sind in Abstimmung
Übersicht der Platzprofile
mit Mobilitäts- und Klimaschutzkonzept, und unter Berücksichtigung der Belange
in den jeweiligen räumlichen Systemen
mobilitätseingeschränkter Verkehrsteilnehmer*innen und der Anforderungen des
ÖPNV auszuarbeiten.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

ScHwANeNMARKT

FRIeDRIcHSTRASSe

FRIeDRIcHSPLATZ

NeUMARKT

BAHNHOFSVORPLATZ

329

5.4.3

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - KONSTITUIeReNDe PLÄTZe - ScHwANeNMARKT

Abb. 5.0_46
Gasse zwischen Schwanenmarkt und dem
Nordportal der Alten Kirche
Die ursprüngliche Räumlichkeit der
mittelalterlichen Situation wurde durch die Gasse
und das Schulhaus mit Tordurchgang zum
Kirchhof gebildet.
Abb. 5.0_41
Profil Schwanenmarkt

RÄUMLIcHeS SySTeM
Der Schwanenmarkt ist der älteste
Platz der Stadt. Der mittelalterliche
Marktplatz war das weltliche Zentrum
der Stadt und über eine Gasse
mit dem Portal zum Kirchhof der
Alten Kirche verbunden. Die Gasse
verschwand erst bei der Neuordnung
der Innenstadt nach 1959. Die durch
den Krieg stark zerstörte Bebauung
wurde abgeräumt und die entstandene
Brachfläche (‘Evangelischer-KirchPlatz’) als Parkplatz genutzt.
Der Schwanenmarkt soll wieder
zentraler Platz der Stadt werden und
eine hohe Aufenthaltsqualität erhalten,
vor allem für Außengastronomie,
aber auch für Märkte und kleine
Musikveranstaltungen.
Die urprüngliche Form des Alten
Marktplatzes und der Gasse zwischen
Schwanenmarkt und Nordportal der
Alten Kirche soll wieder räumlich
erfahrbar werden. Die heute als
Parkplatz genutzte Baulücke auf
der Rückseite der Hochstraße ist zu

bebauen. Durch ein dreidimensionales
Objekt auf der heutigen Platzfläche
kann auch die historische Bauflucht an
der Westseite wieder lesbar gemacht
werden.
GeSTALTUNG
Das Gebiet der ‘Altstadt’ ist dem
Fußgänger vorbehalten. Ein
kleinteiliges, informelles Pflaster
von Hauswand zu Hauswand folgt
den unregelmäßigen Formen des
Stadtgrundrisses und ist wie die
Architektur detailreich und reizvoll.

Abb. 5.0_47: evangelischer-Kirch-Platz
Blockrandbebauung und dreidimensionales
Objekt zur Andeutung der ursprünglichen
Raumkanten. Im Entwurf von MIR architecten
ist die östliche Bauflucht mit einer Bebauung
geschlossen. Die Raumkanten an der westlichen
Seite der ehemaligen Gasse werden durch
ein Sitzmöbel mit Bepflanzung angedeutet.
Eine mögliche Markierung der historischen
Bauvolumen durch ein dreidimensionales
Kunstobjekt wird in weiss angedeutet.

Abb. 5.0_48
dreidimensionales (Kunst-)Objekt
Das Modell eines architektonischen Objekts
von Haptic Architects zeigt exemplarisch, wie
ein nicht mehr vorhandenes Bauvolumen im
öffentlichen Raum angedeutet werden kann.
Abb. 5.0_18 und 19:
Materialien
Kleinpflaster in heller Farbe,
mehr beige als grau

Der namensgebende
Schwanenbrunnen bleibt als
Identifikationsort der zentrale
Fokus des Platzes. Die Farben der
Pflasterung und der Bebauung sind
eher beige als grau und eher hell als
dunkel. Sie verleihen dem historischen
Marktplatz einen freundlichen
Wohnzimmercharakter.
Wenige, einzelne Bäume können frei
im Raum platziert werden.

ScHwANeNMARKT

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

330

5.4.3

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
ÖFFeNTLIcHeR RAUM - KONSTITUIeReNDe PLÄTZe FRIeDRIcHSTRASSe UND NeUMARKT
RÄUMLIcHeS SySTeM
Der Neumarkt und die Friedrichstraße
sind die formellen öffentlichen Räume
der barocken Planstadt, die von 1711
bis 1766 um den mittelalterlichen
Stadtkern herum angelegt wurde.
Die Stadt der Straßen und Häuser
ist mehrheitlich ein Gebiet, in dem
gewohnt und gearbeitet wird. Die
südliche Hochstraße, der Neumarkt
und die Friedrichstraße bildeten
das formelle Rückgrat der barocken
Akzisestadt.
Diese ursprüngliche Ausrichtung
der Stadt in einer Achse von Süden
nach Norden soll wieder lesbar
gemacht werden, indem sowohl der
Neumarkt als auch die Friedrichstraße
wieder als wichtigste Plätze in der
Hierarchie des öffentlichen Raums
eingerichtet werden. Mit einer hohen
Aufenthaltsqualität sollen sie vor allem
Raum bieten für Außengastronomie,
aber auch für den hierher verlegten
Wochenmarkt (siehe auch Vier Wälle)
und Veranstaltungen.
Eine einheitliche, qualitätvolle
Gestaltung der Friedrichstraße über
die heutige Zäsur der Sankt-AntonStraße hinweg (siehe auch Übergänge
Vier Wälle) kann die durchschnittene
Verbindung zwischen der südlichen
und der nördlichen Innenstadt wieder
herstellen.

GeSTALTUNG
Die nahezu quadratische Form
des Neumarktes kann mit einer
entsprechenden Pflasterung betont
werden. Bäume sind entsprechend
dem formellen Charakter der Anlage
möglichst symmetrisch im Raster zu
platzieren.
Die räumliche Qualität am Neumarkt
ist langfristig wieder herzustellen
durch eine entsprechende Bebauung
der minderbebauten Grundstücke an
der Südwestseite sowie den Rückbau
bzw. die Korrektur der Fassaden vor
allem des heutigen Galeria Kaufhof
und des Punkthauses am Eingang der
südlichen Hochstraße.
In der Friedrichstraße ist eine
Gestaltung als multifunktional
nutzbare Fläche denkbar oder
ein abgeflachtes Straßenprofil mit
‘Läufern’ aus Natursteinplatten,
die die geometrische Anlage der
barocken Stadterweiterungen betonen.
Die Anschlüsse zur Hausgrenze
können auch hier in kleinteiligem
Mosaikpflaster gestaltet werden. Die
Fahrbahn ist vorzugsweise in einem
farblich abgesetzten Großpflaster
materialisiert, Parkplätze als Buchten
im Bürgersteig mit Großpflaster.

Abb. 5.0_49
Friedrichstraße als Shared Space
Die Hauptachse der barocken Akzisestadt kann
als solche klar herausgestellt werden mit einer
einheitlichen, geometrischen Gestaltung von
der Rheinstraße bis an den Friedrichsplatz. Ihre
räumliche Qualität bietet Möglichkeiten für eine
intensivere Nutzung.

Bäume und Sitzbänke sind möglichst
entsprechend dem formellen
Charakter der Anlage symmetrisch und
geometrisch im Raster zu platzieren.

Abb. 5.0_18, 26 und 31: Materialien
Kleinpflaster und Plattenbelag für die
Bürgersteige, Großpflaster für die Fahrbahn.
Abb. 5.0_42 und 43
Profil Friedrichsstraße und Neumarkt

FRIeDRIcHSTRASSe

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

NeUMARKT

331

5.4.3
RÄUMLIcHeS SySTeM
Der Bahnhofsvorplatz und der
Friedrichsplatz sind die formellen
Stadteingänge an der Süd- bzw.
Nordseite der Vier Wälle, die ab 1819
um die barocke Planstadt angelegt
wurden. Die nach französischem
Vorbild als Promenade gestalteten
Boulevards bilden den entspannten,
monumentalen Rahmen der Krefelder
Innenstadt.
Die einzigartige Stadtanlage der Vier
Wälle soll auch am Bahnhofsvorplatz
und am Friedrichsplatz wieder eine
Hauptrolle spielen. Dazu gehört
die Priorisierung des Fußgängers
gegenüber dem motorisierten
Individualverkehr. Die Einrichtung
als Shared Space kann in beiden
Fällen zu einer Entschleunigung und
fußgängerfreundlicheren Gestaltung
beitragen.
Beim Bahnhofsvorplatz ist
dementsprechend die direkte
Zugänglichkeit der Promenade auf
dem Mittelstreifen des Ostwalls die
wichtigste Maßnahme.

ÖFFeNTLIcHeR RAUM - PLÄTZe
KONSTITUIeReNDe PLÄTZe - FRIeDRIcHS- UND BAHNHOFSVORPLATZ
Der Friedrichsplatz verknüpft die
barocke Achse der Friedrichstraße mit
der klassizistischen Anlage der Vier
Wälle und ist zugleich Stadteingang
von Norden aus. Bisher ist er vor allem
auf den Autoverkehr ausgerichtet,
während die grüne Mittelinsel für
den Fußgänger nahezu unerreichbar
ist. Auch die Zwickelflächen
zwischen dem Kreisverkehr und den
Platzrändern bestehen heute nur aus
unzugänglichem Schaugrün. Auch hier
ist die Zugänglichkeit der Platzfläche
die Hauptaufgabe einer Neugestaltung.
GeSTALTUNG
Die Gestaltung als Shared Space
beinhaltet eine bodengleiche
Gestaltung ohne Höhenunterschiede
und eine Pflasterung, die sich am
langsamsten Verkehrsteilnehmer
orientiert (s. auch Vier Wälle und
Friedrichstraße). Die Fahrbahn
und Straßenbahnschienen sind
mit Pollern zu markieren, die den
motorisierten Verkehr leiten, ohne die
Durchlässigkeit für Fußgänger und
Radfahrer einzuschränken.
FRIeDRIcHSPLATZ
Abb. 5.0_44 (links unten)
Profil Bahnhofsvorplatz
Abb. 5.0_45 (rechts oben)
Profil Friedrichsplatz

Abb. 5.0_50
Materialien Blindenleitsystem
farbliche Absetzung von Höhenunterschieden
(Bordsteinkanten etc.) für schlecht Sehende.
Haptische Bodenindikatoren und Leitstreifen
farblich passend zur jeweiligen Pflasterung für
Blinde.

Abb. 5.0_51: Materialien Bahnhofsvorplatz
Kleinpflaster, Poller zur Definition der Fahrspur
für den motorisierten Individualverkehr und die
Straßenbahn, Sitzgelegenheiten, Bäume.

(unten) Abb. 5.0_52 Place des Vosges, Paris
Die formale Platzanlage steht in der Tradition einer
geometrischen Landschaftsgestaltung. Die von
langsamem Verkehr umfahrene Platzfläche bildet eine
intensiv genutzte grüne Oase in der Pariser Innenstadt.

BAHNHOFSVORPLATZ

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

332

5.4.4

ÖFFeNTLIcHeR RAUM - PLÄTZe
ÜBRIGe FReIFLÄcHeN

Abb. 5.0_53 (links)
wallstraße ecke Mittelstraße
Die kleine Freifläche ist klar definiert und lädt mit
zumeist historischer, kleinteiliger Bebauung und
einem kleinteigen Pflaster zum Verweilen ein.
Abb. 5.0_54 und 55 (rechts)
‘Anne-Frank-Platz’
Die riesige Freifläche wurde als suburbaner
Abenteuerspielplatz eingerichtet und wird
flankiert von den Rückseiten der Bebauung an
der Hoch- und Dreikönigenstraße. Hier wurde
das geschlossene Stadtbild aufgebrochen.

‘Anne-Frank-Platz’

Abb. 5.0_56 (links)
Platz ‘An der Alten Kirche’
Die Platzfläche ist zum großen Teil klar definiert
mit historischer, kleinteiliger Bebauung. Eingänge
und Fenster sind auf den Platz gerichtet.
Abb. 5.0_57 und Abb. 5.0_58 (rechts)
Dr-Hirschfelder-Platz
Die riesige Kriegsbrache ist zwar räumlich klar
definiert, die Qualität und Verfeinerung der
Architektur, vor allem der Sockelgeschosse ist
jedoch niedrigwertig.

QUALITÄT STATT QUANTITÄT
Es wird empfohlen, die übrigen
Freiflächen der Innenstadt erst dann
(um) zu gestalten, wenn die Vier Wälle
und die vorgenannten konstituierenden
Plätze sich als großstädtischer
Freiraum bewährt haben.

zusammenhängenden Ganzen
betrachtet werden. Eine hochwertige,
zusammenhängende Gestaltung des
öffentlichen Raums ist individuellen
aber unzusammenhängenden
Lösungen vorzuziehen.
Die Lage der Freiflächen an der
barocken Akzisemauer des 18.
Jahrhunderts bzw. entlang der
‘Innengrenze’ des Vagedesplans, kann
diesen Freiflächen über ihre Funktion
als kleine Quartiersplätze hinaus auch
inhaltliche Bedeutung verleihen.

Langfristig soll ihre Anzahl und Größe
reduziert und in einen thematischen
Zusammenhang gebracht werden.
Das Verhältnis zwischen offenem und
bebautem Raum wird damit von der
rein quantitativen auf eine qualitative
Ebene gebracht. Das bedeutet auch,
dass individuelle Platzgestaltungen
MeTHODIK
oder Straßenabschnitte nicht als
Strategische Entscheidungen
voneinander getrennte Einzelfälle,
bezüglich einer zukünftigen Gestaltung
sondern immer auch als Teil eines
dieser Freiflächen, die in Schritt 2 kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abgleich als Dissonanten identifiziert
wurden, kann aufgrund der in
Schritt 3 - Bewertung erläuterten
Methodik untersucht werden. Dazu
ist zunächst die Bewertungsmethodik
für die Dissonanten anzuwenden.
Als Daumenregel kann hier gelten,
dass an denjenigen Standorten eine
positive Bewertung eines Dissonanten
zu erwarten ist, wo der Stadtraum
entsprechend dem historischen,
geschlossenen Stadtmodell klar
definierte Raumkanten besitzt und
die Freifläche nicht größer ist als der
Neumarkt.
Wo die Bewertung nicht positiv
ausfällt, kann mittels einer SWOT
Analyse überprüft werden,

inwiefern die Wiederherstellung
des historischen Stadtgrundrisses
an diesem Standort möglich und
sinnvoll wäre. Exemplarisch wurde
eine SWOT Analyse für die Standorte
Polizeipräsidium, Theaterplatz,
nördliche Petersstraße und
Dreikönigenstraße durchgeführt.
POSITIVe BeweRTUNG =
GeSTALTUNG eNTSPRecHeND
DeM RÄUMLIcHeN SySTeM
Beispielhaft für eine positive
Bewertung einer nicht konstituierenden
Freifläche als ‘Platz’ sind der kleine
Platz zwischen der Stephan-, Mittelund Mühlenstraße, sowie der Platz ‘An
der Alten Kirche’. Beide Plätze sind
klar räumlich definiert und ihre Größe

ist angenehm überschaubar. In den
Sockelgeschossen der umliegenden,
zumeist historischen Bebauung aus
den konstituierenden Zeitschichten
befinden sich Hauseingänge,
Geschäfte und Gastronomie.
Kurzfristig ist hier das Abstellen
privater Fahrzeuge zu unterbinden.
Langfristig ist eine hochwertigere
Materialisierung und Möblierung
entsprechend dem räumlichen System,
in dem diese Plätze sich befinden,
vorzusehen.
NeGATIVe UND NeUTRALe
BeweRTUNG = SwOT ANALySe
ZUR RePARATUR DeS
STADTGRUNDRISSeS

Beispielhaft für eine negative
Bewertung eines räumlichen
Dissonanten werden hier der ‘AnneFrank-Platz’ und der ‘Dr.-HirschfelderPlatz’ angeführt.
Wo ein Standort nicht positiv bewertet
wird, kann mittels einer SWOT
Analyse nach dem Vorbild in Schritt
3 - Bewertung ausgelotet werden,
inwiefern eine Wiederherstellung der
historischen Stadtstruktur hier möglich
und sinnvoll wäre.
Für den ‘Dr.-Hirschfelder-Platz’ wurde
eine SWOT Analyse durchgeführt, aus
der sich eine Wiederherstellung des
historischen Stadtgrundrisses durch
eine Teilbebauung ergab.
333

5.4.4
2
x.1
ma

Die Bebauung der räumlichen Systeme
entspricht in Art und Maß den hier
beschriebenen Gestaltungsregeln:

000
12. 0
0
x. +
ma . +8.0
min

000
12. 0
0
x. +
ma . +8.0
n
mi

3

RÄUMLIcHe SySTeMe L+M
BeBAUUNG - VOLUMeN

m

2m
x .1

3

ma

1
•
•
•
•
•
•
•
•

TELALTER UND

NAISSANCE
0
.00
0
.00

0

min

. +5

.00

m

x.3
ma

min. 2

x.1

2m

ma

STADTKRONe
Fluchtlinie: Positionierung der Hauptfassade auf der historischen Fluchtlinie
Parzellierung: feinkörnig (maximal 12m Breite an der Hauptfassade)
Traufhöhe (primäre Straßen): minimal 8m, maximal 12m;
Sockelgeschoss: minimal 3,5m lichte Höhe;
Traufhöhe (sekundäre Straßen): minimal 5m, maximal 12m;
Dachlandschaft: Satteldach, giebel- und/oder traufständig;
Gauben: als Akzent maximal 50% der Breite der jeweiligen Dachfläche
Erker und Balkone: als Akzent maximal 50% der Breite der jeweiligen
Fassadenfläche.

MITTELALTER UND
MITTELALTER
RENAISSANCEUND
MITTELALTER
RENAISSANCEUND
RENAISSANCE

ITTELALTER UND
000
12.
x. + 000
ma n +8.
mi

ENAISSANCE

000
12.
x . + 000
ma n +8.
i
m

STADT DeR STRASSeN UND HÄUSeR
Fluchtlinie: Positionierung der Hauptfassade auf der historischen Fluchtlinie
Parzellierung: feinkörnig maximal 18m Breite an der Hauptfassade
Traufhöhe: minimal 8m = zwei historische Vollgeschosse, maximal 12m =
drei historische Vollgeschosse
• Sockelgeschoss: minimal 3,2m lichte Höhe;
• Dachlandschaft: Satteldach, traufständig. Eckhäuser: Satteldach, Walmdach
oder Krüppelwalmdach
• Gauben: Zwerchgiebel mittig in der Fassade oder Einzelgauben zurückliegend
000 Erker: nicht zulässig
12.•
x . + 000
ma n +8.
mi •
Balkone: nur im 1. OG an primären Straßen, maximal 50% der Breite der
jeweiligen Fassadenfläche.

m

max. 3

8
x. 1

max. 3

8m

x. 1
ma

ma

ROCK /INNERCITY

000
12.
x. + 000
ma n +8.
mi

8
x. 1
ma

max. 3

m

8
x. 1

m
ma

max. 3

BAROCK /INNERCITY
BAROCK /INNERCITY
BAROCK /INNERCITY

AROCK /INNERCITY
0
.00

.00
+14

3
•
•
•

0

•
•

BAUUNG DER VIER

LLE
min. old 3

ma

x. 3
0

8m
x. 1
ma

m

•
000
14.
x. + .000
ma . +12
min

000
14. 0
x. + .00
ma . +12
min

setback

4
max. 4

2
•
•
•

8
x. 1

ma

•
•

VIeR wÄLLe
Fluchtlinie: Positionierung der Hauptfassade auf der historischen Fluchtlinie
Parzellierung: feinkörnig, maximal 18m Breite an der Hauptfassade
Traufhöhe: minimal 12m (zweieinhalb bis drei historische Vollgeschosse);
maximal 14m (drei historische Vollgeschosse Wälle)
Sockelgeschoss: minimal 3,2m lichte Höhe
Dachlandschaft: Satteldach, traufständig. Eckhäuser: Satteldach, Walmdach
oder Krüppelwalmdach
Gauben: Einzelgauben zurückliegend oder Staffelgeschoss mit Satteldach
siehe auch Vorbilder Erste Nachkriegsmoderne
Erker: nicht zulässig
Balkone: nur im 1. OG an primären Straßen, maximal 50% der Breite der
jeweiligen Fassadenfläche.

8m

m

x. 1

ma

EBAUUNG DER VIER

ÄLLE

Abb. 5.0_59 (links)
Räumliche Systeme, Bauvolumen Einzelhaus
Abb. 5.0_60 (rechts)
Räumliche Systeme, Bauvolumen Block

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

BEBAUUNG DER VIER
BEBAUUNG
DER VIER
WÄLLE
BEBAUUNG
DER VIER
WÄLLE
WÄLLE

334

5.5 GeSTALTUNGSReGeLN
ARcHITeKTUR

S

ein kohärentes Stadtbild entsteht nicht nur aus der einheitlichen Gestaltung des
öffentlichen Raumes, sondern auch und vor allem aufgrund des Ausdrucks der
Architektur, die den öffentlichen Raum räumlich begrenzt und umschließt.
Die konstituierende Architektur, das heißt die urprüngliche historische Bebauung,
bildet die räumliche Grundsubstanz eines kohärenten Stadtbildes. Sie wird durch
neuere Bebauung mit denselben konstituierenden Kernmerkmalen ergänzt.
Architektur-Ikonen bilden Akzente im zusammenhängenden Stadtraum und erinnern
an wichtige entwicklungen in der Stadtgeschichte.
Die nachfolgenden Gestaltungsregeln wurden exemplarisch aufgestellt, um
eine systematische Grundlage für die Gestaltung der Architektur zu schaffen.
Die Qualitäten der drei räumlichen Systeme und ihre Lesbarkeit bilden dabei
den Orientierungsrahmen. Sie können als Basis für die Ausarbeitung bindender
Gestaltungsregeln dienen.

5.5.1 IDeNTITÄTSSTIFTeNDe BeBAUUNG

S. 336

5.5.2 STADTKRONe

S. 337

5.5.3 STRASSeN UND HÄUSeR

S. 341

5.5.4 VIeR wÄLLe

S. 349

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

335

5.5.1

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
IDeNTITÄTSSTIFTeNDe BeBAUUNG
Der Mensch geht nicht gerne längere Strecken zu Fuß - außer, wenn es
schön ist. entschleunigte Architektur bedeutet mehr visuelle Reize für
den Fußgänger, also mehr Relief und Details, vor allem auf der ebene des
Sockelgeschosses.
eMPFeHLUNGeN

S
eINZeLOBJeKTe AUS
KONSTITUIeReNDeN
ZeITScHIcHTeN
Die Fassaden und Dächer von
Einzelobjekten, die im Kern noch aus
den konstituierenden Zeitschichten
stammen, und deren Architektur
seither beeinträchtigt wurde, erfordern
erhöhte Aufmerksamkeit. Sie sind Teil
der historischen Bausubstanz.
Für die konstituierende Bebauung
ist ein Instrumentarium aufzustellen,
das die Wiederherstellung der
ursprünglichen Fassadenarchitektur
und Dächer befördert, bzw.
eine Fassadenarchitektur, die in
angemessenem Verhältnis steht
zur Architektur der konstituierenden
Zeitschichten. Die im Abgleich
identifizierten Grundprinzipien
(Schritt 2 Abgleich, Abschnitt
2.5) und die daraus abgeleiteten
Gestaltungskriterien in Abschnitt 5.5.25 können dabei zur Inspiration dienen.
Für die historische Bebauung der
konstituierenden Zeitschichten ist

auf historische Baumaterialien und
-elemente, korrekte Details, und eine
kohärente Anwendung von Farbe zu
achten. Handlungsfelder sind:
• Liste und Karte mit
identitätsstiftenden Gebäuden
und Eintragung neuer Denkmäler
innerhalb der Vier Wälle (siehe
Bewertung S - Karte S1 und S2)
•
• Digitalisierung alter
Denkmallistenblätter, Aufstellung
neuer Denkmallistenblätter mit
Beschreibung, Begründung und
Inventarisierung des technischen
Zustands der Einzelobjekte
•
• zeitgemäße Digitalisierung und
breite Zugänglichkeit historischer
Fotos und Pläne des Stadtarchivs
•
• Erforschung der historischen
Farbigkeit (einschließlich der
Ersten Nachkriegsmoderne) durch
farbhistorische Untersuchungen bei
jedem Neuanstrich. Aufbau einer
entsprechenden Datenbank

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

• Erstellung eines Farbfächers, wobei
Fassadenanstriche unbedingt in
Mineralfarben auszuführen sind,
die einen stumpfen, matten Effekt
hervorrufen. Dispersions- oder
Silikonharzbindemittel sind nicht
für Fassadenanstriche in einem
historischen Kontext geeignet.
RAL Farbtöne gibt es erst seit den
30er Jahren des 20. Jahrhunderts
und sind dementsprechend
nur bei Bauten ab der ersten
Nachkriegsmoderne anwendbar.
• Ergänzung der Publikation zum
Krefelder Haus mit dem Ziel,
nicht nur Lust auf das Wohnen
in diesem Haustyp zu machen,
sondern auch die für das Stadtbild
wichtigen Gestaltungsaspekte zu
erklären. Dazu gehört einerseits
eine klar definierte Farbpalette und
Spielregeln, wie diese anzuwenden
ist. Andererseits sollen Leitdetails
und Materialbestimmungen für
Fenster, Türen, Sockel, Traufen
usw. erklärt werden
• Einbeziehung der Innungen

der Handwerkerschaft bei der
Erstellung und Weiterentwicklung
der vorgenanten handwerklichen
Leitdetails
• Bergung und Lagerung historischer
Baumaterialien und -elemente
• Förderprogramm zur Ertüchtigung
bzw. Wiederherstellung der
‘Krefelder Fenster’ aus Holz
eINZeLOBJeKTe AUS
TRANSFORMATIONSScHIcHTeN
Die Fassaden und Dächer
von Einzelobjekten aus den
Transformationsschichten, deren
Architektur sich in die Kernmerkmale
der konstituierenden Zeitschichten
einfügt (siehe die Konsonanzkarte
L+M2 sowie die Bewertungskarte
S1 + S2, exemplarisch) und deren
Architektur seither beeinträchtigt
wurde, bedürfen der Aufmerksamkeit.
Für sie ist ein Instrumentarium
aufzustellen, das die

Wiederherstellung der ursprünglichen
Fassadenarchitektur und
Dächer stimuliert bzw. eine
Fassadenarchitektur, die in
angemessenem Verhältnis steht
zur Architektur der konstituierenden
Zeitschichten. Siehe dazu auch die
Gestaltungskriterien in Abschnitt 5.5.2
- 4, die aus den Grundprinzipien der
konstituierenden Architektur abgeleitet
sind.
ARcHITeKTUR-IKONeN
Für die Architektur-Ikonen der
Innenstadt ist ein Konzept
aufzustellen. Diese kulturhistorisch
wertvollen Einzelobjekte
repräsentieren die Entwicklung
Krefelds zur Großstadt. Gerade diese
Periode der Stadtentwicklung ist
wichtiger Bestandteil der kollektiven
Identität und des Selbstverständnisses
der Krefelder geworden. Siehe dazu
auch die Gestaltungskriterien in
Abschnitt 5.5.5 für die ArchitekturIkonen.

Abb. 5.0_61 und 62
Vorbild Umgang mit einer ArchitekturIkone J. Stern & co., heute Grüterich in
Krefeld und Arket, Amsterdam
Das Bild des ikonischen Kaufhauses an der
Hochstraße/ Ecke Rheinstraße und eines
vergleichbaren Hauses in Amsterdam zeigt,
welche Qualität in Krefeld anwesend ist - wenn
man sie entsprechend denkmalgerecht wieder
herausstellt.

Abb. 5.0_63 (links): Breite Straße
Die Visualisierung in der oberen Reihe zeigt, wie
sich eine konsequente Wiederherstellung der
konstituierenden Architektur und ihrer Farbigkeit
langfristig auf das Stadtbild auswirken kann. Die
untere Reihe zeigt den heutigen Zustand.

Dies gilt auch für gute Vorbilder
jüngerer Architektur.
336

5.5.2

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STADTKRONe - GRUNDPRINZIPIeN DeR FASSADeNKOMPOSITION

oder

oder

+
+

+

+

00

01

02

03

04

BeSTAND

ScHAUFeNSTeR
UND weRBUNG

1.OG ODeR
HISTORIScHe
FASSADe NAcH
OBeN KOPIeReN

SATTeLDAcH
TRAUF- UND/ ODeR
GIeBeLSTÄNDIG

NeUe SILHOUeTTe

Abb. 5.0_64 (links oben)
Hochstraße, heutiger Zustand
Seit dem Wiederaufbau fand eine starke
Verflachung statt, sowohl in der Stadtsilhouette
als auch in der Fassadengestaltung.
Schaufenster sind nicht als Teil der
Gesamtfassade gestaltet sondern als
autonome Fläche. Im schlimmsten Fall bilden
sie ein großes Loch in der Hauswand. Die
Hausfassaden ‘schweben’ darüber und sind oft
durch Vordächer vom Sockelgeschoss getrennt.
Abb. 5.0_65 (Mitte oben)
Hochstraße, Schaufenster
Der identitätsstiftende Schaufenstertyp
‘tragendes Skelett’ bildet ein mehrschichtiges
Relief im Sockelgeschoss

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_66
Schaufenster
In der Stadtkrone sind alle konstituierenden
Schaufenstertypen (s. Grundprinzipien der
konstituierenden Architektur) anwendbar. Das
Sockelgeschoss mit der Schaufensteranlage soll
ein mehrschichtiges Relief bilden, das
durch seine Tektonik die Obergeschosse wieder
auf die Füße stellt.
Rahmen sind aus Holz, Metall und/oder Glas.
Türen sind nicht breiter als ein Drittel der Breite
der Gesamtfassade. Schaufenster stehen auf
einem matten Natursteinsockel, der mindestens
20 cm hoch ist.
Sonnenschutz und kleine Vordächer sind
architektonisch so zu integrieren, dass die
Kontinuität von Sockel- und Obergeschossen
nicht durchtrennt wird und die Qualität der
Architektur der Gesamtfassade nicht nachteilig
beeinträchtigt wird.

Abb. 5.0_67
Obergeschosse
Um der Hochstraße wieder räumliches Profil
zu verleihen, ist eine minimal 3-geschossige
Bebauung notwendig. Die Architektur der
Aufstockungen kann aufgrund historischer
Vorgängerbauten entworfen werden oder
aus den historischen Fragmenten der
Bestandsfassaden entwickelt werden. Siehe
dazu auch die Gestaltungsvorbilder unter 5.6.4.
Die Fassaden sind keine Lochfassaden sondern
bilden ein mehrschichtiges Relief. Sie sind
verputzt oder mit mattem Naturstein verkleidet,
passend ins Farb- und Materialschema des
räumlichen Systems. Plattenmaterialien aus
Kunststoff, Metall oder Holz sind nicht zulässig.
Fenster und Türen
Fenster und Türen sind aus Holz, Stahl oder
Aluminium und sind feingliedrig profiliert.
Kunststofffenster sind nicht zulässig.

Abb. 5.0_68
Dachlandschaft
Die Dachlandschaft ist gerade in der
Stadtkrone maßgeblich für eine interessante
und abwechslungsreiche Stadtsilhouette.
Symmetrische und asymmetrische Giebel,
Gauben, aber auch Erker, Ecktürme und
Kuppeldächer sorgen für eine reizvolle
Formenvielfalt im ältesten Teil der Stadt.

Abb. 69 und 70
Hochstraße, mögliche Neugestaltung
Der Stadtraum erhält neues Profil durch
Aufstockung der Bebauung und expressive
Dachformen. Klar und plastisch profilierte
Schaufenster sind tektonisch gestaltet als
Bestandteil der Gesamtfassade und stellen die
Architektur wieder auf die Füße.

Die Dachform und Traufhöhe ist sowohl
architektonisch als auch städtebaulich von
großer Wichtigkeit, siehe dazu die Beschreibung
der räumlichen Systeme unter 5.4.4.

STADTKRONe
In den Gestaltungsvorbildern für die
Stadtkrone wird die räumliche Wirkung
der hier skizzierten Herangehensweise
für die Hochstraße und die
Mennoniten-Kirch-Straße exemplarisch
dargestellt.
337

5.5.2

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STADTKRONe - GRUNDPRINZIPIeN FÜR ScHAUFeNSTeR UND weRBUNG
RÄUMLIcHeS SySTeM 1 (STADTKRONe)
RÄUMLIcHeS SySTeM 2 & 3

Enlarged
Windows
Composite
Structural
Skeleton
Skeleton
50's
& Fenster
60's
Das
vergrößerte
Fenster
Sockelgeschoss
Basement
Arched
openings
tragendes
Skelett
50's
&
60's 50's & 60's
Das
vergrößerte Sockelgeschoss
Fenster
Basement
Arched
openingstragendesStructural
tragendes
Skelett
Das
Das vergrößerte
Fenster
Basement Sockelgeschoss
Arched
openings
Skelett
50's
& vergrößerte
60's

TyP 01

TyP 01/03

TyP 02

TyP 04

VeRGRÖSSeRTeS
FeNSTeR

KOMPOSIT

SOcKeLGeScHOSS

50eR JAHRe

Abb. 5.0_71
Typ 01 vergrößertes Fenster
vergrößerte Fenster in einem
barocken Eckhaus an der südlichen
Hochstraße.

Abb. 5.0_72
Typ 01/03 Komposit
vergrößerte, zusammengefasste
Fenster, mit tragendem Skelett aus
Gusseisen unterstützt, in einem barocken,
aufgestockten Typenhaus an der
Hochstraße.

Abb. 5.0_73
Typ 02 Sockelgeschoss
Gestaltung des Erdgeschosses als Sockel
für das Gebäudevolumen. Dieser Sockel
besteht aus Naturstein oder rustizierten
Putzquadern und kennt eine eigene
Formensprache, die die Offenheit der
Ladenfront einerseits, und die Schwere des
Fassadenaufbaus andererseits betonen.
Das Wesentliche dabei ist, dass die
Fassadenöffnungen im Erdgeschoss
Teil der besonderen Gestaltung des
geschosshohen Sockels sind. Sie
weichen als Teil des Sockels in Form
und Proportion deutlich von den darüber
liegenden Fensteröffnungen ab, bilden aber
mit der darüberliegenden Fassade eine
Gesamtkomposition.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Sockelgeschoss Basement

Abb. 5.0_74
Typ 04 - 50er Jahre
Das Erdgeschoss wird als abstrahierter Rahmen
bzw. flaches Passepartout für das Schaufenster
entworfen, oft mit einem kleinen, untiefen
Vordach anstelle des Gesimses in Typ 03.

Arched openings

TyP 03

tragendes Skelett

50's & 60's

TRAGeNDeS
SKeLeTT

weRBUNG
Pro Fassade ist ein Aussteckschild
von maximal 90x30x10cm* und ein
Schriftzug aus Einzelbuchstaben
zulässig. Die Größe des Schriftzugs
ist auf die Architektur des Gebäudes
abgestimmt und beträgt maximal 50%
der Parzellenbreite und ist maximal
50cm* hoch.
Werbung oberhalb der
Fensterbrüstung des 1. OG ist nicht
zulässig.

Abb. 5.0_75
Typ 03 tragendes Skelett
ein tragendes Skelett aus Stützen und einem
Architrav bildet ein tiefes Relief, in das ein
niedriger Sockel und ein fein gegliedertes
Schaufenster eingesetzt wurden. Hier wird die
klassische Dreiteilung in Sockel, Mittelbau und
Gesims im Kleinen wiederholt.

*Diese Maße entsprechen den meisten
Werbesatzungen niederländischer
Innenstädte.

338

5.5.2

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STADTKRONe - GRUNDPRINZIPIeN FÜR ARcHITeKTUR-IKONeN

Abb. 5.0_76
J. Stern & co., heute Grüterich
Die flache, horizontale Gestaltung des
Sockelgeschosses läßt die Obergeschosse
‘schweben’. Die flachen Fensterprofile, das
klobige Vordach und Reklamepaneel wirken sich
negativ auf das architektonische Gesamtbild und
damit auf das Stadtbild aus.
Dem Bauvolumen fehlt heute das für den
Stadtraum so wichtige Dach.

ARcHITeKTUR-IKONeN
Die historischen Kauf- und
Warenhäuser in der Innenstadt
stammen aus der Zeit, in der
Krefeld Großstadt wurde. Sie sind
wichtige Identifikationspunkte für das
Stadtbild und sind dementsprechend
wiederherzustellen bzw.
denkmalgerecht zu restaurieren.
Die Architektur-Ikonen sind
deutlich größer und höher als
die konstituierende Bebauung,
fügen sich aber durch die
Raffinesse und Verfeinerung ihrer
(wiederhergestellten) Fassaden ins
Stadtbild ein und bereichern es mit
ihrer Grandeur.

VORBILD FÜR (DeN UMBAU VON)
GROSSBAUTeN
Die prachtvollen Fassaden aus
Naturstein, Glas und Stahl der
historischen Kaufhäuser besitzen eine
Formensprache, die vom klassischen
Formenkanon der konstituierenden
Architektur informiert ist und
gleichzeitig eine deutliche Erneuerung
aufweist. Sie können als Vorbilder
für den Umgang mit problematischen
Großbauten dienen, die wieder in das
Stadtbild integriert werden müssen.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_77
J. Stern & co. um 1920
Das Sockelgeschoss steht mit Natursteinpfeilern
fest auf dem Boden, die Schaufenster des
Erdgeschosses sind feingliedrig profiliert, die
Reklame ist hochwertig in Einzelbuchstaben
in die Architektur integriert. Dach und
Gauben verleihen der Architektur auch auf
städtebaulicher Ebene Profil.

Abb. 5.0_78
Belle epoque
Das Sockelgeschoss der filigran gegliederten
Natursteinfassade des Palast Cafés an der
Friedrichstraße erstreckte sich über zwei
Geschosse. Im rechten Bildrand ist die bis heute
erhaltene Natursteinfassade des Apollokinos
zu sehen. Das Erdgeschoss bedarf der
Wiederherstellung.

TyP 05

Abb. 2.1._79
Belle epoque
Die filigrane Fassade aus Gusseisen und Glas
des Modehaus Kaufmann, Rheinstraße Ecke
Friedrichstraße (nord-östliche Ecke) zeigte
moderne Konstruktionsmöglichkeiten, verankert
sie aber in einer Fassadengliederung, die die
Maßstäblichkeit der konstituierenden Bebauung
reflektiert.

BeLLe ePOQUe
Abb. 5.0_80
Belle epoque
Eine größere Traufhöhe in der
Bestandsbebauung kann kompositorisch auch
in einem zweistöckigen Sockel resultieren,
zum Beispiel mit Verkaufsflächen im 1.
Obergeschoss. Dabei wird die Maßstäblichkeit
der konstituierenden Bebauung aufgenommen.

Das vergrößerte Fenster

339

5.5.2

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STADTKRONe - GRUNDPRINZIPIeN FÜR ARcHITeKTUR-IKONeN

Rhein

e
straß
1
6

1. Hochstraße 130

6. Hochstraße 127

An

ge
rh

au
se
ns

tra
ße

aße
Hochstr

2
2. Hochstraße 102

7. Hochstraße 85

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Schw
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3
mark
7

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Evang latz
-P
-Kirch
4. Hochstraße 64

3. Hochstraße 90

de
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d
z
t
rc
Pla en Ki
t
l
A

4
5

5. Hochstraße 61
Abb. 5.0_81
Architektur-Ikonen in der Stadtkrone
Die hier kartierten Waren- und Kaufhäuser
der Kaiser- und Zwischenkriegszeit sind für
das Stadtbild im Bereich der Stadtkrone von
großer Wichtigkeit, weil sie als Hingucker in
Sichtachsen funktionieren. Ihre Architektur
wurde zum Teil stark beeiträchtigt. Ein Blick
auf ihren ursprünglichen Zustand verdeutlicht,
warum ihre Wiederherstellung das Stadtbild
qualitätvoll aufwerten und bereichern kann.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

340

+

<

+

7m

>

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN FASSADeNKOMPOSITION

a b a b a b a

+

<

7m

>

+
a b a b a b a

00

01

02a

BAROcKe
FASSADeNKOMPOSITION

DReITeILUNG
- GeSIMS
- MITTeLBAU
- SOcKeL

VeRTIKALe
GLIeDeRUNG

Divina Proportione
Von den alten Griechen entdeckt, von
arabischen Mathematikern gehortet, wurde
die Idee der idealen Proportion in Musik
und Architektur in der Renaissance wieder
aufgegriffen. Die Zahl Phi bzw. der Goldene
Schnitt ist die Basis des Wohlklangs in der
Architektur und wurde von Baumeistern mehr
oder weniger intuitiv angewendet.
In den barocken Stadterweiterungen um den
Neumarkt und die Friedrichstraße herum taucht
der Goldene Schnitt immer wieder auf. Er wurde
- übrigens nicht immer konsequent - bei der
Anlage des Stadtgrundrisses, der Traufhöhe in
Relation zur Parzellenbreite, aber auch in der
Fassadenkomposition selbst als ‘Daumenregel’
angewendet.

2. Gliederung

3. Openings

FeNSTeR UND
TÜReN

Klassische Dreiteilung
In der Stadt der Straßen und Häuser sind die
Fassaden der konstituierenden Bebauung
eingeteilt in einen zumeist niedrigen Sockel,
Mittelbau und Gesims.

Vertikale Gliederung
Die Barockfassaden folgen einem einfachen
Schema zwischen offenen und geschlossenen
Flächen, in dem sich erstere zu letzteren in etwa
dem Verhältnis des goldenen Schnitts annähern.

Fenster und Türen
Öffnungen in der Fassade sind niemals
nur ‘Löcher’, sondern durch Faschen bzw.
Umrandungen deutlich betont. Die Höhe der
Fenster nimmt nach oben hin ab.

Das Erdgeschoss ist höher ausgebildet als die
Obergeschosse.

Eine Besonderheit stellen die Pilasterhäuser
dar, bei denen dem ansonsten schlichten
Fassadenrelief Pilaster vorgelagert werden, die
der Fassade eine weitere Schicht hinzufügen.

Erker und Balkone sind in der Straßenfassade
nicht zulässig.

Die Grundprinzipien dieser einzelnen Elemente,
sowie ihre Materialität und Farbe, werden auf
den folgenden Seiten erläutert.

Pilaster sind in Krefeld durchweg über zwei
Geschosse gebildet. Bei dreigeschossigen
Bauten stehen zweigeschossige Pilaster auf
einem rustitzierten Sockelgeschoss.

02b
HORIZONTALe
GLIeDeRUNG

(Text siehe nächste Spalte)

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

03

Materialität und Farbe
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Sie sind klar lackiert oder mit einem
farbigen Anstrich versehen, siehe auch Material
und Farbe. Kunststofffenster sind nicht zulässig.

04

4. Details

STADTHAUS

Stadthäuser
In der Stadt der Straßen und Häuser ist das
Stadthaus der Grundbaustein. In der oberen
Reihe ist die zweigeschossige Variante
zu sehen, die innerhalb der Vier Wälle am
Häufigsten vorkam. In der unteren Reihe ist die
dreigeschossige Variante abgebildet.
Die Putzfassade ist unaufgeregt, aber
wohlproportioniert. Dahinter ist Raum
zum Wohnen, Arbeiten und vor allem an
Straßenecken auch für kleine Geschäfte.

Horizontale Gliederung
Die Horizontale wird hier oftmals noch durch
Gesimse betont, zum Beispiel in der Form
durchlaufender Fensterbänke.
Die Grundprinzipien dieser einzelnen Elemente
sowie ihre Materialität und Farbe, werden auf
den folgenden Seiten erläutert.

Abb. 5.0_82
Kompositorische Grundprinzipien
für Stadthäuser

341

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - SOcKeL

0,6m
0,3m

Abb. 5.0_83 (links oben)
Anschluss Sockel/Haustür
Abb. 5.0_84 (rechts oben)
Typische Stadthäuser, links konstituierend,
rechts Fassade nach 1950
Abb. 5.0_85 (unten)
Sockel und Haustürumrandung

Abb. 5.0_86-88
Sockel konstituierende Architektur
Der Sockel ist monolithisch ausgebildet in
robustem Putz oder Naturstein. Die Oberfläche
ist rauh und matt. Verkleidungen aus dünnen
Natursteinplatten oder sonstigem Plattenmaterial
oder Keramik sind nicht zulässig.
Die Umrandung der Haustüre entwickelt
sich aus dem Sockel und bildet mit ihm eine
gestalterische Einheit. Die Haustür liegt tiefer in
der Fassade als die Fenster. Ihre Umrandung
ist gegenüber der Fensterumrandung stärker
hervorgehoben.

Abb. 5.0_89-91
Sockel Interpretation der 50er Jahre
In der ersten Nachkriegsmoderne wurden die
historischen Elemente neu interpretiert.Der
bündige Sockel ist jetzt mit einer Schattenfuge
abgesetzt und unterscheidet sich vom
Fassadenputz in Farbe und Textur. Die unten
rechts sichtbare dunkelgrüne Farbe und der
weiße Anstrich des Vordachs entsprechen
nicht der ursprünglichen, wahrscheinlich
zementgrauen Farbgebung. Umrandung und
Vordach hatten sehr wahrscheinlich ursprünglich
die selbe Farbe.

Die Geschosshöhe des Erdgeschosses ist höher
als die der Obergeschosse.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE
Plinth

342

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - MITTeLBAU/FeNSTeR

max 0,6m
min 0,3m

Abb. 5.0_92 (links oben)
Typisches Krefelder T-Fenster
Abb. 5.0_93 (Mitte unten)
Proportionen eines
typischen Krefelder Fensters
Abb. 5.0_94 (links unten)
Mittelbau

Abb. 5.0_95 (oben)
Fenster konstituierende Architektur
Die Öffnungen sind wohlproportioniert
und zumeist auf den goldenen Schnitt
zurückzuführen. Sie sind keine abstrakten
‘Löcher’ in der Fassade, sondern mit
Umrandungen klar definiert und gegliedert.

Abb. 5.0_96
Fensterfaschen, Krefeld
An einem Haus aus der barocken, brandenburgpreussischen Stadterweiterung um 1711
sind noch die schlichten Fensterfaschen zu
erkennen. Zwar ist die Öffnung der Haustür auf
gleicher Höhe wie die Oberkante der daneben
liegenden Fenster, die Umrandung der Haustür
ist jedoch kräftiger angesetzt, um diese visuell
hervorzuheben.

a

Faschen und Natursteinumrandungen sind in
der Ansicht mindestens 40mm breit und in ihrer
Textur deutlich vom Fassadenputz abgesetzt.
Die Oberfläche ist rau und matt. Verkleidungen
aus dünnen Natursteinplatten oder sonstigem
Plattenmaterial oder Keramik sind nicht
zulässig.

1,6a

Fensterbänke bilden mit den Faschen bzw.
Umrandungen der Fenster eine gestalterische
Einheit.
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Kunststofffenster sind nicht zulässig.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE
Middle

Abb. 5.0_97 und 98
Fensterfaschen, Potsdam
Etwas jüngeren Datums sind die Fensterfaschen
in der zweiten barocken Stadterweiterung in
Potsdam ab 1735.
Der Anstrich erfolgte aufgrund farbhistorischer
Untersuchungen und veranschaulicht, wie ein
korrekter Anstrich die plastische Wirkung der
Fensterumrandungen verstärken kann.
Die Kastenfenster der Potsdamer Referenzbilder
sind zeitgenössische Rekonstruktionen der
ursprünglichen Holzfenster. Auch hier ist gut zu
sehen, wie wichtig Tiefe, Verfeinerung und die
richtige Anwendung von Farbe für die plastische
Wirkung einer Fassade sind.

Abb. 5.0_99 und 100
Interpretation der 50er Jahre
In der ersten Nachkriegsmoderne wurden die
historischen Elemente neu interpretiert. Die
aufliegende Fensterfasche wurde hier mit einer
zurückspringenden Schattenfuge abgesetzt und
unterscheidet sich vom Fassadenputz in Farbe
und Textur.
Die dunkelgrüne Farbe des untersten
Beispiels entspricht nicht dem ursprünglich
zementfarbenen Original. Durch den starken
hell-dunkel Kontrast wird die Raffinesse der
Putzstrukturen und Schattenfugen konterkariert
und gerät die Fassade zur Karikatur.

a
343

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - MITTeLBAU/PILASTeR

Abb. 5.0_101 - 105 (von links nach rechts)
Breitestraße 17
Lindenstraße 39
Stephanstraße 76
Mittelstraße 50
Fabrikstraße xx
Durch den Anstrich ist die plastische Wirkung
des Fassadenreliefs kaum wahrnehmbar bzw.
wird sie konterkariert.

<

7m
<

Abb. 5.0_107
Pilaster konstituierende Architektur
In der Krefelder Innenstadt kam die
Kolossalordnung aufgelegter zweigeschossiger
Pilaster nicht nur in den Obergeschossen
der repräsentativen Eckhäuser an der
Friedrichstraße und an den Vier Wällen sowie
später an den Architektur-Ikonen der Kaiserzeit
vor. Pilaster wurden auch an kleineren,
zweigeschossigen Wohnhäusern angewendet
und verliehen den Fassaden ein verfeinertes
Relief.

7m

>

>

Abb. 5.0_106 (links unten)
Mittelbau/ Pilaster

<

8m

>

<

10m

>

Die heute noch erhaltenen Pilasterhäuser
befinden sich zumeist in schlechtem Zustand.
Aufgrund falscher Putzarten und Anstriche
wurde die raffinierte Wirkung der Pilaster
aufgehoben.
Aufgelegte, zweigeschossige Pilaster können
einer Putzfassade mehr Relief verleihen. Dabei
ist zu beachten, dass die Pilaster schmaler
sind als das Fensterraster und dadurch eine
Mehrschichtigkeit entsteht.
In der ersten Nachkriegsmoderne wurde das
Thema des Fassadenreliefs neu interpretiert in
zahlreichen Ausformungen der Rasterfassade.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_108 (rechts)
Vorbild Anstrich
Die Restauriertung eines friederizianischen
Hauses in Potsdam zeigt, welche Wirkung
und Plastizität mit einem korrekten Anstrich
erzielt werden kann. Aufgrund farbhistorischer
Untersuchungen erhielten die Pilaster hier
eine Sandsteinfarbe, die ebenso wie die
helleren Dekorationen auf eine etwas dunklere
Basisfarbe aufgelegt ist.

344

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - TRAUFe

Abb. 5.0_112 (links): heller Anstrich
Zahnleisten bzw. Konsolen sind deutlich
erkennbar.
Abb. 5.0_113 (rechts): dunkler Anstrich
Das Verfeinerung des Reliefs der Traufe ist
nicht mehr erkennbar. Die Traufe verliert ihre
räumliche Wirkung.

Abb. 5.0_114 (rechts): profilierte
Holzverkleidung
Die Holzverkleidung der Traufe schließt
den Straßenraum ab und zeigt deutliche
Plastizität. Durch den dunklen Anstrich verliert
die Traufe den Zusammenhang mit der
Fassadenarchitekur.

Abb. 5.0_109 (links oben)
Typische Ausbildung der Traufe
Abb. 5.0_110 (oben)
Traufe eines
typischen Krefelder Hauses

07

Abb. 5.0_111 (links unten)
Traufe konstituierende Architektur
Die Traufe des Krefelder Hauses kragt leicht
aus und bildet den vertikalen Abschluss des
Straßenraumes.
Der Dachüberstand zwischen Fassade und
Regenrinne ist mit Holz verkleidet und mehrfach
profiliert. Verzierungen wie Zahnleisten kommen
häufig vor. Der Anstrich des Traufgesimses
ist ebenso wie die horizontalen Gesimse
an der Fassade in einem hellen Farbton
hervorzuheben. Ein dunkler Anstrich der Traufe
konterkariert ihre räumliche Wirkung: ihre
Profilierung ist nicht mehr lesbar.
Die Traufhöhe ist sowohl architektonisch als
auch städtebaulich von großer Wichtigkeit, siehe
dazu die Beschreibung der räumlichen Systeme.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE
cornice

ABweIcHUNGeN
Die konstituierende Traufhöhe ist für
die Lesbarkeit der räumlichen Systeme
essentiell. Wo Investoren vermietbare
Flächen maximalisieren wollen, steht
die historische Traufhöhe unter Druck.
Wo bereits Abweichungen stattfanden,
wie z.B. an der Sankt-Anton-Straße, an
der Rheinstraße oder dem südlichsten
Abschnitt der Friedrichstraße ist
zu sehen, wie nachteilig sich eine
Abweichung von der konstituierenden
Traufhöhe auf den Stadtraum und auf
das Stadtbild auswirken kann.

Abb. 5.0_115 (links): Rasterfassade
Die Traufe ist als Teil des Fassadenreliefs
entworfen und hat dementsprechend auch
dieselbe Farbe wie die aufgelegten Pilaster.
Abb. 5.0_116 (rechts): sichtbare
Dachsparren
Hier fehlt die Holzverkleidung der Traufe. Die
rustikale Dachuntersicht bezieht sich zu wenig
auf den Abschluss des Straßenraums.

Im Gestaltungsvorbild zu Dissonant
6 Theaterplatz (s. 5.6.3) wird der
gestalterische Umgang mit solch einer
Abweichung aufgezeigt.
345

5.5.3
a

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - GIeBeL UND DAcHGAUBeN
a+/-

a

>a

b>a

Abb. 5.0_119 (rechts)
kompakte, vertikale Dachgaube
Positive Beispiele für Dachgauben sind in der
Krefelder Innenstadt kaum zu finden.
In der Innenstadt von Utrecht realisierte das
Büro Diederendirrix für den Neubau eines
Wohn- und Geschäftshauses kleine, kompakte
Gauben mit flacher Abdeckung. Sie sind in
derselben Farbigkeit und Materialität wie die
Dacheindeckung ausgeführt und lassen die
Dachform intakt.

a

a

a

a
Abb. 5.0_120 (rechts)
barocke Dachgaube mit Giebel
Bei zweigeschossigen barocken Typenhäusern
ist auch eine Gaube mit einem Giebel denkbar,
sofern es sich um eine angemessene, sorgfältig
entworfene Interpretation des historischen
Vorbilds handelt.

Abb. 5.0_117
Dachgauben
Dachgauben sind auf die Fassadenarchitektur
abgestimmt. Sie liegen mindestens zwei,
besser drei Dachpfannen zurück von der
Traufe aus gesehen. Dachgauben sind dem
Dach untergeordnet. Dementsprechend haben
sie niemals ein liegendes Format. Mehrere
Einzelgauben in der stehenden Proportion der
darunter liegenden Fenster sind denkbar. Dabei
soll die Dachfläche deutlich lesbar bleiben.
Materialität
Die Dachgaube ist im selben Farbton wie die
Dachfläche auszuführen, um so wenig wie
möglich aufzufallen. Historische Giebel und
Gauben mit Satteldach stellen eine Ausnahme
dar. Bei Neubauprojekten sind sie jedoch nicht
zulässig.
Abb. 5.0_118 (links unten)
Dachgauben

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_121 (rechts)
breite, horizontale Dachgaube
Wird die Dachgaube zu breit, unterbricht sie
die Form des Daches und beeinträchtigt das
Straßenbild. Horizontale Dachgauben sind nur
dort zulässig, wo sie nicht vom öffentlichen
Raum aus sichtbar sind.
Die Front einer Dachgaube sollte aus einem
Fenster bestehen und keine geschlossenen
Fassadenelemente enthalten.

346

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - MATeRIAL UND FARBe

Abb. 5.0_122 (rechts)
Positive Vorbilder Putz
Bei einem barocken Typenhaus in Potsdam wird
Putz in mehreren Schichten von grob nach fein
auf den massiven Untergrund aufgebracht. Die
oberste Putzschicht bildet eine weiche Haut.
Dekorationen werden aufgeputzt.
Die Faschierungen um die Fenster bilden ein
subtiles Relief auf der Fläche der Fassade.

Abb. 5.0_123 und 124 (rechts)
Positive Vorbilder Türen
Der Hauseingang ist mit einer Umrandung
deutlich herausgestellt, wobei die Umrandung
mit einer subtilen Schattenlinie vom
Fassadenputz abgesetzt ist. Die Haustür
liegt tief in der Fassade und ist aus Holz und
vorzugsweise in einem Ton lackiert, der dunkler
ist als die Fassade.

Abb. 5.0_125 und 126 (rechts)
Positive Vorbilder Sockel
Der niedrige Sockel ist etwa 60cm hoch und aus
Naturstein oder in einem warmgrauen Mittelton
gestrichenen Sperrputz. Der Sockel ist vom
Fassadenputz abgesetzt durch eine größere
Tiefe und/ oder ein Profil mit Schattenwurf bzw.
eine Schattenfuge. Der Sockel besitzt eine
rauhe, matte Textur.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_127 und 128 (rechts)
Negative Vorbilder Material
Mit Plattenverkleidung ist die Fassade keine
Haut mehr, sondern im besten Fall ein
umgehängtes Kleid. Die Fassade wirkt nicht
mehr körperhaft massiv und wird auf ein
abstraktes Konzept reduziert.
Auch mit Wärmedämmverbundsystem wird
die Weichheit, aber auch die Verfeinerung der
massiven konstituierenden Fassaden nicht
erreicht.

Abb. 5.0_129 und 130 (rechts)
Negatives Vorbild Türumrandung
Die keramische Umrandung der Haustür
stellt zwar eine originelle Interpretation der
konstituierenden Architektur dar. Durch die
niedrigwertige Kunststofftür und aufgesetzten
Briefkästen aus Kunststoff wird die Architektur
der 50er Jahre jedoch schwer beeinträchtigt.
In der Variante mit Wärmedämmverbundsystem
ging die Umrandung der Tür verloren. Die
Abstraktion und Verflachung wird durch die
weiße Tür noch verstärkt.

Abb. 5.0_131 und 132
Negative Vorbilder Sockel
Wo der Sockel deutlich höher ausgeführt wurde,
wirkt er unproportioniert. Die im Nachhinein
angebrachten Fliesen aus polierten Granitplatten
bilden einen unangenehmen Kontrast mit der
weichen Textur des Fassadenputzes. Der
obere Abschluß zeigt deutlich, wie dünn die
verwendeten Platten bzw. Fliesen sind und weist
dadurch eine niedrigwertige Ausstrahlung auf.

347

5.5.3

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
STRASSeN UND HÄUSeR - GRUNDPRINZIPIeN - MATeRIAL UND FARBe
Abb. 5.0_133 (links)
crefeld von Norden, kolorierter Stich 1823
Abb. 5.0_134 (unten)
Schematische Darstellung Material,
Farbigkeit und Architektur

+

+

+

=

+

=

00

01

02

03

04

GRUNDTON

DReITeILUNG
- GeSIMS
- MITTeLBAU
- SOcKeL

VeRTIKALe
GLIeDeRUNG

FeNSTeR UND
TÜReN

DeKORATION

warme Pastell- oder erdtöne
Zwar werden in den bestehenden
Gestaltungssatzungen Pastelltöne
vorgeschrieben. Vermutlich war die Stadt der
Straßen und Häuser eher in mineralischen
Weiss- und Erdtönen gestrichen als in bunten
Farben. Das gewünschte Bild sollte deutlich
enger definiert werden.

Klassische Dreiteilung
Sockel sind als Schutz gegen Verschmutzung
der Fassade in dunklem Naturstein (Basalt) oder
in einem Sperrputz mit dunklem, warmgrauen
Anstrich auszuführen (z.B. Hellbezugswert
20-30). Die Umrandung des Hauseingangs ist
als gestalterische Einheit mit dem Sockel zu
betrachten.

Vertikale Gliederung
Pilaster bilden eine auf die Grundfarbe gelegte
architektonische Schicht. Sie stehen wie ein
klassischer Tempel auf einem Sockel und
tragen ein Gesims. Die Farbe sollte eine eher
helle Natursteinfarbe (z.B. Sandstein) oder
einen gebrochenen Weisston haben, der vom
dunkleren Grundton hervorsticht.

Ein Pastellton ist z. B. ein zarter, heller Farbton
mit einem Hellbezugswert von etwa 40-70 bei
einem feinen Oberputz. Die Putzoberflächen
bei Bauten der Nachkriegsmoderne erfordern
hellere Farbtöne, weil sie durch die grobere
Putzstruktur etwas dunkler erscheinen.

Das Gesims erhält einen helleren Farbton (z.B.
Hellbezugswert 80), sodass seine Profilierung
gut lesbar bleibt. Ein dunkleres Gesims ist nur im
Ausnahmefall zulässig, und wenn die Farbe hell
genug bleibt, um die Profilierung des Gesimses
deutlich lesbar zu halten.

Die Umkehrung dieser räumlichen Grundregel,
nämlich heller Grundton und dunkles Relief
und Gesims, ist nur im Ausnahmefall zulässig,
und wenn die Farbe hell genug bleibt, um die
Profilierung der Pilaster deutlich lesbar zu
halten.

Fassadenanstriche sind grundsätzlich in
Mineralfarben (z.B. Keim) auszuführen, die
einen stumpfen, matten Effekt hervorrufen.
Dispersions- oder Silikonharzbindemittel
sind nicht für Fassadenanstriche in einem
historischen Kontext geeignet.

Zwischen Sockel und Gesims liegt der Mittelbau
im vorgenannten Grundton.

Zu starke Kontraste sind generell zu
vermeiden, da diese die Plastizität der Fassade
konterkarieren bzw. im schlimmsten Falle zur
Karikatur degradieren.

Zu starke Kontraste sind generell zu
vermeiden, da diese die Plastizität der Fassade
konterkarieren bzw. im schlimmsten Falle zur
Karikatur degradieren.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Fenster und Türen
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Kunststofffenster sind nicht zulässig.
Es wird empfohlen, die Fenster in einem etwas
dunkleren Farbton zu streichen als der Grundton
der Fassade.
Auf den frühesten farbigen Abbildungen
der Stadt der Straßen und Häuser sind die
Fenster vor allem in Brauntönen gestrichen.
Fensterläden sind farbig (braun, grün, blau) im
selben Farbton wie die Faschierungen um die
Fenster herum.
Die Haustür ist deutlich dunkler als der Grundton
der Fassade, bzw. in dunkel lasiertem Holz
gehalten.
Eile ist geboten bei einer farbhistorischen
Untersuchung der wenigen, noch in der
Innenstadt erhaltenen Holzfenster und -türen.
Die Objekte aus der ersten Nachkriegsmoderne
sind dabei ausdrücklich eingeschlossen.

Farbkonzept
Worin die Farbigkeit der Stadt der Straßen und
Häuser bestand, kann nur durch farbhistorische
Untersuchungen ermittelt werden. Auf den
ältesten farbigen Abbildungen der historischen
Stadt sind vor allem gebrochene Weisstöne und
Erdtöne als Grundfarbe zu sehen.
Die fachkundige Begleitung durch die
Denkmalbehörde wird nicht nur bei
denkmalgeschützten Häusern empfohlen,
sondern auch bei den vielen Häusern aus den
konstituierenden Zeitschichten und aus der
ersten Nachkriegsmoderne, die bisher nicht
unter Schutz stehen, aber durch ihre Substanz
identitätsstiftend sind.
Farben können nur bedingt am Reißbrett geplant
werden. Ein möglichst großes Farbmuster vor
Ort ist Voraussetzung für eine gute Beurteilung
der dreidimensionalen Wirkung eines Anstrichs.

348

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN DeR FASSADeNKOMPOSITION

a b ac

b c

b ca b a

+

1:2
2:3
3:4
1:1

+
a b 2a b 2a b 2a b a

00

01

02

03

04

KLASSIZISTIScHe
FASSADeNKOMPOSITION

DReITeILUNG
- GeSIMS
- MITTeLBAU
- SOcKeL

VeRTIKALe
GLIeDeRUNG

FeNSTeR UND
TÜReN

STADTHAUS

Harmonische Proportionen
Die klassischen ‘musikalischen’ Maßverhältnisse
1:1, 2:3, 3:4, 1:2 sind in der neoklassizistischen
Architektur entlang der Vier Wälle überall zu
finden. Sie wurden frei und in verschiedensten
Kombinationen angewendet, um ein
harmonisches Resultat zu erzielen.

Klassische Dreiteilung
Entlang der Vier Wälle sind die Fassaden
der konstituierenden Bebauung eingeteilt
in einen zumeist geschosshohen, plastisch
durchgebildeten Sockel, Mittelbau und Gesims.
Das Sockelgeschoss ist deutlich höher
ausgebildet als die Obergeschosse.
Die Grundprinzipien dieser einzelnen Elemente,
sowie ihre Materialität und Farbe, werden auf
den folgenden Seiten erläutert.

Vertikale Gliederung
Die neoklassizistischen Fassaden folgen - wie
ihre barocken Vorgänger - einem einfachen
Schema zwischen offenen und geschlossen
Flächen, wobei die Fenster immer deutlich
breiter sind als ihr Zwischenraum.
Oft wurden diesem Fassadenraster Pilaster
vorgelagert, die in der Fassade des Mittelbaus
einen untiefen Mittelrisalit abbilden, der mit
einem verzierten Giebel oder Gesims seine
Beendigung findet.
Auch hier sind die Pilaster über zwei Geschosse
ausgebildet. Bei den dreigeschossigen
Bauten entlang der Vier Wälle stehen sie
dementsprechend auf dem rustitzierten
Sockelgeschoss.

02b
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

HORIZONTALe
GLIeDeRUNG
(Text siehe nächste Spalte)

Fenster und Türen
Öffnungen in der Fassade sind niemals nur
‘Löcher’, sondern durch Faschen bzw. profilierte
Umrandungen deutlich betont. Die Höhe der
Fenster nimmt nach oben hin ab.
Horizontale Gliederung
Die Horizontale wird hier oftmals noch durch
Gesimse betont, zum Beispiel in der Form
durchlaufender Fensterbänke.
Die Grundprinzipien dieser einzelnen Elemente
sowie ihre Materialität und Farbe, werden auf
den folgenden Seiten erläutert.
Materialität
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Sie sind klar lackiert oder mit einem
farbigen Anstrich versehen, siehe auch Material
und Farbe. Kunststofffenster sind nicht zulässig.

Stadthäuser
Entlang der Vier Wälle ist das repräsentative
Stadthaus der Grundbaustein.
Die Gestaltung Putzfassade folgt klassischen
Vorbildern und ist von einer unaufgeregten,
wohlproportionierten Eleganz.
Erker kommen sind in der Straßenfassade
grundsätzlich unzulässig.
Balkone sind als Abschluss des
Sockelgeschosses zu gestalten. Balkone
oberhalb des ersten Obergeschosses sind
grundsätzlich unzulässig.

Abb. 5.0_135
Schematische Darstellung
der Grundprinzipien der
Fassadenkomposition

349

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - SOcKeLGeScHOSS
Abb. 5.0_138 und 139 (links)
Sockelgeschoss des Stadtschlosses
Das Sockelgeschoss der vormaligen
Gartenfassade liegt heute am Westwall. Es
ist mit kräftigen horizontalen Schattenfugen
plastisch gestaltet.

Abb. 5.0_136 westwall 2
konstituierende Bebauung
Das Sockelgeschoss des bürgerlichen
Wohnhauses ist mit Schattenfugen plastisch
gestaltet. Hinzu kommt ein Brüstungsgesims und
kräftige Fensterumrandungen.

Abb. 5.0_140 und 141 (links)
Stadthäuser, westwall 128 und 205
Die plastisch durchgestalteten
Sockelgeschosse der neoklassizistischen- und
Gründerzeitfassaden entlang der Vier Wälle
sind für das Stadtbild von besonderem Wert.
Desto wichtiger ist es, die räumliche Wirkung
des Anstriches in ihrer Relation zu Aufbau und
Gliederung der Architektur gut zu verstehen und
korrekt anzuwenden,
siehe auch Material und Farbe.

Abb. 5.0_137 (links unten)
Sockelgeschoss konstituierende
Architektur
Entlang der Vier Wälle ist der Sockel reicher
ausgebildet als in den Nebenstraßen. Der
Sockel ist höher als in der Stadt der Straßen und
Häuser und nimmt häufig ein ganzes Geschoss
ein. Er ist deutlich akzentuiert und von einer
reichen Plastizität.
Die Geschosshöhe des Erdgeschosses ist
deutlich höher als die der Obergeschosse. Das
Sockelgeschoss und seine Öffnungen sind als
plastische Einheit entworfen. Die Haustür liegt
tiefer in der Fassade als die Fenster.
Der Sockel ist monolithisch in robustem Putz
oder Naturstein ausgebildet. Die Oberfläche
ist rauh und matt. Verkleidungen aus dünnen
Natursteinplatten oder sonstigem Plattenmaterial
oder Keramik sind nicht zulässig.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_142 (links)
Sockelgeschoss in Potsdam
Vorbild Plastizität durch Anstrich
Die Restaurierung eines friderizianische
Gebäudes in Potsdam zeigt, welche Wirkung
und Plastizität mit einem korrekten Anstrich
erzielt werden kann. Aufgrund farbhistorischer
Untersuchungen erhielten die vorspringenden
Formen eine hellere Farbe, die klar hervorspringt
gegenüber dem dunkleren Grundton.

Abb. 5.0_143-145 (rechts)
Interpretation der 50er Jahre
In der ersten Nachkriegsmoderne wurde das
historische Sockelgeschoss neu interpretiert.
Wo zuvor verputztes Mauerwerk rustiziert wurde
ist der Sockel jetzt tatsächlich mit Naturstein
verkleidet. Die Textur ist rauh und matt. Die
Umrandung der Fenster und des Hauseingangs
bleibt ein wichtiges Entwurfsthema. Die
Haustüre liegt deutlich tiefer in der Fassade und
hat eine dunklere Farbe als die Fassade selbst.

350

b

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - MITTeLBAU/FeNSTeR

a

0.75x

1.5a

x

x

x

0.75x

0.75x
x

x

a

x

1.5a

0.75x
x

1.5x

0.75x
x

1.5a

0.75x

1.5x

x
0.75x

x
0.75x

1.5a
1.5a
1.5a

x

2x

1.5x
1.5a 2x 1.5a
x

1.5a

1.5x
1.5a 1.5x

1.5x
1.5a

1.5x

1.5x

x

x
1.5a

x

2x

x

1.5x
a

1:2
x

2a

b

2a

a
a

1.5x

1:2

1:2

x

1:2

2x

1:2

1:2

2:3
1.5x

1:2

x

1:2

2x

2:3

b

1:2

1:2

2:3

1.5x

2:3

x

2:3

2x

1.5a
1.67a

1.5a
1.67a

b

1.5a
1.67a

2:3

2x

b
2x

b

2a

b

a

a

Abb. 5.0_146
Typisches Raster
konstituierende Bebauung
Die Fassaden entlang der Vier Wälle wurden auf
Basis eines Rasters entworfen. Die Proportionen
sind klassisch und werden vielfach variiert.

s

a

a

pilaster
pilaster
pilaster
grid

a

a

x
1.5x

x

x
2x
x

1.5x

1.5x
x

x

1.5a

1.5x
x

1.5a

x

1.5x

x
1.5x

1.5x
1.5x

1.5a
1.5a

x

x

x

1.3x

x
x

1.5x
1.5a

2x

2x
x

1.5a

2x
x

Fensterbänke bilden mit den Faschen bzw.
Umrandungen der Fenster eine gestalterische
Einheit.

3x

x

3x
x

1.5a

3x
x

1.5a

3x

Die Fensterumrandungen und Konsolen sind in
Putz oder massivem Naturstein ausgeführt, in
der Ansicht mindestens 40mm breit und in ihrer
Textur deutlich vom Fassadenputz abgesetzt.
Natursteinoberflächen
sind rauh
und window
matt.
opening
opening
opening
pilaster
window
articulations
window
articulations
opening
articulations
Verkleidungen aus dünnen und/oder polierten
Natursteinplatten oder sonstigem Plattenmaterial
oder Keramik sind nicht zulässig.

x

x

x

x

1.3x
1.5x

1.3x
1.5x

1.3x
1.5x

Abb. 5.0_148 (oben)
Fenster
Die Öffnungen sind keine abstrakten ‘Löcher’
in der Fassade, sondern durch Faschen bzw.
profilierte Umrandungen klar definiert und
gegliedert. Mit aufgesetzten Konsolen und
Aedikulen werden sie visuell überhöht.
x

a
1.5a
2a

1.75a

1.5a
2a

a

1.5a
2a

a

Abb. 5.0_147 (unten) Mittelbau

articulations
articulations
articulations
window articulations

existing
existing
examples
existing
articulations
examples
examples
existing
examples
Abb.
5.0_150
(oben)
Abb. 5.0_151
(oben)
Fensterfaschen und Konsolen aus Putz am
Fensterfaschen aus Naturstein am ersten
Südflügel des Rathauses
Stadtschloss
Durch den einheitlichen hellen Anstrich ist die
Eine moderne Interpretation der barockArchitektur schwierig zu lesen.
klassizistischen Fensterdetails findet sich im
ersten Rathausanbau von Josef Walter Hollatz.

b

Abb. 5.0_149 (rechts) Fenster
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Kunststofffenster sind nicht zulässig.

2a
0,6m

Abb. 5.0_152 (oben)
Interpretation der 50er Jahre
In der ersten Nachkriegsmoderne wurden
die historischen Elemente und Details
neu interpretiert. Die zuvor aufliegende
Fensterfasche wurde hier schmaler und leicht
zurückliegend ausgeführt mit einem rauhen
Zementputz, der sich noch immer deutlich
vom Fassadenputz unterscheidet in Farbe und
Textur. Statt der neoklassizistischen Pilaster und
Architrave wurde jetzt ein Raster aus Naturstein
zur Gliederung der Fassade aufgelegt.
Abb. 5.0_153 (ganz oben)
Zeitgenössische Interpretation
Die Rasterfassade ist auch in der
zeitgenössischen Architektur ein Mittel, um der
Fassade mehr Relief und Schattenwirkung zu
verleihen.

a
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

351

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - MITTeLBAU/ PILASTeR

+
a b ac

Abb. 5.0_154 und 155 westwall 4,
konstituierende Bebauung
Der Mittelteil der Fassade wird durch aufgelegte
Pilaster und Architrave bzw. Gesimse subtil
hervorgehoben. Ein untiefer Balkon mit
geschmiedetem Gitter bildet die untere
Begrenzung, nach oben hin ist das Gesims mit
kräftigen Konsolen hervorgehoben.
Abb. 5.0_156 (unten)
Gliederung durch aufgelegte Pilaster

b c

b ca b a

01

02

03

VeRTIKALe
GLIeDeRUNG,
MITTeLRISALIT

PILASTeR,
FeNSTeR UND
TÜReN

STADTHAUS

Abb. 5.0_157 (oben)
Kompositionsprinzip Pilaster
In der neoklassizistischen Architektur entlang
der Vier Wälle wurde die Kolossalordnung
zweigeschossiger Pilaster oberhalb des
Sockelgeschosses vielfach angewendet. Häufig
wurden Pilaster auch angewendet, um den
Mittelteil der Fassade herauszustellen und mit
einem verfeinerten Relief zu betonen.
Die vielen bis heute noch erhaltenen Häuser
befinden sich zumeist in gutem Zustand.
Aufgrund falscher Putzarten und Anstriche
wurde die raffinierte Wirkung des aufgelegten
Reliefs jedoch vielfach aufgehoben.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_158 und 159
westwall 128, konstituierende Bebauung
Der mittlere Teil der Fassade wird hier nach
oben hin mit einem klassischen Giebel beendet.
Die Dachgaube des linken Nachbarn
demonstriert eindrucksvoll, dass
Gestaltungsregeln für Dachgauben im
Gebiet der Vier Wälle notwendig sind, um die
Ausstrahlung der klassizistischen Architektur vor
Verunstaltungen zu schützen.

352

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - MITTeLBAU/RASTeR

Abb. 5.0_162, 163 und 164 (links)
Rasterfassaden am Ostwall
Die plastisch durchgestalteten Rasterfassaden
der ersten Nachkriegsmoderne nehmen das
neoklassizistische Thema der Kolossalordnung
mit Pilastern auf und interpretieren es neu. Die
Materialität wird vielfältiger, bleibt aber weich in
ihrer Textur.

Abb. 5.0_160
Ostwall 187

Abb. 5.0_165 und 166 (rechts)
Vorhangfassaden am Ostwall
Bei Neubauten am Ostwall wurden harte, dünne
Platten verwendet, sowohl für die ‘Pilaster’
als für die dazwischen liegenden Flächen.
Es fehlen Relief und Textur. Die vertikalen
Streifen haben weder eine obere noch eine
untere architektonische Beendigung und laufen
gewissermaßen ‘ins Leere’.

Abb. 5.0_161 (links)
Prinzip Rasterfassade
Die Kolossalordnung aufgelegter
zweigeschossiger Pilaster sind auch an
dreigeschossigen Wohnhäusern zu finden.
Die Pilaster stehen dann auf einem soliden
Sockelgesschoss.
Auch in der ersten Nachkriegsmoderne
wurde das Motiv zahlreich aufgegriffen und
variiert zu einem verfeinerten Relief, der
typischen Rasterfassade. Oftmals wurden
noch weitere Obergeschosse hinzugefügt.
Durch die geringere Geschosshöhe konnte die
konstituierende Traufhöhe zumeist eingehalten
werden.

Abb. 5.0_167 (rechts)
Postmoderne Fassade am Ostwall
Hier werden klassische Prinzipien zitiert. Durch
die geringe Höhe des Erdgeschosses in Relation
zum dreigeschossigen Mittelbau ergibt sich
jedoch ein unproportioniertes Bild. Durch die
Flachheit der verwendeten Materialien wird die
Fassade zur Karikatur ihrer Vorbilder.

Das Raster wurde jetzt nicht unbedingt in
der Farbigkeit, sondern vor allem in seiner
Materialität (Sichtbeton, Ziegel) abgesetzt
von seinem Hintergrund, der als Putzfläche
oder zuweilen auch mit einer keramischen
Verkleidung ausgeführt wurde.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

353

5.5.4

Abb. 5.0_168 (oben)
typisches Traufgesims, Vier Wälle

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - TRAUFe

Abb. 5.0_170 (oben)
barock-klassizistisches Traufgesims mit
Zahnleiste, Stadtschloss, Vier Wälle

Abb. 5.0_169 (links unten)
Traufgesims
Die Traufe eines neoklassizistischen Hauses
entlang der Vier Wälle kragt weit aus und bildet
den vertikalen Abschluss des Straßenraumes.
Die Regenrinne ist mit Holz verkleidet und
mehrfach profiliert. Verzierungen wie Zahnleisten
und Konsolen kommen häufig vor, oft auch in
Kombination mit einem umlaufenden Fries, der
die Fassade vertikal abschliesst.
Der Anstrich des Traufgesimses ist ebenso
wie die übrigen horizontalen Gesimse an der
Fassade mit einem helleren Ton hervorzuheben.
Die Traufhöhe ist sowohl architektonisch als
auch städtebaulich von großer Wichtigkeit, siehe
dazu die Beschreibung der räumlichen Systeme
unter 5.4.4.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_171 und 172
barock-klassizistische Traufgesimse
mit Konsolen in Potsdam

Abb. 5.0_173 und 174
neoklassizistische Traufgesimse, Krefeld
Die Traufgesimse der konstituierenden
Bebauung kragen weit aus und sind reich
profiliert und verziert mit Zahnleisten und
Konsolen.

Abb. 5.0_175 und 176
Traufgesims 30er Jahre
Die Traufe des ersten Südflügels des Rathauses
von Joseph Walter Hollatz wurde in Naturstein,
aber mit deutlich reduzierter Profilierung und
Dekoration ausgebildet. Der für die Architektur
entlang der Vier Wälle typische Fries unter der
Traufe entfällt.

Abb. 5.0_177 und 178
Traufgesims 50er Jahre
Die Traufe des zweiten Südflügels des
Rathauses von Hans Volger (unteres Bild) nähert
sich wieder dem Original in Proportion und
Profilierung. Auch die plastisch wirkungsvolle
Anwendung der Farbtöne ist der historischen
Architektur entliehen.
Die charakteristische Traufe einer
Wohnbebauung mit Staffelgeschoss am
Ostwall (oberes Bild) zeigt, wie in der ersten
Wiederaufbauphase die konstituierenden
Traufhöhen aufgenommen wurden und so der
Stadtraum intakt blieb. Hier ersetzt die verspielte
Gestaltung des Geländers das dekorative
Gesims bzw. Fries.
Der Ausbau des Dachgeschosses ist der
Wohnungsnot geschuldet, führt aber nicht zur
Erhöhung der Traufe, die für den öffentlichen
Raum entscheidend ist.

354

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - DAcHGAUBeN UND GIeBeL
a

a

a+/-

b

b

b

b

b

b

Abb. 5.0_180
Dachgauben,
Vier Wälle

a

Abb. 5.0_181 (links unten)
Dachgauben
Dachgauben sind auf die Fassadenarchitektur
abgestimmt. Sie liegen mindestens zwei,
besser drei Dachpfannen zurück von der
Traufe aus gesehen. Dachgauben sind dem
Dach untergeordnet. Dementsprechend haben
sie niemals ein liegendes Format. Mehrere
Einzelgauben in der stehenden Proportion der
darunter liegenden Fenster sind denkbar. Dabei
soll die Dachfläche deutlich lesbar bleiben.
Materialität
Die Dachgaube ist im selben Farbton wie die
Dachfläche auszuführen, um so wenig wie
möglich aufzufallen. Historische Giebel und
Gauben mit Satteldach stellen eine Ausnahme
dar. Bei Neubauprojekten sind sie jedoch nicht
zulässig.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

a

b

2a

a

a

Abb. 5.0_182 und 183 (oben)
Positive Beispiele für Dachgauben sind in der
Krefelder Innenstadt kaum zu finden.
In der Innenstadt von Utrecht realisierte das
Büro Diederendirrix für den Neubau eines Wohnund Geschäftshauses (oberstes Bild) kleine,
kompakte Gauben mit flacher Abdeckung. Sie
sind in derselben Farbigkeit und Materialität wie
die Dacheindeckung ausgeführt und lassen die
0,6m
Dachform intakt.
Darunter ist ein Neubau in der Innenstadt von
Amsterdam nach einem Entwurf der Architecten
Cie zu sehen. Beide Projekte passen sich in die
konstituierende Architektur der Innenstadt ein
und sind zugleich als zeitgenössische Bauten
lesbar.

Abb. 5.0_184 und 185 (rechts unten)
Negativbeispiele für Dachgauben, die durch ihre
Breite die Dachlandschaft beeinträchtigen.

355

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - MATeRIAL UND FARBe

Abb. 5.0_186 (rechts)
Positives Vorbild Anstrich
Die Restaurierung eines friderizianischen
Hauses in Potsdam zeigt, wie ein untiefes
Relief durch subtile Farbunterschiede im
Anstrich plastischer wirken kann. Die neuen
Holzfenster wurden nach historischen Vorbildern
angefertigt und in einem Farbton aus der
Farbfamilie des Sockelgeschosses gestrichen.
Die verschiedenen Elemente der Fassade bilden
eine Einheit.

Abb. 5.0_189 und 190 (rechts)
negative Vorbilder Sockelgeschoss
Mit einer Fassadenbekleidung in Plattenmaterial
(ganz rechts) wird die Fassade auf ein
abstraktes Konzept reduziert. Durch die flache
Anordnung der Fenster fehlt der Fassade
räumliche Tiefe. Visuelle Reize bleiben auf das
Fugenbild der Platten beschränkt. Auch beim
Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems
kann die Verfeinerung und Tiefe einer Fassade
verlorengehen. Die Abstraktion und Verflachung
wird durch die zu dünne Fensterbank und die
weißen Fenster noch verstärkt.

Abb. 5.0_191 (links)
Positives Vorbild Sockelgeschoss
Das plastische Fassadenrelief des
Sockelgeschosses wurde bei einem Neubau in
Potsdam originell interpretiert.

Abb. 5.0_187 (rechts)
Positives Vorbild Rustizierung
Die Rekonstruktion eines friderizianischen
Hauses in Potsdam zeigt, wie dem
Sockelgeschoss fachkundig Plastizität verliehen
werden kann.

Abb. 5.0_191 (rechts)
Negatives Vorbild Sockelgeschoss
Obgleich es sich hier um eine durchaus
erhaltenswerte Lösung der ersten
Nachkriegsmoderne handelt, ist die keramische
Verkleidung zu kleinteilig geraten. Die
niedrigwertige Kunststofftür beeinträchtigt das
Bild schwer.

Abb. 5.0_193 (links)
Positives Vorbild Sockelgeschoss
Hier wurde das Thema der verschiedenen
Texturen und des Schattenwurfs im Putz
wirkungsvoll neu interpretiert.

Abb. 5.0_188 (rechts)
Positives Vorbilder Putz
Die Fassade wurde durch tiefe Schattenfugen
in horizontale Streifen eingeteilt. Die Flächen
wurden abwechselnd glatt und rustikal bearbeitet
ausgeführt, um den Effekt und Schattenwurf
gestockten Natursteins zu erreichen.

SOcKeLGeScHOSS
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_194 (rechts)
Negatives Vorbild Sockelgeschoss
Hier wurde das Sockelgeschoss mit
großformatigen Natursteinplatten und ohne
betonte Fugen verkleidet. Das Sockelgeschoss
hat jeglichen Zusammenhang mit der
darüberliegenden Fassade verloren.

356

5.5.4

GeSTALTUNGSReGeLN ARcHITeKTUR S
VIeR wÄLLe - GRUNDPRINZIPIeN - MATeRIAL UND FARBe

+

+

+

=

00

01

02

03

04

GRUNDTON

DReITeILUNG
- GeSIMS
- MITTeLBAU
- SOcKeL

VeRTIKALe
GLIeDeRUNG

FeNSTeR UND
TÜReN

DeKORATION

warme Pastell- oder weisstöne
Zwar werden in den bestehenden
Gestaltungssatzungen Pastelltöne
vorgeschrieben. Neoklassizistische Häuser
entlang der Vier Wälle waren wahrscheinlich in
mineralischen Weisstönen gestrichen. Erst mit
der Gründerzeitbebauung wurde es vermutlich
etwas bunter. Das gewünschte Bild sollte
deutlich enger definiert werden.
Es wird dringend empfohlen, für das räumliche
System der Vier Wälle ein farbhistorisches
Konzept aufstellen zu lassen. In jedem
Fall sollte bei einem neuen Anstrich eines
konstituierenden Einzelgebäudes (siehe blau
markierte Objekte in Karte S1 und 2 in Schritt
3 - Bewertung) oder eines Baus der ersten
Nachkriegsmoderne (siehe grün markierte
Objekte) eine farbhistorische Untersuchung
durchgeführt werden, auch wenn es sich nicht
um ein denkmalgeschütztes Haus handelt. So
kann langfristig ein Archiv als Basis für einen
Krefelder Farbfächer angelegt werden.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Horizontale Gliederung
Die Bebauung entlang der Vier Wälle ist
im Allgemeinen höher und repräsentativer
ausgebildet als die Bebauung der dazwischen
liegenden Straßen. Die klassische Dreiteilung
besteht dementsprechend in einem
geschosshohen Sockel, dem Mittelbau und
einem dekorativen, deutlich höheren Gesims.
Innerhalb des Sockelgeschosses findet - ähnlich
wie bei den Schaufenstern der Stadtkrone wiederum eine Dreiteilung statt. Ein Sockel
von etwa 60cm Höhe dient als Schutz gegen
Verschmutzung der Fassade und ist in dunklem
Naturstein (Basalt) oder in einem Sperrputz mit
dunklem, warmgrauen Anstrich auszuführen.
Das Sockelgeschoss endet in einem
Gurtgesims. Die Umrandung des Hauseingangs
und der Fenster ist als gestalterische Einheit mit
dem Sockel zu betrachten.

Vertikale Gliederung
Pilaster bilden eine auf die Grundfarbe gelegte
architektonische Schicht. Sie stehen wie ein
klassischer Tempel auf einem Sockel und tragen
ein Gesims. Die Farbe sollte eine eher helle
Natursteinfarbe (z.B. Sandstein) haben, die vom
dunkleren Grundton deutlich hervorsticht.
Die Umkehrung dieser räumlichen Grundregel,
nämlich heller Grundton und dunkles Relief
und Gesims, ist zwar denkbar, darf aber die
Plastizität der Fassade nicht konterkarieren
bzw. durch zu große Kontraste zur Karikatur
degradieren.

Fenster und Türen
Fenster und Türen sind aus Holz und fein
profiliert. Kunststofffenster sind nicht zulässig.
Es wird empfohlen, die Fenster in einem etwas
dunkleren Farbton zu streichen als der Grundton
der Fassade.
Die Haustür ist deutlich dunkler als der Grundton
der Fassade, bzw. in dunkel lasiertem Holz
gehalten.
Eile ist geboten bei einer farbhistorischen
Untersuchung der wenigen, noch in der
Innenstadt erhaltenen Holzfenster und -türen.
Die Objekte aus der ersten Nachkriegsmoderne
sind dabei ausdrücklich eingeschlossen.

Farbkonzept
Die fachkundige Begleitung durch die
Denkmalbehörde wird nicht nur bei
denkmalgeschützten Häusern, sondern
auch bei den vielen Häusern aus den
konstituierenden Zeitschichten und aus der
ersten Nachkriegsmoderne, die bisher nicht
unter Schutz stehen, aber durch ihre Substanz
identitätsstiftend sind.
Fassadenanstriche sind grundsätzlich in
Mineralfarben (z.B. Keim) auszuführen, die
einen stumpfen, matten Effekt hervorrufen.
Dispersions- oder Silikonharzbindemittel
sind nicht für Fassadenanstriche in einem
historischen Kontext geeignet.
Farben können nur bedingt am Reißbrett geplant
werden. Ein möglichst großes Farbmuster ist
Voraussetzung für eine gute Beurteilung der
dreidimensionalen Wirkung eines Anstrichs.
Abb. 5.0_195
elemente Farbkonzept

357

5.6

GeSTALTUNGSVORBILDeR

5.6.1 DISSONANTeN - ARBeITSweISe

S. 359

5.6.2 POLIZeIPRÄSIDIUM

S. 361

5.6.3 THeATeRPLATZ

S. 367

5.6.4 STADTKRONe

S. 372

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

358

5.6.1

ARcHITeKTUR
4.3 RÄUMLIcHeS LeITBILD

GeSTALTUNGSVORBILDeR
DISSONANTeN - ARBeITSweISe

?

DISSONANTeN

RÄUMLIcHe SySTeMe
Abb. 5.0_196
Arbeitsschritte Dissonanten

BeweRTUNG + SwOT- ANALySe
Die Standorte, an denen die
Struktur und das Erscheinungsbild
der konstituierenden Zeitschichten
aufgrund späterer Transformationen
stark verändert wurde, sind in Schritt
2 - Abgleich als ‘Dissonanten’
gekennzeichnet. Die im Folgenden
beschriebene Methodik kann
angewendet werden, um mehr Klarheit
bezüglich der Entwicklungsstrategie
für einen bestimmten Standort zu
gewinnen.

BeweRTUNG
Die Bewertung der Dissonanten bildet
die Grundlage für Entscheidungen
zur künftigen städtebaulichen
Herangehensweise an die jeweiligen
Standorte. Vier der 27 markierten
Standorte wurden in Schritt 3 –
Bewertung exemplarisch beschrieben
und bewertet:
• Polizeipräsidium
• Theaterplatz
• nördliche Petersstraße
• Durchbruch Dreikönigenstraße/Dr.Isidor-Hirschfelder-Platz.
Damit wurde eine Methodik aufgezeigt,
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

wie auch für die Dissonanten der
kulturhistorisch-städtebauliche Wert
ermittelt werden kann.
Wo ein Dissonant eine inhärente Logik
und Qualität besitzt im Sinne eines
Ensembles aus einer bestimmten
Transformationsschicht, wird dieser
positiv und dementsprechend als
erhaltenswertes 'Stilzimmer' bewertet.
Ist dies nicht der Fall, kann mittels
einer SWOT Analyse untersucht
werden, ob und wie der historische
Stadtgrundriss wiederhergestellt
werden kann.
SwOT- ANALySe
Mittels einer SWOT-Analyse wurde
für die vier oben genannten - und
nicht positiv bewerteten - Standorte
exemplarisch untersucht, inwiefern
eine Reparatur der historischen
Stadtstruktur möglich und sinnvoll
wäre. Dabei wurden zunächst die
Stärken (strengths) und Schwächen
(weaknesses) der heutigen Situation
erfasst. Anschließend wurden
die Möglichkeiten (opportunities)
und Bedrohungen (threats) einer

SwOT-ANALySe

BeweRTUNG DISSONANTeN

Rückbesinnung auf historische
Strukturen inventarisiert.
STADTRePARATUR
Bei der Wiederherstellung der
historischen Stadtstruktur der
negatief bewertete Dissonanten sind
die folgenden städtebaulichen und
architektonischen Entwurfsgrundsätze
zu beachten:
• Wiederherstellung des historischen
Stadtgrundrisses entsprechend der
historischen Fluchtlinien (siehe die
Überlagerungskarten 2D in Schritt
2 - Abgleich, Abschnitt 2.2.1 und
2.2.2)
• geschlossenes Stadtmodell (Bauen
in der Fluchtlinie und geschlossener
Baublock)
• Grundprinzipien Bauvolumen für
die drei räumlichen Systeme (siehe
Abschnitt 5.5.1)
• Grundprinzipien
Fassadenarchitektur für die
drei räumlichen Systeme (siehe
Abschnitt 5.5.2 bis 5.5.4)
Diese Grundsätze bilden in ihrer
Summe die Basis für ein kohärentes
Stadtbild.

Die Wiederherstellung des historischen
Stadtgrundrisses hat Priorität.
Das Bauen in der Fluchtlinie und
in geschlossenen Baublöcken
ist zwingend notwendig, um den
Stadtraum wieder lesbar zu machen.
Die architektonischen Grundprinzipien
sorgen für ein kohärentes Stadtbild.
Davon sollte nur dann abgewichen
werden, wenn die Umsetzung
nachweislich unmöglich ist. Eine
Begründung und Argumentation ist
den Bürgern öffentlich zu präsentieren,
und vom Gestaltungsbeirat, dem
Planungs- und Bauausschuss und
vom Rat bestätigt wurde. In allen
Fällen gilt auch, dass – innerhalb
der Abweichung – eine Lösung
gefunden wird, die den Grundsätzen
weitestgehend entspricht.

359

5.6.1

GeSTALTUNGSVORBILDeR
DISSONANTeN - ARBeITSweISe (DISSONANT 7 - SANKT-ANTON-STRASSe)

Abb. 5.0_197 (links oben)
Punkthaus Sankt-Anton-Straße/ ecke
Friedrichstraße
Abb. 5.0_198 (Mitte oben)
‘Forum’ Sankt-Anton-Straße/ Ecke
Friedrichstraße

7

VORBILD ABwÄGUNG
DISSONANT
Die Sankt-Anton-Straße steht
exemplarisch für einen Standort,
an dem die Wiederherstellung
der historischen Stadtstruktur nur
bedingt umsetzbar ist. Hier liegt
eine 'begründete Abweichung'
nahe. Diese könnte aufgrund der
Bewertungsgrundlagen in Schritt
3 - Bewertung wie folgt hergeleitet
werden.
Die Bewertung des Dissonanten
Theaterplatz war nicht positiv und eine
positive Bewertung des Dissonanten
Sankt-Anton-Straße ist nicht zu
erwarten. Der Stadtgrundriss wurde
stark beeinträchtigt. Die nördliche
Fluchtlinie wurde 1949 verschoben.
Die Bebauung entlang der SanktAnton-Straße besitzt wenig oder
keine Kohärenz. Der größte Teil
der Bebauung entspricht nicht den
Grundprinzipien des räumlichen
Aufbaus der 'Stadt der Straßen
und Häuser', was Parzellierung,

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Traufhöhen und Dachformen betrifft
(L+M). Ebenso wenig wird den
Grundprinzipien der konstituierenden
Architektur entsprochen (S).

empfohlen, die neue Fluchtlinie von
1949 für die gesamte Sankt-AntonStraße als bindende Baulinie zu
konsolidieren.

Bei einem Neubau anstelle des
Seidenweberhauses werden sich
zwangsläufig Fragen in Bezug auf
die Grundsätze der Stadtreparatur
ergeben.

GeScHLOSSeNeS
STADTMODeLL
Es sollen geschlossene Baublöcke
realisiert werden. Wo dies unmöglich
ist, zum Beispiel wegen der geringen
Tiefe eines Baublocks, wird von
geschlossenen Stadträumen
ausgegangen (Straßen, Höfe, Plätze).
Alle Raumkanten werden klar definiert,
es gibt keine Rückseiten, auch
nicht im Sinne von Verspringungen
in der Fluchtlinie und sichtbaren
Brandwänden.

HISTORIScHeR
STADTGRUNDRISS
Die Wiederherstellung der historischen
Fluchtlinie an der Sankt-Anton-Straße
ist nicht realisierbar, da die Fluchtlinie
1949 über die komplette Länge
verlegt wurde. Im Sinne der besseren
Lesbarkeit des Stadtgrundrisses
wäre die Wiederherstellung der
Fluchtlinie an diesem einen Standort
eher fragwürdig. Da die Fluchtlilnie
von 1949 ansonsten größtenteils
durchgängig, geschlossen und
lesbar ist und damit im Einklang mit
dem Grundsatz des ‘geschlossenen
Stadtmodells’, ist sie an dieser Stelle
ausnahmsweise akzeptabel. Es wird

GRUNDPRINZIPIeN RÄUMLIcHe
SySTeMe (BAUVOLUMeN)
Das Bauvolumen an der Ecke
Ostwall/ Sankt-Anton-Straße befindet
sich im räumlichen System ‘Vier
Wälle’ (maximale Traufhöhe: 14m).
Dahinter ligt das räumliche System
der ‘Strassen und Häuser’ (max
Traufhöhe: 12m). Ausgerechnet in

der Sankt-Anton-Strasse, die sich
größtenteils im letztgenannten Gebiet
befindet, ist eine große Anzahl von
Gebäuden deutlich höher, nämlich
20m. Diese Gebäude haben zudem
ein Flachdach. Die Wiederherstellung
der konstituierenden Traufhöhe am
Standort des Seidenweberhauses
wäre im Stadtbild der SanktAntonstrasse eher fragwürdig, da
sie damit eine nicht mehr lesbare
‘Abweichung’ darstellen würde, wo
doch gerade die Sankt-Anton-Straße
ein kohärenteres Stadtbild braucht. Es
wird empfohlen, in Absprache mit dem
Gestaltungsbeirat, dem Planungs- und
Bauausschuss und dem Stadtrat die
Traufhöhen für die Sankt-Anton-Straße
auf 14 bzw. 20m festzulegen und hier
auch Flachdächer zuzulassen. Die
Vermittlung zwischen den Traufhöhen
und Dachformen ist architektonisch
zu lösen. Diese Grunsätze können in
einer Satzung für die gesamte SanktAnton-Straße festgelegt werden.

Ostwall

Abb. 5.0_200
Dissonant 7, Sankt-Anton-Strasse

Sankt-Anton-Straße
Westwall

Abb. 5.0_199 (rechts oben)
Volksbank

Durchbruch 1959
Konstituierende Fluchtlinie

GRUNDPRINZIPIeN
FASSADeNARcHITeKTUR
Es ist durchaus möglich, die
Gestaltungsprinzipien für die Fassaden
auch an diesem Standort anzuwenden.
Lediglich für die obersten Geschosse
entlang der Sankt-Anton-Straße ist
ein neuer Ausdruck zu finden. Es wird
empfohlen, in Absprache mit dem
Gestaltungsbeirat, dem Planungsund Bauausschuss und dem Stadtrat
eine Satzung aufzustellen für die
Fassadengestaltung oberhalb der 14m
für die gesamte Sankt-Anton-Straße.

360

5.6.2

GeSTALTUNGSVORBILDeR
ÜBeRSIcHT

Für zwei der vier zuvor bewerteten
und analysierten Dissonanten werden
Gestaltungsvorbilder gezeigt. Diese
wurden aufgrund der SwOT Analysen in
Schritt 3 - Bewertung ausgearbeitet.

DISSONANT 2
POLIZeIPRÄSIDIUM

59
ine
ch 19
uchtl
hbru
Durc
nde Fl
ituiere
Konst

DISSONANT 6
THeATeRPLATZ

e
59
ch 19 e Fluchtlin
hbru
Durc ituierend
e
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Konst
e Flu
rend 59
ie
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it
Konsthbruch 19
Durc

ine

uchtl

nde Fl
ituiere 59
Konst
ch 19
hbru
Durc

ine
uchtl
nde Fl
59
ituiere hbruch 19
Durc

Konst

STADTKRONe
Abb. 5.0_201
Karte Flächenpotential

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

361

5.6.2

GeSTALTUNGSVORBILDeR
DISSONANT 2 - POLIZeIPRÄSIDIUM
Die wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses schafft die Möglichkeit,
ein Pilotprojekt zur Neugestaltung der Vier wälle durchzuführen. es ergibt sich ein
Flächenpotential für 74 neue, vorbildhafte Stadthäuser sowie gewerbliche Nutzungen
und einen Erweiterungsbau der IHK in der historischen Bauflucht des Nordwalls.

Abb. 202 (oben)
Lageplan Gestaltungsvorschlag
Bis auf das Polizeipräsidium wurde
der vorhandene Baubestand integriert
in eine weitestgehend geschlossene
Blockrandbebauung. Im Blockinnenbereich
des tiefen Baublocks wird ein Kindergarten
vorgeschlagen. Für den Erweiterungsbau
der IHK ist eine Baufläche von etwa 1400m2
reserviert. Er folgt den historischen Fluchtlinien
am Nordwall, König- und Lohstraße.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 203 (oben)
Nutzungen Gestaltungsvorschlag
74 Bauparzellen für Stadthäuser können am
Standort geschaffen werden, eventuell mit
gemeinsamer Tiefgarage. Die Sockelgeschosse
sollten auch für gewerbliche Nutzungen
brauchbar sein. An den Ecken ist Raum für
Einzelhandel und Gastronomie. Auch im Bau
der IHK sind kleinteiligere Nutzungen im
Sockelgeschoss wünschenswert, um mehr
Eingänge an der Straße zu erhalten.

Arbeiten/ Einzelhandel
Wohnen
Parken
öffentlicher Raum

362

POLIZeISTATION

BeweRTUNG - NeGATIV
siehe Schritt 3 - Bewertung Abschnitt
3.3.4
Die nord-östliche Ecke des
Wallgevierts ist ein Vorbild für
einen Standort, an dem der
historische Stadtgrundriss langfristig
wiederhergestellt werden kann.
Der Standort des Polizeipräsidiums
wurde in Schritt 2 - Abgleich als
Dissonant identifiziert und in Schritt 3 Bewertung negativ bewertet.

ist sehr heterogen und reicht von
der Lochfassade mit Setback aus
der ersten Nachkriegsmoderne über
das vor einigen Jahrzehnten schwer
verunstaltete Bandfassade des
Polizeipräsidiums auf ‘Pilotis’ bis zur
flachen Plattenfassade aus den 70er
Jahren.

Trotz der spektakulären räumlichen
Komposition aus den 60’er Jahren ist
der Ort schwer lesbar. Die Architektur
der verschiedenen Punkthäuser an
der Kreuzung Ostwall/ Ecke Nordwall
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 204 (oben)
Ostwall/ ecke Nordstraße
In diesem Gestaltungsvorbild wird der
Mittelstreifen des Ostwalls als Promenade
in seiner urprünglichen Länge bis an die
Nordstraße wiederhergestellt. Damit entsteht
ein neuer Mittelpunkt für das heute von der
Innenstadt abgeschnittene Wohnviertel. Neue,
vorbildhafte Stadthäuser begrenzen den neuen
Stadtraum.

Abb. 205 (unten)
Ostwall/ ecke Nordstraße
Nur ein Straßenschild erinnert noch an die
ursprüngliche Länge des Ostwalls. Wo einst die
Promenade verlief, stehen heute parkende Autos
und Container.

363

POLIZeISTATION

SwOT-ANALySe
Die Wiederherstellung des historischen
Stadtgrundrisses wird empfohlen, siehe
Schritt 3 - SWOT-Analyse
Abschnitt 3.3.4

MASSNAHMeN
M1 Wiederherstellung des Ostwalls
(mit konstituierenden Bäumen)
zwischen Nordwall und Nordstraße
M2 Wiederherstellung der Loh- und
Färberstraße zwischen Nordwall und
Nordstraße
M3 Wiederherstellung der nördlichen
Straßenwand des Nordwalls (mit
konstituierenden Bäumen) zwischen
Ostwall und Königstraße
M4 Nutzung des vorhandenen
Flächenpotentials zum Bau
individueller Stadthäuser +
Nutzungsmischung IHK und
kleinmaßstäbliches Gewerbe.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 206 (oben)
Ostwall/ ecke Nordstraße
In diesem Gestaltungsvorbild wird der
Mittelstreifen des Ostwalls als Promenade
in seiner urprünglichen Länge bis an die
Nordstraße wiederhergestellt. Damit entsteht
ein neuer Mittelpunkt für das heute von der
Innenstadt abgeschnittene Wohnviertel. Neue,
vorbildhafte Stadthäuser begrenzen den neuen
Stadtraum.

Abb. 207 (unten)
Ostwall/ ecke Nordstraße
Nur ein Straßenschild erinnert noch an die
ursprüngliche Länge des Ostwalls. Wo einst die
Promenade verlief, stehen heute parkende Autos
und Container.

364

5.6.2

GeSTALTUNGSVORBILDeR
DISSONANTeN - POLIZeIPRÄSIDIUM

UMSeTZBARKeIT
Als kurzfristig umsetzbare Maßnahmen
wurden die durchgängige Öffnung der
Lohstraße sowie die Neugestaltung
des Nordwalls als erster Schritt
empfohlen. Die Positionierung des
zukünftigen Erweiterungsbaus der IHK
sollte feinjustiert werden.
Die Fortführung der Färberstraße und
des Ostwalls sowie die Bebauung der
dadurch entstehenden Potentialflächen
sind abhängig von einer möglichen
Umsiedlung des Polizeipräsidiums.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 208 (oben)
Ostwall/ ecke Nordwall
In diesem Gestaltungsvorbild wird der
Mittelstreifen des Ostwalls als Promenade
wiederhergestellt. Hier können Bauparzellen
für neue, vorbildhafte Stadthäuser geschaffen
werden.

Abb. 209 (unten)
Ostwall/ ecke Nordwall
Der Mittelstreifen des nördlichen Ostwalls wird
heute vom Verkehr besetzt. Stilistisch sehr
unterschiedliche Punkthäuser markieren die
Kreuzung mit dem Nordwall. Der Solitärbau
des Polizeipräsidiums beendet den verkürzten
Ostwall als Landmarke.

365

T
GeSTALTUNGSReGeLN
Für den Standort sind die
Gestaltungsregeln für zwei räumliche
Systeme relevant: Vier Wälle für
den Ostwall und den Nordwall,
sowie Straßen und Häuser für die
Loh-, Färber- und Nordstraße. Dem
wurde sowohl in der Ausbildung
der Bauvolumen als auch in der
Fassadenarchitektur Rechnung
getragen.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 210 (oben)
Färberstraße/ ecke Nordwall
In diesem Gestaltungsvorbild wird die
nördliche Bauflucht des Nordwalls ebenso
wiederhergestellt wie der ursprüngliche Verlauf
der Färberstraße. Hier kann Raum für neue,
vorbildliche Stadthäuser entstehen.

Abb. 211 (unten)
Färberstraße/ ecke Nordwall
Die Färberstraße endet heute am Nordwall. In
der Sichtachse steht ein freiplastisch im Raum
platzierter Gebäudeteil des Polizeipräsidiums.

366

5.6.3

GeSTALTUNGSVORBILDeR
DISSONANT 6 - THeATeRPLATZ
Mit der - modifizierten - Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses
erhält der Ostwall seine verlorene westliche Raumkante wieder zurück. Die 1949
verschobene nördliche Bauflucht der Sankt-Anton-Straße wird konsolidiert. Verlauf
und Räumlichkeit der König-, Loh- und Färberstraße werden wiederhergestellt, und
der Theaterplatz wird auf ein intimeres Mass verkleinert und klar eingefasst.

WO
HN
U

BA
GS

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ATR

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LKO

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Abb. 212
Lageplan Gestaltungsvorschlag
Entlang des Ostwalls, der Sankt-Anton-Straße
und der Königstraße wird eine weitestgehend
geschlossene Blockrandbebauung vorgesehen.
Die Fluchtlinie von 1949 ist an der Sankt-AntonStraße leitend. Die Größe des Theaterplatzes
wird drastisch reduziert. Auf einer Fläche
von etwa 5250m2 kann eine neue Bebauung
entwickelt werden.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 213
Nutzungen Gestaltungsvorschlag
Auf einer gemeinsamen Tiefgarage kann eine
neue bauliche Nutzung entwickelt werden.
Eine ausgewogene Nutzungsmischung kann
zum Beispiel mit Wohnungen und/oder Hotel
in den oberen Geschossen erreicht werden.
Die Sockelgeschosse sollten unbedingt für
kleinteilige Nutzungen und Gastronomie
geeignet sein, damit viele Eingänge und Leben
an Straßen und Platz entstehen.

Arbeiten/ Einzelhandel
Wohnen
Parken
öffentlicher Raum

367

THeATeRPLATZ

BeweRTUNG
negativ, siehe Schritt 3 - Bewertung,
Abschnitt 3.3.4
Es besteht kein Zusammenhang mehr
mit der konstituierenden Situation.
Die umgebenden Straßen sind zwar
noch vorhanden, haben aber ihre
ursprünglichen Fluchtlinien verloren.
Die Bebauung am Platz lässt jeden
Zusammenhang vermissen.
Weder das Ensemble der
Wiederaufbauplanung mit dem
Theater als Fokuspunkt eines klar
definierten öffentlichen Raumes,
noch das 70er Jahre Ensemble
des Seidenweberhauses mit der

Blockrandbebauung am Ostwall
wurden vollständig realisiert. Mit
der Mediothek wird der Bebauung
wiederum eine neue Entwurfshaltung
hinzugefügt, die in der Summe
mit der restlichen Bebauung kein
zusammenhängendes Ensemble
darstellt.
Entlang der Sankt-Anton-Straße, der
Königstraße und am Ostwall wurden
die konstituierenden Traufhöhen
deutlich überschritten. Die Lesbarkeit
des Stadtraums wurde dadurch für den
Standort Dissonant 6 - Theaterplatz
schwer beeinträchtigt.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 214 (oben)
Sankt-Anton-Straße/ ecke Ostwall
Im Gestaltungsvorbild wird sowohl
die historische Bauflucht des Ostwalls
wiederhergestellt als auch eine geschlossene
Blockrandbebauung entlang einer
entschleunigten Sankt-Anton-Straße geschaffen.
Die konstituierende Fassaden- und Traufhöhe
wird deutlich im Straßenraum abgebildet.
Die darüber gelegenen Fassaden sind
zeitgenössisch gerastert und bieten durch die
Tiefe des Reliefs Raum für eine Begrünung.
Abb. 215 (unten)
Sankt-Anton-Straße/ ecke Ostwall
Die Sankt-Anton-Straße trennt durch ihre
heutige Breite, Verkehrsfrequenz und fehlende
Übergänge für den langsamen Verkehr die
historische Stadtanlage der Vier Wälle in zwei
Teile, von denen nur der südliche Teil als
Innenstadt wahrgenommen wird. Die Bauflucht
entlang des Ostwalls fehlt. Die geschlossene
Stadtanlage löst sich hier auf in einen fließenden
Raum, der vom Verkehr dominiert wird.

368

SwOT-ANALySe
Die Wiederherstellung des historischen
Stadtgrundrisses wird empfohlen,
siehe Schritt 3 - SWOT-Analyse,
Abschnitt 3.3.4

M4 Nutzung des vorhandenen
Flächenpotentials zum Bau eines
neuen Verwaltungsgebäudes
M5 Schaffung einer intimeren, deutlich
räumlich gefaßten Platzfläche

MASSNAHMeN
M1 Wiederherstellung der westlichen
Straßenwand des Ostwalls in der
konstituierenden Fluchtlinie, Trauf- und
Firsthöhe zwischen St. Antonstraße
und Carl-Wilhelm-Straße
M2 Wiederherstellung der Loh- und
Färberstraße zwischen St. Antonstraße
und Carl-Wilhelm-Straße
M3 Wiederherstellung der östlichen
Straßenwand der Königstraße
zwischen St. Antonstraße und CarlWilhelm-Straße

Die Wiederherstellung der Fluchtlinie
an der St. Antonstraße wurde wegen
der schwierigen Umsetzbarkeit außer
Betracht gelassen. Über die gesamte
Länge der St. Antonstraße würde diese
Maßnahme zu einer unverständlichen
Fragmentierung führen.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 216 (oben)
Ostwall/ ecke carl-wilhelm-Straße
Die historische Bauflucht des Ostwalls wurde
durch eine geschlossene Blockrandbebauung
nach den Grundprinzipien der konstituierenden
Architektur wiederhergestellt.
Der Mittelstreifen des Ostwalls wurde als
Promenade wiederhergestellt und erhält Vorrang
vor dem querenden Autoverkehr.

Abb. 217 (unten)
Sankt-Anton-Straße/ ecke Ostwall
Der Mittelstreifen des Ostwalls wird nördlich
der Sankt-Anton-Straße vom ÖV besetzt. Die
Promenade über den Mittelstreifen hört heute
südlich der Haltestelle Ostwall/ Rheinstraße - auf
halber Strecke - auf.

369

UMSeTZBARKeIT
Das vorliegende Gestaltungsvorbild
trägt Rechnung mit dem
Ratsbeschluss, ein technisches
Rathaus auf dem Theaterplatz zu
realisieren und fügt diesem aufgrund
des Leitbilds neue Aspekte hinzu, s.
auch SWOT-Analyse in Schritt 3 Bewertung Abschnitt 3.3.4.

Abb. 218 (oben)
Färberstraße/ Theaterplatz
Im Gestaltungsvorschlag wurden die Färber- und
Lohstraße in ihrem historischen Verlauf wieder
hergestellt. Die Platzfläche wurde mit einer
neuen Bebauung klar eingefasst, die mit dem
ikonischen Stadttheater ein Ensemble bildet.
Die Sockelgeschosse sind flexibel nutzbar für
kleinmaßstäblichere Nutzungen, um Frequenz
und Kommunikation im öffentlichen Raum zu
erzeugen.
Abb. 219 (unten)
Färberstraße/ Theaterplatz
Die Platzfläche des heutigen Theaterplatzes
ist von den Routen des langsamen Verkehrs
fast vollständig abgeschlossen. Er bildet
gewissermaßen das Ende einer Sackgasse.
Da es am Platz auch an Nutzungen in den
Sockelgeschossen fehlt, gibt es - abgesehen
von der Mediothek - weder soziale Kontrolle
noch eine nennenswerte Besucherfrequenz.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

370

THeATeRPLATZ

GeSTALTUNGSReGeLN
Für den Standort sind die
Gestaltungsregeln für zwei räumliche
Systeme relevant: Vier Wälle für den
Ostwall sowie Straßen und Häuser für
die Carl-Wilhelm-, Loh-, Färber- und
Königstraße. Es wird empfohlen, für
die Sankt-Anton-Straße Zusatzregeln
aufzustellen wegen der höheren
Traufhöhe.
Hier wurde dieser Unterscheidung
sowohl in der Ausbildung der
Bauvolumen als auch in der
Fassadenarchitektur Rechnung
getragen.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 220 (oben)
Lohstraße/ Theaterplatz
Im Gestaltungsvorschlag wurde der Durchgang
der Lohstraße zwischen Sankt-Anton-Straße
bis zur Gartenstraße wieder hergestellt. Dazu
wurde die Blockade durch das ehemalige ‘Café
Coelen’ entfernt. Die Lohstraße ist eine sehr
wichtige Route für den Fußgängerverkehr, die
den südlichen und nördlichen Teil der Innenstadt
miteinander verbinden und dementsprechende
Frequenz auf dem Platz schaffen kann.
Abb. 221 (unten)
Lohstraße/ Theaterplatz
Die Platzfläche des heutigen Theaterplatzes
ist nicht nur zu gross, um als solche
funktionieren zu können. Sie ist räumlich auch
zu wenig definiert und zugleich fast vollständig
abgeschlossen von allen Routen des langsamen
Verkehrs. Da es an Funktionen fehlt, gibt
es auf dem Platz auch keine nennenswerte
Besucherfrequenz.

371

5.6.4

GeSTALTUNGSVORBILDeR
STADTKRONe
Durch die Nutzung des Flächenpotentials oberhalb
von Geschäften kann eine intensive und differenzierte
Nutzungsmischung im mittelalterlichen Stadtkern realisiert
werden. Die Aufstockungen verleihen der Stadtkrone Profil.

Abb. 223 (rechts)
Nutzungen Gestaltungsvorschlag
Von Wohnen/ Hotel über Büros/ Ateliers/
Werkstätten hin zu Treibhäusern und
Gastronomie kann hier experimentiert werden.
Die Anzahl der Hauseingänge entlang
der Quergassen und an der MennonitenKirch-Straße ist unbedingt zu erhöhen, um
Kommunikation und Frequenz in den Straßen
des mittelalterlichen Stadtkerns zu bewirken.

Abb. 222 (oben)
Lageplan Gestaltungsvorschlag
Oberhalb der zum großen Teil nur ein- oder
zweigeschossigen Einzelhandelsnutzungen
befindet sich ein hohes Flächenpotential für
verschiedenste Nutzungen.

Arbeiten/ Einzelhandel
Wohnen
Parken
öffentlicher Raum

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

372

STADTKRONe

BeweRTUNG
Dem mittelalterlichen Teil der
Hochstraße wurde in Schritt 3 Bewertung auf den Maßstabsebenen
XL, L+M siehe Abschnitt 3.2.2 und
3.3.2 ein hoher Wert zuerkannt. Auf
Ebene S wurde auf der (indikativen)
Kohärenzkarte ein großer Teil der
Bebauung negativ oder neutral
bewertet. Dies liegt nicht nur an der
Zerstörung der historischen Bebauung,
sondern ist vor allem der Verflachung
in der Silhouette und im Fassadenrelief
geschuldet.

Abb. 224 (links unten)
Hochstraße
Der mittelalterliche Teil der Hochstraße markiert
den Ursprung der Stadt. Die Bebauung entlang
der Ostseite der Hochstraße ist seit dem
Zweiten Weltkrieg nur noch zweigeschossig.
Die Fassaden sind geschlossen, niedrigwertig
und flach gestaltet. Die Schaufenster bilden ein
großes Loch im Erdgeschoss und haben keinen
architektonischen Bezug zur Straßenwand.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 225 (oben)
Hochstraße
Im Gestaltungsvorschlag wurde die Bebauung
entsprechend den Gestaltungsregeln
aufgestockt und eine variationsreiche
Dachlandschaft hinzugefügt. Die Schaufenster
wurden entsprechend der konstituierenden
Schaufenstertypen neu gestaltet und die
Einzelhäuser damit wieder ‘auf die Füße’
gestellt. Die Hochstraße erhält damit auf
mehreren Ebenen Profil und visuelle Reize.

373

SwOT-ANALySe
Da es sich bei der Hochstraße nicht
um einen Dissonanten handelt, wurde
in Schritt 3 - Bewertung auch keine
SWOT-Analyse für den Standort
durchgeführt.
Dem hier gezeigten Gestaltungsvorbild
liegt das Leitbild zur Stadtkrone
von Schritt 4 - Leitbild zugrunde:
Der mittelalterliche Stadtkern wird
räumlich weiter entwickelt durch
neue Nutzungen oberhalb der
Geschäfte. Eine architektonisch
hochwertige, ansprechende Silhouette
in Kombination mit neuen Nutzungen
auf der zweiten Ebene verleiht
der Stadtkrone Profil, Qualität und
Lebendigkeit. Schaufenster sind
hochwertiger Bestandteil der einzelnen
Hausfassaden.
MASSNAHMeN
- architektonisch hochwertige
Aufstockung der Gebäude, keine
Flachdächer
d
- architektonisch hochwertige
und klar profilierte Gestaltung
von Schaufenstern als Teil
des Sockelgeschosses einer
Hausfassade
- Belebung durch neue Nutzungen
in der neuerschlossenen oberen
Ebene

Abb. 226 (links unten)
Hochstraße
Die Kreuzung Hochstraße/ Ecke
Angerhausenstraße markiert den Ursprung
der Stadt. Die Bebauung entlang der Ostseite
der Hochstraße ist seit dem Zweiten Weltkrieg
nur noch zweigeschossig. Die Fassaden
sind geschlossen, niedrigwertig und flach
gestaltet. Die Schaufenster bilden ein großes
Loch im Erdgeschoss und haben keinen
architektonischen Bezug zur Straßenwand.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 227 (oben)
Hochstraße
Im Gestaltungsvorschlag wurde die Bebauung
entsprechend den Gestaltungsregeln
aufgestockt und eine variationsreiche
Dachlandschaft hinzugefügt. Die Schaufenster
wurden entsprechend der konstituierenden
Schaufenstertypen neu gestaltet und die
Einzelhäuser damit wieder ‘auf die Füße’
gestellt. Die Hochstraße erhält damit auf
mehreren Ebenen Profil und visuelle Reize.

374

STADTKRONe

Abb. 228 (links unten)
Mennoniten-Kirch-Straße/ ecke
evangelische-Kirch-Straße
Die Mennoniten-Kirchstraße bildet die Nahtstelle
zwischen dem unregelmäßigen, mittelalterlichen
Stadtkern (links) und der rationalen Bebauung
der oranischen Stadterweiterung von 1692
(rechts). Wo bis zum Zweiten Weltkrieg
gewohnt wurde, sind Rückseiten entstanden mit
Anlieferzonen, Parkplätzen und Müllcontainern.
Anstelle der westlichen Bauflucht befindet
sich im Sockelgeschoss ein großes Loch. Die
östliche Bauflucht fehlt komplett.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 229 (oben)
Mennoniten-Kirch-Straße/ ecke
evangelische-Kirch-Straße
Im Gestaltungsvorschlag wurde die Bebauung
entlang der westlichen Bauflucht wieder
‘auf die Füße’ gestellt, aufgestockt und eine
variationsreiche Dachlandschaft hinzugefügt.
Die Fassaden wurden im Sinne individueller
Einzelbauten entworfen und eine Vielzahl
von Eingängen für neue Nutzungen in den
Obergeschossen hinzugefügt, um mehr
Frequenz im Straßenraum zu erzeugen. Durch
die Kombination mit einer neuen Profilierung der
Straße entsteht mehr Aufenthaltsqualität.
Im weiter südlich gelegenen Abschnitt der
Mennoniten-Kirch-Straße ist entlang der
ursrpünglich mittelalterlichen Westseite auch
eine experimentelle Bebauung in der Form
von ‘tiny houses’ denkbar. Auch eine niedrige
Bebauung an der Ostseite (rechts) wäre anstelle
der Parkplätze langfristig wünschenswert.

375

BILD
TITeL
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_25
KEIST, David, Haus der Farbe, Zürich

Abb. 5.0_43
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_61
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_26
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_44
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_62
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_27
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_45
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_63
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.309
Abb. 5.0_1
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_2
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_3
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_4 - 5.0_6
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 342

Abb. 5.0_105
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_83
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_106
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_84
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_107
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_85
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_108
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_86
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 345

Abb. 5.0_87
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_109
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_88
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_110
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_89
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_111
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_90
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_112
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_91
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_113
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 343

Abb. 5.0_114
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_92
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_115
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_93
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_116
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_94
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 346

Abb. 5.0_95
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_117
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_96
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_118
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_97
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_119
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_98
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_120
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_60
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_99
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_121
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 336

Abb. 5.0_100
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_46
KÖPPEN, Ernst: Altes Crefeld. Grafische
und malerische Darstellungen aus fünf
Jahrhunderten, Frankfurt 1978 (S. 49)

Abb. 5.0_64
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_31
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_47
MIR Architecten, Amsterdam
Abb. 5.0_48
HAPTIC Architects, London

S. 331
S. 325
S.319
Abb. 5.0_7
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_32
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_49
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 332
S. 326
S.320
Abb. 5.0_33
PEREIRA-RAPOSO, Filipa
Abb. 5.0_8 - 5.0_15
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.321
Abb. 5.0_16
WAITZ, Noa

Abb. 5.0_34
VOGT, Christian
Abb. 5.0_35
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_36
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_19
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 322

Abb. 5.0_37
LAMPE, Bernd
Abb. 5.0_38
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_39
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_52
HEMIS, Alamy Stock Photo

S. 333

Abb. 5.0_54
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_40
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_22
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_23
SERNÉ, Gerrit
Abb. 5.0_24
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_58
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 334

S. 323
S. 329
Abb. 5.0_41
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_59
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_42
MIR Architecten/ Flexus AWC

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 5.0_68
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_69
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_70
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_71
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_72
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_73
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_74
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_75
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 339
Abb. 5.0_56
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 328
Abb. 5.0_21
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_67
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_55
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_57
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_20
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_66
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 338
Abb. 5.0_51
DELCOURT, Charles

S. 327
Abb. 5.0_18
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_65
StAKR, Obj. Nr. 5.25

Abb. 5.0_50
STOTT, Robin cc-by-sa/2.0 (creative commons)

Abb. 5.0_53
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_17
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_102
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_104
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_28
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.318

Abb. 5.0_101
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_82
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 337

Abb. 5.0_30
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_81
MIR Architecten/Flexus AWC und Abbildungen
aus dem Bildbestand des Stadtarchivs Krefeld,
siehe auch Objektnummern bei den
entsprechenden Kapiteln der Analyse

Abb. 5.0_103
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 330

Abb. 5.0_29
SCHONE, Daan

S. 344

S. 341
S. 324

S.317

S. 340

Abb. 5.0_76
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_77
StAKR Obj. Nr. 20.854
Abb. 5.0_78
StAKR Obj. Nr. 39.975
Abb. 5.0_79
StAKR Obj. Nr. 7155
Abb. 5.0_80
MIR Architecten/ Flexus AWC

376

S. 347
Abb. 5.0_122
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_123
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_143
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_164
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_144
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_165
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_145
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_166
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 351

Abb. 5.0_167
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_124
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_125
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_126
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_127
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_128
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_129
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_130
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_131
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_132
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_146
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 354

Abb. 5.0_147
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_168
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_148
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_169
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_149
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_170
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_150
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_171
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_151
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_172
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_152
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_173
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_153
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_174
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 352

Abb. 5.0_175
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_154
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_176
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 348
Abb. 5.0_133
KÖPPEN, Ernst: Altes Crefeld, Frankfurt 1978
Abb. 5.0_134
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 349
Abb. 5.0_135
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 350
Abb. 5.0_136
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_155
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_177
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_156
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_178
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_157
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 355

Abb. 5.0_158
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_179
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_159
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_180
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 353

Abb. 5.0_181
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_160
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_182
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_161
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_183
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_162
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_184
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_163
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_185
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_137
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_138
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_139
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_140
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 5.0_141
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 356

S. 363

S. 371

Abb. 5.0_186
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_204
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_220
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_187
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_205
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_221
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_188
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 364

S. 372

Abb. 5.0_189
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_206
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_222
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_190
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_207
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_223
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_191
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 365

S. 373

Abb. 5.0_192
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_208
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_224
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_193
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_209
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_225
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_194
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 366

S. 374

S. 357

Abb. 5.0_210
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_226
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_195
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_211
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_227
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 359

S. 367

Abb. 5.0_196
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_212
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 375
Abb. 5.0_228
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 360

Abb. 5.0_213
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_197
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 368

Abb. 5.0_198
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_214
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_199
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_215
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_200
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 369

S. 361

Abb. 5.0_216
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_201
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_217
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 362

S. 370

Abb. 5.0_202
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_218
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_203
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_219
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_229
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 5.0_142
MIR Architecten/ Flexus AWC

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

377

DANKeSwORT
Wir bedanken uns für die
Unterstützung, die uns während der
Erstellung der “Kulturhistorischen
städtebaulichen Analyse”
zuteilgeworden ist bei den städtischen
Mitarbeitern und ehemaligen
Mitarbeitern der Stadt Krefeld
Fachbereiche:
Untere Denkmalbehörde
Fachbereich Vermessung- und
Katasterwesen
Stadtarchiv Krefeld
Museum Burg Linn – Stadtarchäologie
Fachbereich Stadt- und
Verkehrsplanung

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Bedanken möchten wir uns außerdem
namentlich bei folgenden Personen,
die durch Fachgespräche, Austausch,
Recherchen und Redaktion zu dem
Gesamtwerk beigetragen haben:
Prof. Dr. Ulrich Reinisch von der
Berliner Humboldt Universität
Prof. Dr. Christoph Baier von der
Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Historikerin Frau Dr. Ulrike Laufer
Herrn Roland Zurkuhlen von der
Unteren Denkmalbehörde Potsdam
Dr. Werner Schmidt

378