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Verwaltungsvorlage (04_Leitbild)

                                    
                                        04

lEitbild

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

3.0 - EinlEitung

260

3.0 - EinlEitung

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

261

4.0 inHAlt

4.1 EinlEitung
4.2 FunKtiOnAlES lEitbild
• MAnuFAKtuRStAdt
4.3 RÄuMliCHES lEitbild
• ViER WÄllE und plÄtzE
• StAdt dER StRASSEn und HÄuSER
• StAdtKROnE
• diSSOnAntEn
4.4 ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
• KOnStituiEREndE bEbAuung
• ARCHitEKtuR-iKOnEn
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

3.0 - EinlEitung

S.263
S.265

S.271

S.291

262

4.1 EinlEitung

3.0 - EinlEitung

im 21. Jahrhundert ist die innenstadt nicht mehr ausschließlich
Einzelhandels- und dienstleistungszentrum, sondern soll auch
Raum und Aufenthaltsqualität bieten für Wohnen, Arbeiten,
Kultur und Freizeit in einem urbanen lebensumfeld.
KERnFRAgE
Wie kann die kulturhistorisch - städtebauliche Kernidentität der
Krefelder Innenstadt zur Schaffung eines urbanen Lebensumfelds
für eine postindustrielle Gesellschaft genutzt werden?
gRundlAgEn und ziElE
Das Leitbild ist aus den Ergebnissen
von Schritt 1 - Analyse, Schritt 2 Abgleich und Schritt 3 - Bewertung
abgeleitet. Es ist auf die Rolle
zugeschnitten, die die Innenstadt
für eine postindustrielle, urbane
Gesellschaft erfüllen muss.
Im 21. Jahrhundert ist
die Innenstadt nicht mehr
ausschließlich Einzelhandels- und
Dienstleistungszentrum, sondern soll
auch Raum und Aufenthaltsqualität
bieten für Wohnen, Arbeiten, Kultur
und Freizeit in einem urbanen
Lebensumfeld.
Die historische Stadtstruktur ist nicht
nur kulturhistorisch und städtebaulich
schützenswert. Sie besitzt auch
die funktionalen, räumlichen und
architektonischen Qualitäten, die ein
urbanes Lebensumfeld ausmachen.
Die vorindustrielle Stadt kann im
postindustriellen Zeitalter eine solide
Grundlage zukünftiger Urbanität
bieten.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Die Kernidentität des geschlossenen
Stadtmodells mit einer feinkörnigen
Nutzungsmischung bestimmt
seit Jahrhunderten die räumliche
Ausformung der Krefelder Innenstadt
und ist immer noch lesbar. Die
räumlichen Systeme der Innenstadt
dienten noch bis in die erste
Wiederaufbauphase hinein als
Inspiration und Orientierungsrahmen
für eine angemessene und
kohärente bauliche Ausgestaltung.
Ikonische Einzelgebäude setzten
architektonische Akzente im
unaufgeregten Stadtbild.
Das langfristige Ziel des Leitbildes
ist die allmähliche Entwicklung der
Krefelder Innenstadt in Richtung
eines urbanen Lebensumfeldes mit
einer hohen funktionalen, räumlichen
und architektonischen Qualität auf
verschiedenen Maßstabsebenen.

tEilFRAgEn
• Wie wird die Innenstadt entschleunigt und wie erhält sie
Aufenthaltsqualität?
d

• Wie werden die Vier Wälle zum wichtigsten Freiraum der
Innenstadt?
• dd

• Wie wird die Innenstadt ein attraktives Wohngebiet?
d

• Wie erhält der mittelalterliche Stadtkern mehr Profil?
d

• Wie ist mit den Dissonanten im Stadtgrundriss umzugehen?
d
• Was macht die konstituierende Architektur der Innenstadt aus?
d
• Welche Rolle soll die Bausubstanz aus 100 Jahren
Industrialisierung spielen?

263

MASSStAbSEbEnEn
das kulturhistorisch - städtebauliche leitbild
beinhaltet die zuvor analysierten und bewerteten
Maßstabsebenen:

Xl

l+M

S

FunKtiOnAl:

RÄuMliCH:

ARCHitEKtOniSCH:

• MANUFAKTURSTADT

• STADTKRONE
d
• STADT DER STRASSEN UND
HäUSER
d
• VIER WäLLE
d
• DISSONANTEN

• KONSTITUIERENDE
BEBAUUNG
d
• ARCHITEKTUR-IKONEN

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

264

4.2 FunKtiOnAlES
lEitbild

Xl

FunKtiOnAlES lEitbild

Schaffung eines urbanen lebensumfelds, das den Ansprüchen einer
postindustriellen gesellschaft gerecht wird:
d
• kleinmaßstäbliche nutzungsmischung (Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und
Kultur in der innenstadt)
d
• Erhöhung der Einwohnerdichte des gebietes
d
• Entschleunigung der Innenstadt (Neudefinition der ‘Erreichbarkeit’
der innenstadt nicht nur mit dem Auto sondern vor allem mit dem
ÖV, Fahrrad und zu Fuß), Förderung der nahmobilität und langsamer
Fortbewegungsmittel)
d
• hohe Aufenthaltsqualität (gestaltung des öffentlichen Raums für
Fußgänger, Vier Wälle als promenade und wichtigster Freiraum der Stadt)

4.2.2 MAnuFAKtuRStAdt
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

S.266
265

4.2

Abb. 4.0_1 Weberwinkel 1850
Die barock-klassizistische Stadtanlage Krefelds
entstand für die Seidenproduktion, die fast
ausschließlich in Heimarbeit vonstatten ging.

FunKtiOnAlES lEitbild
MAnuFAKtuRStAdt

Abb. 4.0_2 Handweber 1910
Bis ins späte 19. Jahrhundert wurde die
Krefelder Seide mit der Hand gefertigt.

Abb. 4.0_3 Maschineller Webstuhl 1920
Mit der maschinellen Seidenweberei wanderte
die Herstellung ab in Fabriken außerhalb der
Vier Wälle und (in)den Nachbargemeinden

Abb. 4.0_4 Sinn-Haus um 1900
Kaufhäuser entstanden als neue Typologie zum
Verkauf der industriell gefertigten Waren.

Abb. 4.0_5
perspektivischer grundriss 1787
Die gebaute Sozialstruktur der Manufakturstadt
ist besonders gut an der barocken Stadtanlage
des 18. Jahrhunderts abzulesen.

diE VORinduStRiEllE StAdt
In Schritt 1 - Analyse wurde
festgestellt, dass die konstituierenden
Zeitschichten der Krefelder Innenstadt
allesamt vorindustriell sind. Sie
stammen aus der Zeit vor 1870, in der
in fast jedem Haus der Stadt nicht nur
gewohnt, sondern auch gearbeitet und
produziert wurde.
Im 18. und 19. Jahrhundert waren bis
zu 50% der arbeitenden Bevölkerung
Krefelds in der Seidenindustrie
beschäftigt. Verleger, Weber und
Handwerker lebten und arbeiteten
innerhalb einer kompakten,
einheitlichen Stadtstruktur, ohne dass
an den Fassaden genau abzulesen
gewesen wäre, wer dort wohnte und
was dort produziert wurde. Im Stadtbild
gab es im Gegensatz zu vielen früh
industrialisierten Städten kaum
Fabrikschornsteine. Krefeld kannte
auch keine Mietskasernen.
Die Stadt war kompakt und alles,
was zum Leben notwendig war, dicht
beieinander und fußläufig zu erreichen.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Die Straßen waren kleinteilig bebaut
mit vielen individuellen Einzelhäusern,
deren Fassaden sich zu einer
zusammenhängenden Kulisse fügten.
Durch die vielen Hauseingänge,
Werkstätten und Geschäfte an der
Straße entstand Leben im öffentlichen
Raum, nachbarschaftlicher Kontakt
und ein feines Netz sozialer
Beziehungen.
induStRiAliSiERung
Der Beginn der Transformationen der
Stadtstruktur innerhalb der Vier Wälle
fällt mit dem Ende der Handweberei
und dem Beginn der maschinellen
Weberei zusammen, die sich in Krefeld
erst gegen Ende des 19.Jahrhunderts
durchsetzte. Fabriken wurden jetzt
außerhalb der Vier Wälle und in den
kleineren Nachbargemeinden gebaut.
Viele wohlhabende Bürger begannen,
sich neue Häuser außerhalb der
Innenstadt zu bauen. Damit setzte die
Entmischung des funktional und sozial
gemischten Gefüge der kompakten
vorindustriellen Stadt ein. Hier

entstand jetzt das neue Zentrum der
Großstadt Krefeld, mit einer bis zum 2.
Weltkrieg hohen Einwohnerdichte.
Neue Gebäudetypologien wurden
entlang der Vier Wälle und an der
Rheinstraße für öffentliche Dienste
errichtet, wie Bahnhof, Post,
Verwaltungs- und Schulbauten, aber
auch Theater und Museum. Sie
bereicherten das ebenmäßige
Stadtbild mit ihrer monumentalen
Architektur.
An der Hochstraße, dem Neumarkt,
Friedrichsstraße und Rheinstraße
entstanden neue, prachtvolle
Kaufhäuser, in denen die industriell
gefertigten Waren angepriesen
wurden. Die neuen technischen
Möglichkeiten der Ingenieurbaukunst
manifestierten sich in neuen
architektonischen Formen, die dem
Stadtkern ein großstädtisches Flair
verliehen.

266

4.2

4.2 FunKtiOnAlES lEitbild

FunKtiOnAlES lEitbild
MAnuFAKtuRStAdt - nutzungSMiSCHung

Abb. 4.0_6
Monofunktionaler großbau
Kaufhaus Horten als abstrakte,
autonome Großform im Stadtraum. Mit
der Funktionstrennung steigt auch der
motorisierte Verkehr exponentiell.
Pressefoto der Eröffnung vom
23.04.1970

Citybildung
In den 60’er Jahren des 20.
Jahrhunderts beschleunigte
sich die Transformation der
Innenstadt zum Einzelhandels- und
Dienstleistungszentrum. In der ‘City’
entwickelte sich die Tendenz zur
Zusammenlegung von Hausparzellen
und zur Maßstabsvergrößerung der
Bauvolumen. Die resultierenden
monofunktionalen Großbauten
wurden jetzt als autonome Objekte
freiplastisch in den Stadtraum
gestellt. Ihre Größe und die - für die
Erfahrung aus dem Auto konzipierten abstrakten, glatten Fassaden strahlten
den Aufbruch in eine neue Zeit aus.
VERKEHR
Durch die flächenmäßig enorme
Ausdehnung des Stadtgebiets, die
großräumliche Nutzungstrennung
von Wohnen, Arbeiten und
Dienstleistungen aller Art entstand
immer mehr Verkehr. Seit der
Nachkriegszeit nahm der motorisierte
Individualverkehr exponentiell zu und
mit ihm der Raumbedarf nicht nur für
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 4.0_7
Vorindustrielle Funktionsmischung
In den Häusern der Stadt wird gewohnt
und gearbeitet.

den fließenden, sondern vor allem den
‘ruhenden Verkehr’.
lEERStAnd
Funktionstrennung, Außenentwicklung
und Zunahme des motorisierten
Individualverkehrs bedingen und
verstärken einander. Gewohnt wird
innerhalb der Vier Wälle heute kaum
noch, Immobilien und Mieten verfallen.
Geschäfte für den täglichen Bedarf
sind durch dem Wegzug der Bewohner
und trotz billiger, ebenerdiger
Parkplätze nicht zu halten. Selbst
die vorgenannten monofunktionalen
Großimmobilien, bis vor kurzem noch
‘Ankerbauten’ des Einzelhandels,
sind auf Dauer nicht mehr haltbar. Ihr
Leerstand stellt für den Organismus
der Innenstadt eine besondere
Herausforderung aber auch eine
Chance dar.
diE pOStinduStRiEllE StAdt
Zur Schaffung eines urbanen
Lebensumfelds, das den
Ansprüchen einer postindustriellen

Abb. 4.0_8
Funktionstrennung der industriestadt
In der Innenstadt bildet sich eine City. Es
entstehen großmaßstäbliche Bauten für den
Einzelhandel, Kultur- und Büronutzungen.
Gewohnt wird vor allem außerhalb der Wälle

Gesellschaft gerecht wird, ist es
notwendig, sich von Funktionalismus
und Machbarkeitsdenken der
Nachkriegsmoderne zu verabschieden,
und sich den neuen Themen der
postindustriellen Stadt zu widmen.
Zahlreiche Vorbilder aus dem
In- und Ausland zeigen, wie die
kleinmaßstäbliche Mischung von
Funktionen, die kleinteilige, historische
Architektur ebenso wie der für
den langsamen Verkehr und zum
Verweilen gestaltete öffentliche Raum
erfolgreiche, nachhaltige und sehr
attraktive Innenstädte schafft.
Die Qualitäten der vorindustriellen
Manufakturstadt bieten einen reichen
Fundus für Lösungen, die bereits
in der Kernidentität der Innenstadt
angelegt sind.
nutzungSMiSCHung
Die kleinmaßstäbliche
Nutzungsmischung von Wohnen
und Arbeiten, Einkaufen, Kultur und
Freizeit auf allen Maßstabsebenen

ist entscheidend für ein urbanes
Lebensumfeld. Dies gilt auf der
Massstabsebene der Innenstadt als
Ganzes, auf der Ebene der Straßen,
aber auch auf der kleinsten Ebene der
Gebäude. Bauten müssen heute im
Stande sein, verschiedene wechselnde
Nutzungen möglich zu machen. Dies
stellt neue Anforderungen an die
Architektur der Fassaden und vor
allem an die Sockelgeschosse.
diCHtE
Urbanität ist dort, wo viele Menschen
wohnen und arbeiten. Die Krefelder
Innenstadt ist heute zu dünn
besiedelt, besitzt aber ein enormes
Potential zur Nachverdichtung. In
der mittelalterlichen Stadtkrone
geht es um die Aktivierung neuer
Nutzungen oberhalb der oft nur
eingeschossigen Geschäfte. In der
sie umgebenden Rasterstadt ist es
das Wohnen und Arbeiten in alten und
neuen Stadthäusern und an den Vier
Wällen kommen auch großstädtische,
kulturelle Nutzungen hinzu.

Abb. 4.0_9
postindustrielle Funktionsmischung
In den Häusern der Stadt wird wieder gewohnt
und gearbeitet, auch oberhalb von Geschäften.
Kultur, Freizeit und andere neue Nutzungen
sorgen für eine lebendige Innenstadt auch
außerhalb der Ladenöffnungszeiten.

EntSCHlEunigung
Die Erreichbarkeit der Innenstadt ist
in der postindustriellen Gesellschaft
neu zu definieren. Guter ÖPNV und
ein klares, leistungsstarkes Netz von
Radachsen schaffen den notwendigen
Raum für den Fußgänger, der
im urbanen Lebensumfeld der
postindustriellen Stadt Hauptakteur ist.
Seine Bühne sind vor allem die
Straßen. Durch eine Entschleunigung
des Verkehrs, aber auch die
Entschleunigung der Architektur
und der Straßenprofile erhält der
Fußgänger wieder mehr öffentlichen
Raum - und und eine reizvoll gestaltete
Umgebung.
AuFEntHAltSquAlitÄt
Wo viele Menschen sind, ist auch
guter Erholungsraum notwendig. Die
Wiederherstellung der Anlage der Vier
Wälle als Promenade und wichtigster
Freiraum der Innenstadt sowie die
Besinnung auf die konstituierenden
Plätze der Stadt sind dabei
Schlüsselprojekte.
267

4.2

FunKtiOnAlES lEitbild
MAnuFAKtuRStAdt - EntSCHlEunigung
der begriff der Erreichbarkeit sollte für die
Innenstadt neu definiert werden.

grunstruktur bestande

grunstruktur bestande

negativer Raum

negativer Raum

grüne Struktur

grüne Struktur

negativ

negativ

grunstruktur
grunstruktur bestande

grunstruktur
grunstruktur bestande

Quadrate
bilden
negativer Raum

Quadrate
bilden
negativer
Raum
grunstruktur
bestande
innerstädtische
Quadrate
grüne
Struktur
grunstruktur
bestande
negativer
Raum
2 way
negativ
negativer
Raum
grüne Struktur
1 way
grüne
negativStruktur

innerstädtische
grüne
Struktur Quadrate
grunstruktur
bestande
2 way
negativ Raum
negativer
1 way
grüne Struktur

negativ
grunstruktur

grunstruktur
negativ
Quadrate bilden
auto
innerstädtische Quadrate
grunstruktur
schnelle
(>30km)
2 way Straßen
Quadrate
bilden
langsame
Straßen Straßen (<30km)
1 way
innerstädtische
Quadrate

auto

P
auto

P

?
2
1 way

Satteldach
1 way

Satteldach
1 way

Satteldach

auto

q

Satteldach

Parken
schnelle Straßen (>30km)

autoP

Quartiersgarage
Parken
schnelle Straßen (>30km)

Abb. 4.0_10
Vier Wälle
Wälle Straßen Straßen (<30km)
vier
langsame
Verkehrspolitisches leitbild 1959 - heute

auto

Vier Wälle
vier
Wälle Straßen Straßen (<30km)
langsame
schnelle Straßen
(>30km)

Nebenstraßen
langsame
Straßen Straßen
Satteldach

radweg
Satteldach
?Parkplätze
langsame Straßen Straßen
Parkhäuser
Parken
Satteldach

Durchbruch der Sankt-Anton-Straße für den
Durchgangsverkehr und Anlage eines Parkrings
über die Breite Straße und Königstraße zur
(<30km)Erschließung der Parkplätze und Parkhäuser.
Die Mittelstreifen der Vier Wälle sind zum Teil
mit geparkten Autos und Straßenbahnschienen
besetzt. Der Autoverkehr hat Vorrang vor allen
(<30km)
anderen Verkehrsteilnehmern.

?
kULTURHISTORISCHE
STÄdTEbaULICHE anaLySE
vier Wälle
Satteldach

P

Quadrate bilden
grunstruktur
auto
innerstädtische
grunstruktur
Quadrate bildenQuadrate
schnelle
(>30km)
2 way Straßen
Quadrate
bildenQuadrate
innerstädtische
langsame
Straßen Straßen (<30km)
1 way
innerstädtische
Quadrate
2

?
2 way

?Hauptverkehrsstraßen
schnelle
Straßen (>30km)
radweg

4.2 FunKtiOnAlES lEitbild

Parken

Hauptverkehrsstraßen
?
schnelle
Straßen
langsame
Straßen(>30km)
Straßen

radweg

P
P
P

Nebenstraßen
langsame
Straßen Straßen
Satteldach
?
radweg
Tempo-30-Zone
Satteldach
?
Satteldach
langsame Straßen Straßen
Parkhäuser
Parken
Satteldach

?
Satteldach
vier Wälle
Parken
Parken
vier Wälle

Abb. 4.0_11
neue Verkehrsführung
Ertüchtigung der Ringe, möglichst Tempo
(<30km) 30 innerhalb der Ringe, keine Führung von
Durchgangsverkehr über Sankt-Anton-Straße
(<30km)und Ostwall. Die 4 Wälle werden vorwiegend
durch den ÖV und langsame Verkehrsteilnehmer
genutzt, sowie als Verteilerstraße zu den
Parkhäusern. Der Mittelstreifen wird als
(<30km) durchgängige Promenade für Fußgänger
gestaltet.

268

4.2

FunKtiOnAlES lEitbild
MAnuFAKtuRStAdt - RAdACHSEn
Vom Auto aus kann man eine Stadt weder verstehen
noch kann man sie nachhaltig weiter entwickeln.

grunstruktur bestande

grunstruktur bestande

negativer Raum

negativer Raum

grüne Struktur

grüne Struktur

negativ

negativ

grunstruktur

grunstruktur

Quadrate bilden

Quadrate bilden

innerstädtische Quadrate

innerstädtische Quadrate

2 way

2 way

1 way

1 way

auto

P

4.2 FunKtiOnAlES lEitbild

auto
schnelle Straßen (>30km)

schnelle Straßen (>30km)

langsame Straßen Straßen (<30km)

langsame Straßen Straßen (<30km)

?

?

Satteldach

Satteldach

Satteldach

Satteldach

P

Parken
vier Wälle

Parken
vier Wälle

radweg

radweg
radweg
Ring
Fahrradstraßen
langsame
Straßen Straßen

?Vier Wälle

Abb. 4.0_12
Radwegenetz heute
Das innerstädtische Radwegenetz ist im
(<30km)
Fahrradstadtplan kartiert. Viele unterschiedlich
profilierte Straßen und Hindernisse erschweren
die zügige Fahrt.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

radweg
Ring
Fahrradstraßen
langsame
Straßen Straßen

?Vier Wälle

Abb. 4.0_13
neues netz von Straßen zur
bevorrechtigung des Radverkehrs
(<30km) Das historische Straßenraster eignet sich
hervorragend für ein Netz von Straßen, in denen
der Radverkehr Vorrang hat. Das Radwegenetz
wird nicht auf den Vier Wällen und den
Magistralen angelegt, sondern in den Quer- und
Parallelstraßen. Das Tempo auf den Straßen
wird damit gedrosselt. Gleichzeitig entstehen
übersichtliche, attraktive und sichere Routen für
Radfahrer.

269

4.2

4.2 FunKtiOnAlES lEitbild

FunKtiOnAlES lEitbild
MAnuFAKtuRStAdt - FREiRAuM
die Vier Wälle als promenade und wichtigster Freiraum der
innenstadt sowie die besinnung auf die konstituierenden plätze der
Stadt sind Schlüsselprojekte mit höchster priorität.

grunstruktur bestande

grunstruktur bestande

negativer Raum

negativer Raum

grüne Struktur

grüne Struktur

negativ

negativ

grunstruktur

grunstruktur

Quadrate bilden

Quadrate bilden

innerstädtische Quadrate

innerstädtische Quadrate

2 way

2 way

1 way

1 way

auto

auto
schnelle Straßen (>30km)

schnelle Straßen (>30km)

langsame Straßen Straßen (<30km)

P

?

?
negativer Raum

Satteldach

Satteldach
grüne Struktur

Satteldach

Satteldach
negativ

P

Parken

grunstruktur
bestande
Vier
Wälle
vier
Wälle
Platz
negativer
Raum

radweg

langsame
grunstruktur
bestandeStraßen Straßen (<30km)

Grünfläche
grüne
Struktur

Abb. 4.0_14
Heutige grünstruktur und plätze
Die Vier Wälle sind fragmentiert und der
Mittelstreifen nicht durchgehend als Promenade
nutzbar. Die konstituierenden Plätze sind
als solche kaum wahrnehmbar und von den
Kriegsbrachen nicht zu unterscheiden.

Parkplatz/ Infrastruktur
radweg
negativ

langsame Straßen Straßen (<30km)

kULTURHISTORISCHE
STÄdTEbaULICHE anaLySE
grunstruktur
?
Quadrate bilden

Parken
Abb. 4.0_15
neue grünstruktur und plätze
Die Vier Wälle sind durchgehend als Promenade
Konstituierende
Plätze
gestaltet. Sie sind der wichtigste Freiraum der
Quadrate
bilden
Innenstadt und Aufenthaltsort für Bewohner und
Besucher. Die konstituierenden Plätze bilden
Übrige Plätze
innerstädtische
Quadrate
das Rückgrat der Innenstadt. Die übrigen Plätze
sind entlang der barocken Akzisemauer im
Verlauf
radweg
2
way der barocken Akzisemauer
Stadtgrundriss verortet und zum Teil deutlich
verkleinert bzw. bebaut. Der Wochenmarkt wird
langsame
Straßen Straßen (<30km) auf die zentral gelegenen konstituierenden
1 way
Plätze der Stadt verlagert.

Vier Wälle
Wälle
vier
grunstruktur

radweg

?

270

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

l+M

Herausstellung und Verstärkung der spezifischen Qualitäten der drei
räumlichen Systeme zu einem deutlich erkennbaren Stadtbild:
d
• einheitliche gestaltung der Vier Wälle als großstädtische promenaden
und wichtigster Freiraum und Stadtkulturraum der innenstadt. besinnung
auf die konstituierenden plätze
•d
• Straßen und Häuser als attraktives lebensumfeld zum Wohnen und
Arbeiten. Entschleunigung des öffentlichen Raums, Erhalt alter Häuser
und bau neuer Stadthäuser
d
• mehr Profil für die mittelalterliche Stadtkrone durch neue Nutzungen
oberhalb der geschäfte: Schaffung einer Stadtsilhouette und mehr Relief
in den Fassaden sowie Aufwertung der Architektur
d
• Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses ist zu überprüfen,
wo eine transformation nicht positiv bewertet wird

4.3.1 ViER WÄllE und plÄtzE

S.272

4.3.2 StAdt dER StRASSEn und HÄuSER

S.280

4.3.3 StAdtKROnE

S.284

4.3.4 diSSOnAntEn

S.288

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

271

4.3.1

l+M

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

durch eine qualitätsvolle, einheitliche gestaltung der Vier Wälle
als promenade werden die Vier Wälle zum wichtigsten Freiraum
der innenstadt und zum Aushängeschild und Katalysator für die
großen themen: Mobilitätswende, Klimaschutz, Stadt(bau)kultur
und innovation:
• einheitliche gestaltung der Anlage der Vier Wälle als
promenade mit durchgängigem Mittelstreifen (mehr bäume,
wassergebundene helle Oberfläche, kulturhistorisch wertvolles
und neues grün, hochwertige Möblierung)
d
• besinnung auf die konstituierenden plätze der innenstadt
(Friedrichsplatz und -straße, Schwanenmarkt und neumarkt)
d
• Reduzierung der übrigen ‘Plätze’ und Kriegsbrachen auf eine
perlenschnur kleinerer nachbarschaftsplätze entlang dem
Verlauf der barocken Akzisemauer
d
• Aufenthaltsqualität hat höchste priorität

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

272

4.3.1

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

bOulEVARdS AlS
idEntiFiKAtiOnSORtE
Die Vier Wälle nehmen bei der
Innenstadtentwicklung eine
Schlüsselrolle ein. Gerade weil die
Vier Wälle nicht nur für ihre Anlieger,
sondern für alle Bürger der Stadt der
wichtigste Identifikationsort sind, soll
der gestalterische Zusammenhang
der Anlage sowohl in der horizontalen
Fläche (2D) als auch in der Bebauung
(3D) wieder lesbar gemacht werden.
Durch eine qualitätvolle, einheitliche
Gestaltung der Vier Wälle als
Promenade werden sie zum
wichtigsten Freiraum der Innenstadt
und zum Aushängeschild und
Katalysator für die großen Themen:
Mobilitätswende, Klimaschutz,
Urbanität und Stadt(bau)kultur.
tERRitORiuM dES FlAnEuRS
Boulevards und Parks mit einem
schattigen Dach aus mehrfachen
Baumreihen wurden erstmalig
in Frankreich entworfen. Ihre
klimafreundliche Gestaltung mit
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

hellen, wassergebundenen
Oberflächen stellt eine robuste
Basis dar für vielfältige Nutzungen
als urbaner Aufenthalts- und
Naherholungsraum.
Der Sonntagsspaziergang, der im
18. Jahrhundert noch im Grünen
außerhalb der kompakten Stadt
stattgefunden hatte, wurde im 19.
Jahrhundert mit der Stadterweiterung
Umpfenbachs auf die Vier Wälle
verlagert. Das Flanieren - sehen
und gesehen werden - wurde die
großstädtische Variante zur Erholung
auf dem Land und der Hauptzweck der
Anlage. Die Vier Wälle bildeten eine
Adresse, die sich mit der vornehmen
Friedrichstraße durchaus messen
konnte.
Die Vier Wälle waren gesäumt mit
prachtvollen neoklassizistischen
Stadthäusern und stehen in der
Tradition der Boulevards des 19.
Jahrhunderts, die vielen großen
europäischen Städten bis heute ihre
unverwechselbare Identität verleihen.

Schon während der Kaiser- und
Zwischenkriegszeit wurden die
Boulevards zum Teil als Gartenanlage
mit Schaugrün umgestaltet.
Pferdebahn, Busse und Autos
begannen, mit dem Flaneur um
Territorium zu konkurrieren. Mit der
Neuordnung des Verkehrs um 1959
wurde der Spaziergänger endgültig
von Autos und ÖPNV verdrängt.
gEStAltung ViER WÄllE 3d
Die Wiederherstellung der horizontalen
Fläche als Promenade kann
städtebauliche bzw. architektonische
Mängel nur bedingt kompensieren.
Die historischen Fluchtlinien und die
Qualität der Architektur entlang der
Vier Wälle beeinflussen das Stadtbild
ebenso wie die Nutzungen in den
ikonischen Bauten, die wie eine
Perlenschnur an der Außenseite der
Wälle angeordnet sind.

beeinträchtigt.
Zwar bildet die Haltestelle Ostwall/
Rheinstraße ein in sich geschlossenes
räumliches Ensemble. Zwischen
Rheinstraße und Carl-WilhelmStraße löst sich die klare räumliche
Begrenzung des Ostwalls jedoch auf in
einer fließenden Stadtlandschaft.

Abb. 4.0_16 (rechts) Ostwall 1840-1870
Der Ostwall war ursprünglich als Promenade
nach französischem Vorbild gestaltet, mit einem
Dach aus vier Baumreihen und einer hellen,
wassergebunden Oberfläche.
Die Schienen der Pferdebahn sind in die
gepflasterte Fahrbahn integriert.
Die Straßenwände werden gesäumt von
repräsentativen Wohnhäusern mit klassizistisch
gestaltetem Fassadenschmuck.

Die Wiederherstellung der historischen
Bauflucht am Theaterplatz ist
zwingend erforderlich, um die
räumliche Kontinuität der historischen
Stadtanlage wieder herzustellen.

Abb. 4.0_17 (links)
place de la République, paris

Vor allem am Ostwall, dessen
historische Fluchtlinien an mehreren
Stellen aufgebrochen wurden, wurde
die räumliche Lesbarkeit stark
273

4.3.1

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Abb. 4.0_18a und b (oben)
Westwall
heutiger Zustand mit asphaltiertem Mittelstreifen
und mögliche Neugestaltung des Westwalls als
Promenade für Besucher und als erweitertes
Wohnzimmer für die Bewohner.
Abb. 4.0_18c (unten)
Westwall
Postkarte um 1901 mit drei Baumreihen und
heller, wassergebundener Oberfläche.

gEStAltung ViER WÄllE 2d
Heute sind die Vier Wälle als
öffentlicher Raum zwar noch
lesbar, aber stark fragmentiert. Die
mittleren Baumreihen auf West-,
Süd- und Ostwall sind verschwunden.
Die verbliebenen Bäume sind
ausgewachsen und bilden statt des
Blätterdachs Alleen. Der Mittelstreifen
wird zum Teil besetzt durch Parkplätze
oder wird als Fahrspur für Auto, Bus
und Bahn genutzt. Die Promenade
über den Mittelstreifen wird vielfach
durch querende Straßen für den
motorisierten Verkehr unterbrochen.
Im besten Falle sind die verbliebenen
Mittelstreifen gärtnerisch gestaltet
mit Schaugrün aus Rasen, Beeten
und Hecken. Zum Teil haben diese
einen kulturhistorischen Wert, oft
ist das jedoch nicht der Fall. Zwar
gibt es Bänke, die Nutzbarkeit und
Aufenthaltsqualität des öffentlichen
Raumes ist jedoch durch den tosenden
Verkehr eher gering.
gEStAltungSKOnzEpt
In den kommenden Jahren soll für die

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Vier Wälle als Aushängeschild Krefelds
wieder ein einheitliches, qualitätvolles
Gesamtbild geschaffen werden. Ein
Gestaltungskonzept für den Freiraum
der Vier Wälle soll folgend zu der
vorliegenden Analyse auf den Weg
gebracht werden.
Die oberste Priorität hat dabei die
Aufenthaltsqualität der Vier Wälle
und die Wiederherstellung des
Mittelstreifens von West-, Südund Ostwall als durchgängige
Promenade. Die Integration
vorhandener kulturhistorisch wertvoller
Abschnitte aus der Kaiser- und
Zwischenkriegszeit ist dabei näher zu
untersuchen.
FlEXibilitÄt StAtt
FunKtiOnAliSMuS
Bei der Gestaltung der Anlage liegt
die Priorität in der flexibelen Nutzung
durch Besucher und Bewohner.
Die Vier Wälle sollen weniger
als Gartenanlage mit Schaugrün
oder für bestimmte Funktionen,
Bevölkerungs- oder Altersgruppen
eingerichtet werden, sondern vielmehr

als durchgängiger, großstädtischer,
öffentlicher Raum mehrere Funktion
zulassen.
Visuelle Ruhe und funktionale
Neutralität und Nutzbarkeit für
eine Vielzahl von Aktivitäten
und Veranstaltungen sind
Grundvoraussetzung für eine
entspannte, großstädtische
Atmosphäre.

Schlichtheit, Unaufgeregtheit
und gestalterischer Qualität sein.
Alle Objekte sollen einer klaren,
hochwertigen Gestaltungsfamilie
angehören.
Auch die Gestaltung der Fahrbahnen
erfordert visuelle Ruhe und Neutralität.
So sind verschiedene Beläge und
Markierungen unbedingt zu vermeiden.

Die Gestaltung des Mittelstreifens
nach der konstituierenden Situation,
also als französische Boulevards
mit einem grünen Dach aus
kleinen Bäumen und einer hellen,
wassergebundenen Oberfläche und
Grün ist dabei als richtungweisende
Referenz zu sehen.
Die Möblierung und Einrichtung
der Vier Wälle mit Kunstobjekten,
Pavillons, Haltestellen, Bänken,
Bepflanzung usw. muss für den
Gebrauch durch verschiedene Nutzer
geeignet sein, und entsprechend
der großstädtischen Atmosphäre
und Nutzbarkeit von größtmöglicher
274

4.3.1

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Referenzbilder zur gestaltung der Wälle:
Boulevards und Parks mit einem schattigen
Dach aus mehrfachen Baumreihen wurden
erstmalig in Frankreich entworfen. Ihre
klimafreundliche Gestaltung mit
hellen, wassergebundenen Oberflächen stellt
eine robuste Basis dar für vielfältige Nutzungen
als urbaner Aufenthalts- und Naherholungsraum.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 4.0_19-22 (oben von links nach rechts)
- Brochstein Pavilion at Rice University in Houston, Texas,
OJB Landscape Architecture
- Jardin du Luxembourg, Paris
- Parroquia Santa Maria del Mar in Barcelona
- Parc Hydro-Québec, Montréal, Claude Cormier et Associés,
Landscape Architects

Abb. 4.0_23-26 (unten von links nach rechts)
- David H. Koch Plaza, Barcelona, Spanien
- Bryant Park, New York, USA
- Yorkville Park, Torronto, Kanada
- Plaza de la Sagrada Familia, Barcelona, Spanien

275

4.3.1

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Boulevard Richard Lenoir - Paris, Frankreich

Las Ramblas, Barcelona, Spanien

nEutRAlER untERgRund,
FlEXiblE nutzungEn
Auf einem eher neutral gestalteten
Untergrund können verschiedene
Nutzungen stattfinden und mehrere
Zwecke gleichzeitig erfüllt werden.
Klimaziele (Wasserinfiltration, Schatten
und Kühlung durch Bäume), Sport
(Laufen, Radfahren, Skaten, Jeu de
Boules), Kultur (Musikdarbietungen,
Kunstroute, Festivals), Gastronomie
(Kioske mit Terrasse und Bestuhlung,
Cafés auf den Bürgersteigen,
rollende Gastronomie), Märkte
(Flohmarkt/ Büchermarkt),
Aufenthaltsqualität (Flanieren,
Picknicken, Sitzgelegenheiten) sind
gut miteinander zu kombinieren.
Gerade die Ermöglichung
verschiedener, auch zufälliger oder
temporärer Nutzungen macht die
Vier Wälle zum Begegnungsraum für
verschiedenste Bevölkerungsgruppen,
die einander sonst nicht begegnen
würden. Im Idealfall wird so ein
Identifikationsort für die Stadt
geschaffen, der ihre Bürger verbindet.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Boulevard Richard Lenoir - Paris, Frankreich

Tranvía Zaragoza, Spanien, Aldayjover paisajistas
Abb. 4.0_27-32
Referenzbilder zur gestaltung der Wälle
Boulevards und Parks mit einem schattigen
Dach aus mehrfachen Baumreihen bilden eine
robuste Basis für vielfältige Nutzungen als
urbaner Aufenthalts- und Naherholungsraum.
Bei der Gestaltung der Anlage liegt die Priorität
in der flexibelen Nutzung durch Besucher und
Bewohner.

276

4.3.1

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Abb. 4.0_33a dissonant
polizeipräsidium
Der nördliche Teil des Ostwalls wurde in der
zweiten Wiederaufbauphase im Sinne der
gegliederten, aufgelockerten und autogerechten
Stadt umgestaltet. Mit dem Punkthaus des
Polizeipräsidiums als städtebaulicher Akzent
wurde der verkürzte Ostwall visuell beendet.
Die architektonische Qualität der 60er Jahre
Fassade ging mit der Sanierung verloren.
Der Standort wurde negativ bewertet,
da es sich weder um ein klar ablesbares
Ensemble der 60er Jahre handelt, noch
den Prinzipien eines geschlossenen
Stadtmodells entspricht. Es fehlen besondere
räumlichen und architektonische Qualitäten.
Die Wiederherstellung des historischen
Stadtgrundrisses wurde für diesen Standort
mittels einer SWOT-Analyse untersucht.

FluCHtliniEn
Der Süd- und Westwall sind
städtebaulich - räumlich intakt
geblieben. Am Ostwall, Nordwall
und am Friedrichsplatz wurden die
historischen Fluchtlinien an mehreren
Stellen aufgebrochen, wodurch die
räumliche Lesbarkeit der Anlage stark
beeinträchtigt wurde.
An der Haltestelle Ostwall/
Rheinstraße wurde schon in der
ersten Wiederaufbauphase ein in
sich geschlossenes räumliches
Ensemble geschaffen, das bis
heute einen erkennbaren Stadtraum
bildet. Beim Hamburg-Mannheimer
Haus, dem Seidenweberhaus und
am Polizeipräsidium wurden die
Baufluchten durch eine offene
Bauweise ‘aufgelockert’, mit
einem in räumlicher Hinsicht eher
unbefriedigendem Ergebnis.
Um den Ostwall nördlich der
Rheinstraße wieder als klaren
Stadtraum und Boulevard zu
definieren, ist vor allem am

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Theaterplatz eine Bebauung in der
historischen Bauflucht zwingend
erforderlich.
ARCHitEKtuR
Die Bebauung der Vier Wälle blieb
vor allem am Südwall zum großen
Teil erhalten und bietet dem Flaneur
eine prachtvolle, detailreiche
Kulisse. Ost-, West- und Nordwall
sind auch von der Architektur des
Wiederaufbaus stark geprägt, der die
historische Stadtanlage städtebaulich
in unaufgeregter, gediegener Weise
vervollständigt.
Die Architekturqualität der
Wiederaufbauarchitektur ist am
Ostwall vergleichsweise hoch
und verdient entsprechende
Aufmerksamkeit. Am Westwall fällt sie
- abgesehen von ein paar Ausnahmen
- stark ab. Erhalt, Wiederherstellung
und Weiterentwicklung der Bebauung
entlang der Vier Wälle sind essentiell
für das Stadtbild.

gROSSStÄdtiSCHE nutzungEn
Die Architektur-Ikonen entlang der
Vier Wälle bieten visuelle Höhepunkte
des Spaziergangs. Der Hauptbahnhof
und das Kaiser-Wilhelm-Museum sind
öffentliche Bauten mit hoher Frequenz.
Auch das Hannah-Arendt-Gymnasium,
die Industrie- und Handelskammer
und die Liebfrauenkirche sind aktiv in
Gebrauch.

Abb. 4.0_33b Stadtreparatur
polizeipräsidium
Das geschlossene Stadtmodell und die
Bebauung entlang der konstituierenden
Fluchtlinien wurden in diesem Gestaltungsvorbild
wiederhergestellt.

Die übrigen schlummernden
Monumentalbauten bedürfen der
Aktivierung für großstädtische, den
Promenadencharakter unterstützende
Funktionen, Kultur und Gastronomie.
Das Hansahaus, die Commerzbank,
die Alte Hauptpost und die
Landeszentralbank stellen ein bisher
ungenutztes Potential dar.
Auch in den Sockelgeschossen der
restlichen Bebauung entlang der
Vier Wälle sind großstädtische, den
Promenadencharakter unterstützende
Funktionen, Kultur und Gastronomie
wünschenswert.

277

4.3.1

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Abb. 4.0_34a und b
Friedrichstraße, heutiger zustand und
mögliche neugestaltung
Die ursprünglichen Fluchtlinien und
Parzellenbreiten sind auf der Friedrichstraße
noch gut erkennbar.
links: heutiger Zustand
rechts: Erhalt des historischen Stadtraums und
Restaurierung der Fassade des Apollokinos.
Multifunktional nutzbare Einrichtung des
öffentlichen Raumes.

KOnStituiEREndE plÄtzE
Zwischen den Plätzen und
Kriegsbrachen innerhalb der Vier Wälle
wurde bisher nicht klar unterschieden.
Um den öffentlichen Raum wieder
deutlich lesbar zu machen und im
Stadtgrundriss zu verorten, bedürfen
auch die konstituierenden Plätze der
Aufmerksamkeit: der mittelalterliche
Schwanenmarkt (Alter Markt),
der barocke Neumarkt und die
Friedrichstraße mit dem Friedrichsplatz
als Beendigung bilden das zentrale
Rückgrat der Stadtstruktur, die sich
ursprünglich entlang der Nord-SüdAchse entwickelt hat.
Die konstituierenden Plätze besitzen
noch ihre ursprüngliche Form. Sie
sind sowohl in ihrer Fläche als in
ihrer Bebauung entsprechend ihrer
Situierung in der mittelalterlichen
Stadtkrone bzw. in der barockklassizistischen Stadtanlage zu
gestalten und weiter zu entwickeln.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

niCHt KOnStituiEREndE
plÄtzE
Erst wenn die Vier Wälle wieder als
Promenade genutzt werden können
und sie sich als großstädtischer
Freiraum bewährt haben, können
die vielen Kriegsbrachen und
sonstige nicht konstituierende Plätze
thematisiert werden. Ihre Anzahl
und Größe sollte reduziert und in
einen thematischen Zusammenhang
gebracht werden.

Individuelle Platzgestaltungen oder
Straßenabschnitte sind nicht als
voneinander getrennte Einzelfälle,
sondern immer auch als Teil eines
zusammenhängenden Ganzen
zu betrachten. Eine hochwertige,
zusammenhängende Gestaltung des
öffentlichen Raums ist individuellen,
aber unzusammenhängenden
Lösungen vorzuziehen.

Als Folge kleiner, offener Räume,
die interessanterweise allesamt
an der barocken Akzisemauer, der
‘Innengrenze’ des Vagedesplans,
liegen, können sie den Bedarf an
intimeren Quartiersplätzen bedienen.
Das Verhältnis zwischen offenem und
bebautem Raum wird damit von der
rein quantitativen auf eine qualitative
Ebene gebracht.

278

4.3.1

RÄuMliCHES lEitbild
ViER WÄllE und plÄtzE

Abb. 4.0_35 Friedrichsplatz

Abb. 4.0_38 Friedrichstraße

Abb. 4.0_36 Schwanenmarkt

Abb. 4.0_39 neumarkt

1. KONSTITUIERENDE PLäTZE

2. ÜBRIGE PLäTZE

3. VIER WäLLE

Abb. 4.0_37

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 4.0_40 bahnhofsvorplatz

279

4.3.2

l+M

RÄuMliCHES lEitbild
StRASSEn und HÄuSER

Für die Wiedereinrichtung und Entwicklung der innenstadt zu
einem dicht bewohnten gebiet wird ein in Maßstab und gestaltung
kohärentes Stadtbild geschaffen. bei der Aufwertung des
öffentlichen Raums und seiner räumlichen Ausformung kann auf der
historischen Substanz aufgebaut werden. dabei sind die folgenden
Aspekte zu beachten:
• Schutz und Wiederherstellung alter Häuser als grundsubstanz der
historischen Stadtstruktur, aktives leerstandsmanagement
b
• bau neuer Stadthäuser in baulücken und auf Kriegsbrachen,
Aufstockungen und Wiederherstellung von Satteldächern, aktives
baulückenmanagement, unterbindung von Spekulation
b
• gestaltung der Straßen für langsamen Verkehr und
Aufenthaltsqualität

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

280

4.3.2

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
StRASSEn und HÄuSER

Abb. 4.0_41 die breite Straße um 1910
Auf der gepflasterten Fahrbahn ist nur ein
einziges Fahrzeug zu sehen, dafür ein
halbes Dutzend spielende Kinder, sowie
Passanten, Bewohner und Geschäftsinhaber.
Der Straßenraum ermöglicht Begegnung und
Kommunikation.

StRASSEn und HÄuSER
Die Straßen der Krefelder Innenstadt
wurden angelegt, um dort möglichst
viele Häuser bauen zu können.
Hier wurde gewohnt, gearbeitet und
gehandelt. Nicht nur die Funktionen
waren feinkörnig gemischt, auch
die sozialen Schichten lebten
in unmittelbarer Nachbarschaft
zueinander. Mietskasernen für ein
Industrieproletariat gab es in Krefeld
– im Gegensatz zu vielen anderen
Städten – nicht.

Abb. 4.0_42 die breite Straße heute
Die asphaltierte Fahrbahn ist dem motorisierten
Individualverkehr vorbehalten. Das Straßenbild
wird von geparkten Autos dominiert. Im
Hintergrund sind ein paar Menschen zu sehen.
Die konstituierenden Fassaden der Stadthäuser
sind zum großen Teil noch erhalten, in ihrer
historischen Ausstrahlung jedoch schwer
beeinträchtigt.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Diese Kleinteiligkeit bedeutet
keinesfalls eine Verringerung der
Urbanität - im Gegenteil. In einer
Stadtstruktur mit individuellen,
kleinmaßstäblichen Einzelhäusern
entsteht eine Reihung verschiedener
Eingänge und Nutzungen direkt an der
Straße. Dies kann in einem lebendigen
Austausch zwischen Innen- und
Außenraum resultieren.
Die vielen Einzelhäuser im Gebiet
sind bis heute der Grundbaustein,
aus dem die Stadt aufgebaut ist. Für

den Erhalt und die Weiterentwicklung
der Innenstadt als attraktivem
Wohnstandort und lebendigem
Stadtkern sind sie von zentraler
Bedeutung.
KultuRgESCHiCHtE AlS
StAndORtFAKtOR
Städte, die noch ein deutlich
erkennbares, kohärentes historisches
Stadtbild besitzen, haben im
postindustriellen Zeitalter einen
klaren Standortvorteil. Die Reihung
von Einzelhäusern stellt auch in
Krefeld eine Bereicherung des
architektonischen Ausdrucks im
Straßenbild dar, vor allem dort, wo
noch alte Häuser vorhanden sind.
Ein großer Teil der zukünftigen
Aufgabe liegt in Erhalt,
Wiederherstellung und Schutz der
noch vorhandenen historischen
Bausubstanz, einschließlich der
sogenannten ‘Schrottimmobilien’,
deren Substanz durch Neubau nicht
zu ersetzen wäre. Die alten Häuser
entlang der Vier Wälle bilden dabei

den repräsentativen Höhepunkt der
Stadtanlage.
diCHtE
Krefeld hatte um 1820 - noch vor dem
Bau der Vier Wälle - etwa 15.000
Einwohner. Die negative Spirale
des Wegzugs einkommensstarker
Bewohner in die Außenbezirke und
der Nachzug sozial schwacherer
Bevölkerungsgruppen begann in der
Krefelder Innenstadt schon um 1870.
Heute wohnen noch etwa 6.600
Menschen im Gebiet der Vier Wälle.
Diese Bevölkerungsdichte von
etwa 4.500 Einwohner/ha ist für ein
urbanes Lebensumfeld zu niedrig.
Durch ein aktives Leerstandsmanagement, die Bebauung von
Baulücken, Kriegsbrachen, sowie die
Wiederherstellung geneigter Dächer ist
das schlummernde Wohnraumpotential
der Innenstadt zu aktivieren.

281

4.3.2

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
StRASSEn und HÄuSER

Abb. 4.0_43a
Stephanstraße heutiger zustand
Eine im Verhältnis zum Gehweg sehr breite,
asphaltierte Fahrbahn bedient Anwohner und
auch Besucher, die mit dem Auto von außerhalb
kommen. Die Bürgersteige sind sehr schmal
bemessen. Die Parkplätze befinden sich auf der
Fahrbahn, wodurch der Abstand zwischen den
Bürgersteigen noch weiter erscheint. Die barockklassizistischen Typenhäuser wurden zum Teil
stark verändert. Anstriche in blassen, kühlen
Farben und Grautönen folgen dem individuellen
Geschmack, verwässern aber die historische
Architektur.

SubuRbAnE lEbEnSWEiSE
Auf die 6.600 Bewohner des Gebietes
innerhalb der Vier Wälle gibt es etwa
5.700 Parkplätze in Parkgaragen und
im öffentlichen Raum. Der allgemeine
Motorisierungsgrad ist in Krefeld
liegt mit fast 590 Fahrzeugen pro
1000 Einwohner leicht über dem
Bundesdurchschnitt. Selbst in den
Wohnstraßen der Innenstadt lässt
die Menge der im öffentlichen Raum
geparkten Autos auf einen eher
suburbanen Lebensstil der Bewohner
schließen. Man ‘fährt’ zum Einkaufen
und man ‘fährt’ zur Arbeit. 94% der
Zeit steht das Fahrzeug allerdings im
öffentlichen Raum.
uMFEld
Die Qualität eines Stadthauses, in
dem Arbeit und Wohnen kombiniert
werden können, wird in der
postindustriellen Gesellschaft wieder
hoch geschätzt, wenn das Umfeld
stimmt. Die Aufenthaltsqualität des
öffentlichen Raums spielt dabei eine
entscheidende Rolle. Wo man gerne
zu Fuß geht oder mit dem Rad fährt,

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

bietet sich Gelegenheit zu Kontakt mit
anderen Bewohnern und Besuchern
der Stadt. Wo Kinder auf der Straße
spielen können und Nachbarn
einander kennen, entsteht ein anderes
Lebensgefühl und mehr soziale
Kontrolle.

historische Stadtstruktur einfügen.
Beim Neubau sind eine hohe
Frequenz von Eingängen an der
Straße und die flexible Nutzbarkeit
des Sockelgeschosses und eine
entsprechende Geschosshöhe des
Erdgeschosses erforderlich.

In Zeiten virtueller
Kommunikationsmittel und Netzwerke
werden Begegnung und Nachbarschaft
wieder wichtig. Die urbane Dichte und
räumliche Nähe zur Nachbarschaft,
die funktionale Vielfalt mit individuellen
Dienstleistungen, kulturellen und
gastronomischen Angeboten ist nicht
nur für Einpersonenhaushalte attraktiv.
Die Stadt der kurzen Wege bietet auch
jungen Familien neue Möglichkeiten.

Im mittelalterlichen Stadtkern ist das
Wohnen und Arbeiten oberhalb von
Geschäften ein wichtiges Thema,
wenn der heute fast ausschließlich
dem Einzelhandel gewidmete Raum
langfristig wieder belebt werden soll.
Hier ist die Aufstockung der ein- und
zweigeschossigen Geschäftshäuser
zentrales Thema, sowie die Aktivierung
der Quer- und Parallelgassen als
vollwertiger öffentlicher Raum. Entlang
der Vier Wälle besteht vor allem im
Nordosten Potential für den Neubau
von Stadthäusern.

ERHAltEn und EntWiCKEln
Zur Weiterentwicklung der
historischen Stadtstruktur ist ein
hohes Flächenpotential anwesend zur
Aufstockung ein- oder zweistöckiger
Bebauung, sowie zur Schließung
der zahlreichen Baulücken durch
neue Stadthäuser, die sich in die

Abb. 4.0_43b
Stephanstraße, mögliche neugestaltung
Die Pflasterung ist auf die Aufenthaltsqualität
ausgerichtet und formt von Hauswand zu
Hauswand eine Einheit. Der Autoverkehr ist zu
Gast. Die Fahrbahn ist auf ihre minimale Breite
beschränkt und verlangsamt dadurch nicht nur
den motorisierten Verkehr, sondern verringert
auch den Abstand zwischen den Bürgersteigen.
Es entsteht mehr Raum für Fußgänger und
Stadtgrün. Ein gepflasterter Streifen entlang der
Hauswand wird von Bewohnern zur Begrünung
genutzt. Die Fassaden sind denkmalgerecht
wiederhergestellt und nach Farbkonzept
gestrichen und bieten etwas für das Auge.
Langfristig ist eine weitere Reduzierung
der Parkplätze im öffentlichen Raum
wünschenswert.

282

4.3.2

RÄuMliCHES lEitbild
StRASSEn und HÄuSER

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

Vorbilder für Wohnstraßen
Wohnstraßen mit Aufenthaltsqualität bilden die
Grundvoraussetzung für attraktives Wohnen in
der Innenstadt. Der langsame Verkehr hat dabei
Vorrang, das Auto ist zu Gast. Dementsprechend
ist die Fahrbahn schmal, die Bürgersteige breit.
Die Pflasterung entspricht im Detailgrad der
langsamen Fortbewegung.
Der Streifen unmittelbar vor dem Haus
kann von Bewohnern genutzt werden, z.B.
für eine Bank vor dem Haus, Blumen und
Kletterpflanzen. Die Parkplätze sind aufgelockert
mit Fahrradabstellplätzen und Bäumen. Die
Baumspiegel in Abb. 45 wurden von den
Bewohnern zusätzlich mit Stauden bepflanzt.

Abb. 4.0_44 (oben links)
Leeuwenveld Weesp
Entwurf: LEVS architecten, Amsterdam
Abb. 4.0_45 (oben mitte)
Tuinbouwstraat, Groningen
Entwurf: Stadt Groningen
Abb. 4.0_46 (oben rechts)
Rue Cremieux, Paris
Abb. 4.0_47 (unten links)
Wohnstraße in Amsterdam
Abb. 4.0_48 (unten rechts)
Temporäre Straßensperrung in Gent

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

283

4.3.3

l+M

RÄuMliCHES lEitbild
StAdtKROnE

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

der mittelalterliche Stadtkern wird räumlich weiter entwickelt durch
neue nutzungen oberhalb der geschäfte. Eine architektonisch
hochwertige, ansprechende Silhouette in Kombination mit neuen
Nutzungen auf der zweiten Ebene verleiht der Stadtkrone Profil,
qualität und lebendigkeit. Schaufenster sind hochwertiger
bestandteil der einzelnen Hausfassaden.
• architektonisch hochwertige Aufstockung der gebäude, keine
Flachdächer
d
• architektonisch hochwertige und klar profilierte Gestaltung von
Schaufenstern als teil des Sockelgeschosses einer Hausfassade
d
• belebung durch neue nutzungen in der neuerschlossenen oberen
Ebene

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

284

4.3.3

Abb. 4.0_49a
Hochstraße, heutiger zustand
Seit dem Wiederaufbau fand eine
starke Verflachung statt, sowohl in
der Straßensilhouette, als auch in der
Fassadengestaltung. Schaufenster sind nicht
als Teil der Hausfassade gestaltet sondern
stellen ein großes Loch dar. Die Hausfassaden
‘schweben’ darüber und sind durch Vordächer
vom Sockelgeschoss getrennt.

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
StAdtKROnE

StAdtHERz
Die mittelalterliche Urzelle der Stadt
unterscheidet sich deutlich von der sie
umgebenden barock-klassizistischen
Rasterstadt. Die historischen
Fluchtlinien und die Parzellenstruktur
sind hier bis heute zum großen Teil
erhalten geblieben.
Für Krefeld hat das Gebiet einen
hohen kulturhistorischen Wert als
Ursprung der Stadt. Hier gab es zwar
schon vor der Kriegszerstörung keine
mittelalterlichen Fassaden mehr, dafür
aber eine große Vielfalt besonderer
Bauten aus der Gründerzeit und der
Zwischenkriegszeit. Diese Architektur
- Ikonen gehören zum Charakter
der Hochstraße im mittelalterlichen
Stadtkern.
VERFlACHung
Die in ihrer Form deutlich abweichende
mittelalterliche Urzelle der Stadt
könnte man wegen ihrer individuellen,
besonderen Bauten, mit einer Prise
Ironie die ‘Stadtkrone’ nennen, auch
wenn vieler ‘Zacken’ (Dächer, Giebel,

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Erker, Türmchen, etc.) verloren
gegangen sind. Seit dem Zweiten
Weltkrieg hat ein dramatischer
Verflachungsprozess auf mehreren
Ebenen eingesetzt. Dieser besteht
zum einen in einer immer flacheren
Fassadenarchitektur, in der sich
das Schaufenster auf Kosten der
Hauseinheit zu einer spiegelnden
Fläche zu verselbständigen droht.
Zum anderen fehlen die
Obergeschosse und Dächer, denn
hier wird nur geshoppt, nicht aber
gewohnt. Die einst so ausdrucksstarke
Dachlandschaft des Stadtkerns ist
heute stark verflacht und vereinzelte
Aufstockungen sind im Allgemeinen
schlecht entworfen.
dACHlAndSCHAFt
Die Wiederherstellung einer
ausdrucksstarken Dachlandschaft
kann dem mittelalterlichen
Stadtkern wieder historische Tiefe
und Lesbarkeit zurückgeben.
Darüber hinaus verleiht eine höhere
Bebauung im mittelalterlichen

Stadtraum die notwendige räumliche
Geschlossenheit, Intimität und
Urbanität. Mit neuen ‘Zacken’ bekommt
der Stadtraum wieder Profil, ob
mittelalterlich, gründerzeitlich oder
zeitgenössisch.
SCHAuFEnStER
Die ursprünglich verfeinerten und
als architektonische Schmuckstücke
gestalteten Schaufenster wurden
seit den 60er Jahren mit wenigen
Ausnahmen ausgetauscht durch flache
Abstraktionen.

Abb. 4.0_49b
Hochstraße, mögliche neugestaltung
Der Stadtraum erhält neues Profil durch
Aufstockung der Bebauung und expressive
Dachformen. Klar und plastisch profilierte
Schaufenster sind gestaltet als Bestandteil der
Gesamtfassade.

Abb. 4.0_50
Hochstraße um 1920

Das Schaufenster ist in dieser
Entwicklung kein Gegenstand
architektonischer Verfeinerung mehr,
wodurch der Qualität des öffentlichen
Raums stark zugesetzt wird und
zudem die Logik der individuellen
Einzelhäuser nicht mehr deutlich
ablesbar ist. Zumeist ‘schwebt’
das Einzelhaus oberhalb eines
großen Lochs. Die Straßenwände
werden dadurch flach, einförmig und

285

4.3.3

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

RÄuMliCHES lEitbild
StAdtKROnE

großmaßstäblich.
nutzungSMiSCHung
Heute besteht die Nutzung der
Gebäude im mittelalterlichen Stadtkern
fast ausschließlich aus Einzelhandel.
Die Geschäfte sind überwiegend
Filialen großer Ketten. Gewohnt wird
hier kaum. Wenn die Fußgängerzone
nach Geschäftsschluss keine
Geisterstadt sein soll, dann bedarf sie
neuer Nutzungen.
Oberhalb der Geschäfte könnten nicht
nur neue Wohnungen entstehen,
sondern neue Arbeitswelten,
Coworking spaces, Werkstätten,
Restaurants, Hotels. Es geht darum,
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

sich mit neuen Nutzungsmischungen
auch in der Höhe zu profilieren und vor
allem keine Flachdächer mehr in der
Innenstadt zu bauen.
Diese neuen Nutzungen könnten
auch von der Rückseite oder den
Quergassen aus erschlossen werden,
die auf diese Weise eine neue
Wertigkeit im Stadtraum erhalten.

Abb. 4.0_51-53
Auch gewächshäuser können neue
‘Zacken’ in der Stadtkrone bilden
oben links: restaurant De Kas, Amsterdam,
Studio Piet Boon
unten links und mitte: JOOLZ Online,
Amsterdam, Space Encounters

Abb. 4.0_54
schematische darstellung des
baublocks zwischen Angerhausen- und
Evangelische-Kirch-Straße
Erschließung neuer Nutzungen über die
Quergassen und Terrassen

286

ARCHitEKtuR
Die Qualität der Architektur im
Einzelhandelskern der Stadt sollte
im Allgemeinen von hohem Niveau
sein und sorgfältig materialisiert und
detailliert werden. Dies gilt für die
einzelnen Schaufenster ebenso wie für
die Hausfassaden, die sich zu einer
reizvollen Kulisse fügen sollen.
Der Trend zur Verflachung in Höhe,
Dachform und Fassadengestaltung
soll gestoppt und dem damit
einhergehenden Qualitätsverlust des
öffentlichen Raumes entgegen gewirkt
werden.

Abb. 4.0_55, 56
Referenzbilder zur Architektur:
Hochwertige Architektur, die sich auf die
historische Situation bezieht, liefert einen Beitrag
zu einer attraktiven Stadtsilhouette. In den
Obergeschossen wird gewohnt und gearbeitet.
oben links: Kleine Rittergasse 11, Frankfurt/
Main, Franken Architekten
unten links: Steenweg, Utrecht, Diederendirrix

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Abb. 4.0_57, 58
Architektur-ikonen:
oben: Arket, Amsterdam mit feingliedrigen
Fensterprofilen, Holztüren, Werbung in
Einzelbuchstaben, Sonnenschutz im Fassadenraster
links unten: ‘Grüterich’ Krefeld mit flachen
Fensterprofilen und rahmenlosen Glastüren. Das
klobige Vordach und Reklametafel verdeckt die
historische Architektur

Die denkmalgerechte
Wiederherstellung der ArchitekturIkonen ist für die Ausstrahlung der
‘Altstadt’ eine Notwendigkeit. Auch
wenn diese identitätsstiftenden Bauten
zum Teil stark überformt wurden, liegt
hier ein bisher ungenutztes kulturelles
Potential, um das kommerzielle Herz
der Stadt nachhaltig aufzuwerten.

287

4.3.4

l+M

RÄuMliCHES lEitbild
diSSOnAntEn

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

An den Standorten, die so stark transformiert wurden, dass sie nicht mehr
ihrem jeweiligen räumlichen System entsprechen, sondern einer eigenen
logik folgen, soll überprüft werden, ob die historische Stadtstruktur
wiederhergestellt werden kann. dazu wird die folgende Arbeitsmethodik
angewendet:
• dissonanten sind anhand der dafür aufgestellten Kriterien zu
bewerten.
• bei positiver bewertung (siehe Kriterien bewertung l+M) besitzt
die transformation einen städtebaulich-kulturhistorischen Wert
im Sinne eines städtebaulichen ‘Stilzimmers’ und soll als solches
erhalten werden.
• bei neutraler oder negativer bewertung ist mittels einer SWOtAnalyse zu untersuchen, inwiefern die Wiederherstellung der
historischen Stadtstruktur langfristig möglich und sinnvoll wäre,
und wie genau diese aussehen könnte
• die Wiederherstellung des historischen Stadtgrundrisses hat
priorität

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

288

4.3.4

RÄuMliCHES lEitbild
diSSOnAntEn - StilziMMER

4.3 RÄuMliCHES lEitbild

Standorte, die in ihrem räumlichen Aufbau deutlich von den
grundprinzipien des räumlichen Systems abweichen, in dem
sie sich befinden, können positiv bewertet und erhalten werden
als ‘Stilzimmer’. Andernfalls soll überprüft werden, ob und wie
der historische Stadtgrundriss wiederhergestellt werden kann.

StilziMMER OdER
StAdtREpARAtuR?
In Schritt 2 - Abgleich wurden 27
Standorte identifiziert, die nicht mehr
in den drei zuvor beschriebenen
räumlichen Systemen einzuordnen
sind, sondern ihrer eigenen Logik
folgen.
In Schritt 3 - Bewertung wurde
exemplarisch aufgezeigt, wie der
kulturhistorisch - städtebauliche Wert
dieser Standorte ermittelt werden
kann. Daraus ergibt sich, ob es sich
bei den Standorten um erhaltenswerte
städtebauliche ‘Stilzimmer’ handelt,
im Sinne eines Ensembles aus einer
bestimmten Transformationsschicht.
Ist dies der Fall, so wird ein Standort
positiv bewertet.

erfasst. Anschließend wurden
die Möglichkeiten (opportunities)
und Bedrohungen (threats) einer
Rückbesinnung auf historische
Strukturen inventarisiert.
In Schritt 5 - Handlungsempfehlungen
Abschnitt 5.6 wird diese
Arbeitsmethodik näher umschrieben.
Anhand von Gestaltungsvorbildern
wird beispielhaft gezeigt, wie die
Stadtstruktur an den ausgewählten
Standorten entsprechend den
Kernmerkmale der drei räumlichen
Systeme wiederhergestellt werden
könnte.

Abb. 4.0_59a und 59b Haltestelle Ostwall/
Rheinstraße
Stilzimmer der ersten nachkriegsmoderne
Im ersten Wiederaufbauplan wurde der Ostwall
als Knotenpunkt des öffentlichen Verkehrs
verbreitert. Der Standort kann positiv bewertet
werden, da es sich um ein klar ablesbares
Ensemble der 50er Jahre handelt, das auch
den Prinzipien des geschlossenen Stadtmodells
entspricht. Die Bebauung der ersten
Nachkriegsmoderne blieb zum Teil erhalten und
ist von hoher architektonischer Qualität.

Ist dies nicht der Fall, kann mittels
einer SWOT-Analyse untersucht
werden, inwiefern eine Reparatur der
historischen Stadtstruktur möglich
und sinnvoll wäre. Dabei wurden in
Schritt 3 exemplarisch zunächst die
Stärken (strengths) und Schwächen
(weaknesses) der heutigen Situation
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

289

4.3.4

RÄuMliCHES lEitbild
diSSOnAntEn - StAdtREpARAtuR

Abb. 4.0_60a theaterplatz
dissonant
Die westliche Bauflucht des Ostwalls wurde
mit dem Bau des Seidenweberhauses
aufgebrochen. Die ursprünglich geplante
Blockrandbebauung entlang des Ostwalls
wurde nie ausgeführt. Die Wiederherstellung
des historischen Stadtgrundrisses wurde für
diesen Standort mittels einer SWOT-Analyse
untersucht.

Abb. 4.0_60b theaterplatz
Stadtreparatur
Die 1949 verschobene nördliche Bauflucht
der Sankt-Anton-Straße kann nicht mehr
ohne weiteres korrigiert werden. In diesem
Gestaltungsvorbild wurde darum die
Fluchtlinie von 1949 aufgenommen. Die
konstituierende Fluchtlinie am Ostwall wurde
wiederhergestellt, ebenso wie die Promenade
über den Mittelstreifen. Autos können diese im
Schrittempo queren.

gESCHlOSSEnES
StAdtMOdEll HAt pRiORitÄt
Die Krefelder Innenstadt besitzt
eine kulturhistorisch - städtebaulich
wertvolle und einzigartige
Stadtstruktur. Wo sie beeinträchtigt
wurde, die Transformation aber
nicht zu einem neuen, positiv
zu bewertenden Ensemble bzw.
‘Stilzimmer’ geführt hat, hat die
Wiederherstellung der historischen
Stadtstruktur Priorität.
Die kulturhistorisch - städtebaulichen
Werte und Aspekte, die bei dieser
Abwägung relevant sind, werden in
Schritt 5 - Handlungsempfehlungen
Abschnitt 5.6.1 behandelt.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

290

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

S

4.4.1 KOnStituiEREndE bEbAuung

S.292

4.4.2 ARCHitEKtuR-iKOnEn

S.296

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

291

4.4.1

S

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
KOnStituiEREndE bEbAuung

Häuser bilden im wahrsten Sinne des Wortes die identitätsstiftende
grundsubstanz des historischen Stadtgrundrisses.
• der spezifische Charakter alter Häuser ist durch neubauten
nicht zu ersetzen. Mit Aufmerksamkeit und zuwendung werden
‘Schrottimmobilien’ zu identitätsstiftender Altbausubstanz.
• die gliederung der Fassaden ist als Entwurfsaufgabe zu verstehen
mit dem ziel, den öffentlichen Raum zu gestalten. Jede Hausfassade
ist immer auch teil einer Straßenwand.
• bindende gestaltungsregeln sind notwendig, um wieder
zusammenhang und Kohärenz in das Straßenbild zu bringen. Sie
bieten die garantie dafür, dass das gebiet als ganzes aufgewertet
wird und dass es sich lohnt, in das gebiet zu investieren.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

292

4.4.1

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
KOnStituiEREndE bEbAuung
Häuser bilden im wahrsten Sinne des Wortes die
identitätsstiftende grundsubstanz des historischen
Stadtgrundrisses. Der spezifische Charakter alter Häuser ist
durch neubauten nicht zu ersetzen.

Abb. 4.0_61-64 (von links nach rechts)
konstituierende bebauung
Barock: Haus Floh, Friedrichstraße 27
Neoklassizismus: Westwall 150
Neuinterpretation des Barock am Neumarkt
erste Nachkriegsmoderne: Ostwall / Ecke Marktstraße

KOnStituiEREndE bEbAuung
Alte Häuser bilden im wahrsten
Sinne des Wortes die Grundsubstanz
des historischen Stadtgrundrisses.
Ihr spezifischer Charakter ist durch
Neubauten nicht zu ersetzen. In
der Krefelder Innenstadt fällt auf,
dass die historische Bausubstanz in
vielen Fällen bis zur Unkenntlichkeit
verfremdet und zum Teil verfallen ist.
Gleichzeitig ist an Häusern, die
liebevoll restauriert wurden, gut
erkennbar, was es für das Stadtbild
bedeuten könnte, alte Häuser
unabhängig von ihrem individuellen
Denkmalwert wieder herauszuputzen.

gens,1777

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

Abb. 4.0_65

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

gEStAltung
Dazu gehören auch baukonstruktive
Details für die fachgerechte
Restaurierung bzw. Ertüchtigung
alter Fenster und Türen, Sockel und
Dachgesimse, sowie passende Details
für neue Fenster und Türen. Auch
die Material- und Farbpalette für die
Innenstadt ist konkreter zu definieren.
Dabei ist zu beachten, dass das Gebiet
der Vier Wälle barock-klassizistischen
Ursprungs ist, und sich damit auch
architektonisch von den Quartieren der
Gründerzeit unterscheidet.
Die Basisprinzipien von
Farbkombinationen zwischen Fläche
und aufgelegtem Ornament werden
in den Handlungsempfehlungen
verständlich erläutert. Gestaltung,
Material und Farbe des
Sockelgeschosses verdienen dabei
als direkter Vermittler zwischen
öffentlichem und privatem Raum
besondere Aufmerksamkeit.
Die Fassaden sind dabei nicht rein
funktionalistisch ‘von innen nach

außen’ zu entwerfen, sondern
sind ausdrücklich als Teil des
öffentlichen Raumes aufzufassen.
Die Fassadengliederung in einem
mehrschichtigen Relief, das dem
Fußgänger ein reizvolles Bild bietet,
kann aus den Grundprinzipien der
konstituierenden Architektur abgeleitet
werden (s. Schritt 2 - Abgleich).
Die Architektur des Wiederaufbaus
ist in Krefeld zum Teil zwar eher
schlicht, in vielen Fällen aber
auch überraschend luftig und
raffiniert gestaltet und fügt sich wie
selbstverständlich in die Straßenwände
ein. Neue Architektur innerhalb der
Vier Wälle kann im Spannungsfeld
zwischen den Polen, einer reduziert
klassizistischen und einer luftigeren,
verfeinerten Wiederaufbauarchitektur
entstehen, wobei der Zusammenhang
im Straßenbild immer Ausgangspunkt
für den indivuellen Entwurf sein muss.

das Stadtbild bedeutet, erfordert eine
offene Debatte. Wo soll in Zukunft die
Grenze gezogen werden zwischen
Schönheit und Langeweile? Anders
gesagt: wieviel ‘Wir’ braucht die die
Innenstadt, und wieviel individuelle
‘Selbstverwirklichung’ der Eigentümer
und Architekten kann sie aushalten?
Klare Gestaltungsregeln sind dabei
nicht nur als Einschränkung zu sehen.
Sie bieten die Garantie für private
und institutionelle Investoren, dass
das Gebiet als Ganzes aufgewertet
wird - und dass eine ‘Schrottimmobilie’
von heute die identitätsstiftende
Altbausubstanz von morgen ist.

Wie weit die Gestaltungskriterien
für eine Satzung ausdifferenziert
werden müssen, und was dies für
293

4.4.1

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
KOnStituiEREndE bEbAuung
bindende gestaltungsregeln sind notwendig, um wieder
zusammenhang - und Kohärenz in das Straßenbild zu bringen. Sie
bieten die garantie dafür, dass das gebiet als ganzes aufgewertet
wird und dass es sich lohnt, in das gebiet zu investieren.
Mit Aufmerksamkeit und Zuwendung werden ‘Schrottimmobilien’
zu identitätsstiftender Altbausubstanz.

Abb. 4.0_66 breite Straße
Beim Workshop ‘Identität und Stadtbild’ wurde
unter anderem die Breite Straße behandelt,
wo noch überraschend viel historische
Bausubstanz vorhanden ist. Die Teilnehmer
waren sich darüber einig, dass hier bindende
Gestaltungsregeln notwendig sind, um
mehr Zusammenhang und Kohärenz in das
Straßenbild zu bringen.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

oben: mögliche neue Situation mit nach
Gestaltungskriterien wiederhergestellten
Häusern, Anstrichen, Aufstockungen und
Wiederherstellung der Sockelgeschosse.
unten: heutige Situation mit Baulücken,
fehlenden Satteldächern, Farben- und
Formenkakophonie der Fassaden.

294

4.4.1
KlASSiziSMuS

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
KOnStituiEREndE
bEbAuung WiEdERAuFbAu 50ER
gRÜndERzEit
nS zEit

Abb. 4.0_67 traufgesimse
links: Ausbildung des Traufgesimses als
Bekrönung des architektonischen Aufbaus und
als vertikale Beendigung des Straßenraums
rechts: glatte, abstrakte Ausbildung des
Dachrandes ohne Traufgesims.

Abb. 4.0_68 Fenster
links: Akzentuierung der Fensteröffnungen durch
Faschierungen in Putz, Natur- oder Kunststein,
integral mit der Fensterbank entworfen. Die
Fenster liegen vertieft in der massiv und weich
ausgebildeten Putzfassade und bilden mit ihrer
Umrandung ein Relief oder aufgelegtes Raster,
das einen Schattenwurf erzeugt.
rechts: Die Fenster sind bündig in die harte
Plattenbekleidung der Fassade integriert.

Abb. 4.0_69 Sockel
links: der geschosshohe Sockel vermittelt
zwischen Straße und Gebäude, sowohl in
körperlicher als auch in visueller Hinsicht,
und manchmal auch im Sinne einer größeren
Durchlässigkeit. Durch kräftig rustizierte
Putzflächen oder Natur- bzw. Kunststein
und tief liegende Öffnungen wird die massiv
ausgebildete Fassade plastisch durchgebildet.
rechts: Die Fassade steht ohne Sockel direkt auf
der Straße.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

295

4.4.2

S

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
ARCHitEKtuR-iKOnEn

die noch vorhandenen gebäude aus den transformationsschichten, die
nicht die Merkmale der konstituierenden bebauung besitzen, aber von hoher
architektonischer qualität sind, sollen als Architektur-ikonen herausgeputzt
werden.
d
• die prachtvollen Kaufhäuser der Kaiser- und zwischenkriegszeit verleihen
der mittelalterlichen Stadtkrone großstädtisches Flair und Allüre.
D
• die repräsentativen bauten entlang der Vier Wälle setzen monumentale
Akzente.
D
• Die raffinierten Fassaden der Architektur-Ikonen können Impulse geben für
den Entwurf von großbauten innerhalb der feinkörnigen Stadtstruktur.
•d
• der architektonische Reichtum verleiht der innenstadt stadt(bau)kulturelles
Profil.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

296

4.4.2

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
ARCHitEKtuR-iKOnEn
ikonische bauten sind wichtige
Identifikationspunkte der
Stadtgesellschaft.

ARCHitEKtuR-iKOnEn
Viele architektonisch bemerkenswerte
Gebäude der Innenstadt stammen aus
der Kaiser- und Zwischenkriegszeit,
in der Krefeld sich zur Groß- bzw.
Industriestadt wandelte. Die hohe
Qualität der Architektur und das
großstädtische Lebensgefühl, das sie
hervorrief, spielen bis heute eine Rolle
für das Selbstverständnis der Krefelder
Bürger.
Die Architektur der Europäischen
Stadt war bis ins erste Viertel des
20. Jahrhunderts als Kulisse für
den öffentlichen Raum entworfen.
Die architektonische Gliederung
der Fassaden trug der langsamen
Fortbewegung ihrer Betrachter
Rechnung und bot ihnen ein
facettenreiches und reizvolles Bild.
ÖFFEntliCHE bAutEn
An der Außenseite der Vier Wälle
entstanden seit der Kaiserzeit
zahlreiche öffentliche Bauten. Sie
bilden monumentale Akzente im
ebenmäßigen Bild des Wallgevierts.
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Die Türme der katholischen
Pfarrkirchen Liebfrauen und St.
Stephan und des Hauptbahnhofs
bereichern bis heute das Stadtbild.
Auch das Kaiser-Wilhelm-Museum,
der Nordflügel des Rathauses und das
heutige Hannah-Ahrendt-Gymnasium
haben ihre ursprüngliche, öffentliche
Funktion in der Stadt behalten.
Andere Prachtbauten aus derselben
Zeit, wie das Hansahaus, die
ehemalige Deutsche Bank,
Hauptpost und die alte Reichsbank
bereichern zwar das Stadtbild zwar
architektonisch, haben heute aber
keine öffentliche Funktion mehr.
Sie stellen langfristig Potentialprojekte
dar für großstädtische Funktionen mit
deutlichem Bezug auf die Vier Wälle.
KAuFHÄuSER
Im Stadtkern bildete sich der Handel
als funktionaler Schwerpunkt
heraus. Hier entstanden neue
Gebäudetypologien wie Kaufhäuser
und Kinos auf den schmalen und

oft tiefen Parzellen, die für die
mittelalterliche Stadtkrone und auch
für die barocken Stadterweiterungen
so typisch waren. Manchmal wurden
mehrere historische Parzellen
zusammengefügt. Die Architektur der
frühen Kauf- und Warenhäuser war für
ihre Zeit spektakulär. Neue Materialien
wie Stahl und Glas und neue
architektonische Formen verliehen den
Straßen großstädtisches Flair.
Die architektonische Gestaltung
der Fassaden hatte nicht nur die
Aufgabe, Kunden anzulocken und die
Qualität der angepriesenen Waren
herauszustellen, sie bezog sich - wie
die konstituierende Architektur - auf
den öffentlichen Raum. Auch wenn die
neuen Prestigebauten den Maßstab
der konstituierenden Bebauung
sprengten, so blieben sie doch
ihren klassischen Grundprinzipien
verpflichtet: der dreiteilige Aufbau
in Sockel, Mittelbau und Gesims
ist hier ebenso abzulesen wie das
gerasterte, mehrschichtige Relief der
Fassadengliederung.

MOdERnE ARCHitEKtuRiKOnEn
In der Zeit des Wiederaufbaus
entstanden vor allem am Ostwall
und in der Rheinstraße eine Reihe
von Bauten hoher Qualität, die
zwar von den Kernmerkmalen der
historischen Stadtstruktur abweichen,
deren Architektur aber dennoch
eine Bereicherung des Stadtbildes
darstellt. Der Südflügel und der
Ausbau des historischen Rathauses
von Hans Volger und das Foyer des
Stadttheaters von Graubner sind dabei
allen voran zu nennen.

Abb. 4.0_70, 71
identifikationsobjekte einer Stadt
Postkarten sagen etwas darüber aus, worauf
eine Stadt stolz ist. In Krefeld waren es um
1900 die Vier Wälle als großstädtische, grüne
Promenaden zum Flanieren, mit Denkmälern
und monumentalen öffentlichen Gebäuden.
Um 1970 war es die dynamische, autogerechte
Metropole mit skulptural im Stadtraum
platzierten, modernen Großbauten. Mit
Ausnahme des Stadttheaters wurden alle hier
abgebildeten Fassaden durch Sanierungen
schwer beeinträchtigt.

297

4.4.2

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
ARCHitEKtuR-iKOnEn
die prachtvollen Kaufhäuser der Kaiser- und
zwischenkriegszeit können der mittelalterlichen Stadtkrone
großstädtisches Flair und Allüre verleihen.

e
straß
Rhein
1
6
1. Hochstrasse 130

6. Hochstrasse 127

An

ge

rh
au

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tra

ße

Hochstr

2
2. Hochstrasse 102

7. Hochstrasse 85

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-Kirch
4. Hochstrasse 64

3. Hochstrasse 90

er
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a
tz
rch
Pla en Ki
Alt

4
5

5. Hochstrasse 61
Abb. 4.0_72 Architektur-ikonen
Übersicht der noch erhaltenen Architektur-Ikonen
in der Stadtkrone. Bis auf zwei Ausnahmen
(das Schirmhaus Schnitzler und die heutige
Buchhandlung Thalia) steht keines der gezeigten
Objekte unter Denkmalschutz. Zum Teil wurde
die Architektur durch ‘Renovierungen’ schwer
beeinträchtigt. Schutz und Wiederherstellung
dieser Gebäude sind unentbehrlich für ein
reiches architektonisches Bild.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

298

4.4.2

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
ARCHitEKtuR-iKOnEn

Abb. 4.0_75
J. Stern & Co. um 1920
Das Sockelgeschoss steht mit Natursteinpfeilern
fest auf dem Boden, die Schaufenster des
Erdgeschosses sind feingliedrig profiliert, die
Reklame ist hochwertig in Einzelbuchstaben
in die Architektur integriert. Dach und
Gauben verleihen der Architektur auch auf
städtebaulicher Ebene Profil.

bAuKultuREllER REiCHtuM
Heute hat sich die architektonische
Qualität vor allem der
kommerziell genutzten Gebäude
aufgrund von Abnutzung und
aufeinanderfolgenden kleinen und
großen ‘Renovierungsarbeiten’ stark
verschlechtert. Aus dem Umgang
mit diesen Objekten spricht wenig
Beachtung für die spezifischen
Stilmerkmale der Architektur und ihre
Bedeutung für die räumliche Qualität
des Stadtbildes.

Abb. 4.0_74-75 (oben)
Krefelder Architektur-ikonen
links Gebrüder Kaufmann (nicht erhalten) und
Seidel (heute Kult), rechts das Kaiser-Panorama
Abb. 4.0_77 (unten)
Erdgeschoss an der Friedrichstraße mit
Caféhaus, im rechten Bildrand das bis heute
erhaltene, wenn auch stark in Mitleidenschaft
gezogene Apollokino.

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

Diese Gleichgültigkeit kann nicht
darüber hinwegtäuschen, dass es sich
um Immobilien mit Seltenheitswert
handelt, bzw. um Gebäude, die für
viele Krefelder über einen langen
Zeitraum hinweg das Stadtbild geprägt
haben. Durch ihre architektonischen
Qualitäten bilden sie nach wie
vor historische Eckpfeiler für das
kommerzielle Stadtherz. Vor allem die
verfeinert gegliederten, handwerklich
soliden Fassaden, und auch noch
vereinzelte Interieurs tragen zu dieser
Qualität bei.

Die Architektur-Ikonen sind die
historischen Schlüsselprojekte, mit
denen das Einzelhandelszentrum
über die Mittelmäßigkeit und
Austauschbarkeit vieler Innenstädte
hinauswachsen kann.
Der kulturhistorische Wert der
mittelalterlichen Stadtstruktur und die
Qualität der Bebauung aus der Zeit,
in der Krefeld eine Großstadt wurde,
verleiht dem Stadtkern einen hohen
Erlebniswert. In ihrer Kombination
sind sie identitätsstiftend und stellen
für ein Einzelhandelsgebiet im postindustriellen Zeitalter ein wichtiges
Alleinstellungsmerkmal dar.

Abb. 4.0_76
J. Stern & Co., heute grüterich
Die flache, horizontale Gestaltung des
Sockelgeschosses lässt die Obergeschosse
‘schweben’. Die flachen Fensterprofile, das
klobige Vordach und Reklamepaneel wirken sich
negativ auf das architektonische Gesamtbild und
damit auf das Stadtbild aus. Auch fehlt heute das
für den Stadtraum so wichtige Dach.

Die denkmalgerechte
Wiederherstellung der ArchitekturIkonen ist für die Ausstrahlung der
‘Altstadt’ zwingend erforderlich.
Auch wenn ihnen zum Teil übel
mitgespielt wurde, hier liegt ein bisher
ungenutztes kulturelles Potential.
Durch die historisch korrekte und
sensible Restaurierung der ArchitekturIkonen und die Wiederherstellung
architektonisch gegliederter
Schaufenster könnte das Stadtbild
nachhaltig aufgewertet werden
und langfristig hochwertigeren
Einzelhandel anziehen.

Die Qualität der Architektur im
Einzelhandelskern der Stadt sollte
im Allgemeinen von hohem Niveau
sein und sorgfältig materialisiert und
detailliert werden. Der Trend zur
Verflachung in Höhe, Dachform und
Fassadengestaltung soll gestoppt
und dem damit einhergehenden
Qualitätsverlust des öffentlichen
Raumes entgegen gewirkt werden.
299

4.4.2

4.4 ARCHitEKtOniSCHES
lEitbild

ARCHitEKtOniSCHES lEitbild
ARCHitEKtuR-iKOnEn
die stark gegliederten Fassaden der Architektur-ikonen
können impulse geben für den Fassadentwurf von großbauten
innerhalb der feinkörnigen Stadtstruktur. Vor allem die das
Sockelgeschoss und seine Verbindung zum öffentlichen Raum
verdient erhöhte Aufmerksamkeit.

Abb. 4.0_78
Ostwall Ecke Sankt-Anton-Straße um 1920
Das ‘Grand Hotel Crefelder Hof’ in wuchtigem
Neoklassizismus. Das Sockelgeschoss
besitzt mehrere Eingänge. Der Mittelbau ist
mehrschichtig gegliedert. Die lange Fassade ist
in mehrere Abschnitte unterteilt, die wiederum in
sich selbst schlüssig gegliedert sind.

Abb. 4.0_79
Ostwall Ecke Sankt-Anton-Straße um 1970
Das Krefelder Horten-Haus war bei seiner
Fertigstellung eines der modernsten
Warenhäuser Deutschlands. Die komplett
geschlossene Fassade mit den ikonischen
Horten-Kacheln ‘schwebt’ als skulpturale,
autonome Großform über den zurückliegenden
Schaufenstern. Es gibt zwei Eingänge an den
Ecken des Gebäudes.

ARCHitEKtuR-iKOnEn AlS
VORbild FÜR pROblEMAtiSCHE
gROSSbAutEn
Seit den 60’er Jahren des 20.
Jahrhunderts beschleunigte sich
die Tendenz zur Zusammenlegung
von Hausparzellen und zur
Maßstabsvergrößerung der
Bauvolumen. Die resultierenden
monofunktionalen Großbauten
wurden jetzt als autonome Objekte
freiplastisch in den Stadtraum
gestellt. Ihre Größe und die - für die
Erfahrung aus dem Auto konzipierten
- abstrakten, glatten Fassaden
entsprachen dem neuen Zeitgeist.
Für das Auge des Fußgängers bietet
ihre Architektur wenig Verfeinerung
kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

und Abwechslung im Straßenbild.
Die Sockelgeschosse sind zumeist
geschlossen und die Interaktion mit
dem öffentlichen Raum auf wenige
Eingänge beschränkt, die nur zu
bestimmten Zeiten genutzt werden.
Beim Umgang mit Großbauten in einer
ansonsten feinkörnigen Stadtstruktur
können die Architektur-Ikonen der
Kaiser- und Zwischenkriegszeit
wichtige Impulse liefern. Gerade
diese Bauten zeigen raffinierte
architektonische Lösungen, wie auf
attraktive Weise großmaßstäblich und
großstädtisch in einer historischen,
kleinmaßstäblichen Stadtstruktur
gebaut werden kann.

Abb. 4.0_80
Ostwall Ecke Sankt-Anton-Straße 2020
Der Umbau des Horten-Warenhausses für
den Textildiskonter Primark ist in Retailkreisen
Vorzeigeprojekt für die Transformation
hermetischer Großbauten. Die Fassade
wurde teilweise geöffnet und zitiert klassische
Grundprinzipien. Die flache Plattenbekleidung
besitzt jedoch weder architektonische
Gliederung noch Relief. Der Eingang an der
Sankt-Anton-Straße wurde aufgehoben.

Die Architektur aus der Kaiser- und
Zwischenkriegszeit und zum Teil
auch der ersten Nachkriegsmoderne
schlägt eine Brücke zwischen der
konstituierenden Architektur des
Barock und des Klassizismus hin zur
Moderne.
Die kleinteilige, tektonische
Gliederung der Fassaden in
einem mehrschichtigen Relief
und in hochwertigen Materialien
und die raffinierte Gestaltung der
Sockelgeschosse kann als Vorbild
dienen für die Neu- und Umgestaltung
der Fassaden der schwierig in die
Stadtstruktur zu integierenden
Großbauten.
300

bild

S.273

S.278

S.286

S.297

S.260

Abb. 4.0_16
WITTGENS, Peter, Bildarchiv Neuss

Abb. 4.0_34a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_51
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_70
StAKR Obj. Nr. 40.570

Abb. 4.0_0
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_17
FERREIRA-RAPPOSO, Filipa

S.279

Abb. 4.0_52
ODIJK, Charlotte
architect: space encounters

Abb. 4.0_71
StAKR Obj. Nr. 3553

S.266

S.274

Abb. 4.0_35
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.298

Abb. 4.0_1
KÖPPEN, Ernst: Altes Crefeld. Grafische
und malerische Darstellungen aus fünf
Jahrhunderten, 1978 (S.48)

Abb. 4.0_18a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_36
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_53
ODIJK, Charlotte
architect: space encounters

Abb. 4.0_18c
KÖPPEN, Ernst: Altes Crefeld. Grafische
und malerische Darstellungen aus fünf
Jahrhunderten. Frankfurt 1978 (S.69)

Abb. 4.0_37
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_2
KÖPPEN, Ernst: Krefeld - so wie es war,
Düsseldorf 1974 (S.36)
Abb. 4.0_3
KÖPPEN, Ernst: Krefeld - so wie es war,
Düsseldorf 1974 (S.36)
Abb. 4.0_4
StAKR Obj. Nr. 22.128
Abb. 4.0_5
StAKR Obj. Nr. 1083

S.267

S.275
Abb. 4.0_19
BOSS, Jerreck
OJB landscape architects, Boston, MA
Abb. 4.0_20
WALZ, Dagmar
Abb. 4.0_21
KOZAL, Maciek

Abb. 4.0_38
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_39
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_40
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.299
Abb. 4.0_55
TAMAGNINI, Oliver
Abb. 4.0_56
BAGEN, Arthur

S.281
Abb. 4.0_41
KÖPPEN, Ernst: Krefeld in alten Ansichten
(Bd. 2) StAKR VIII/ 310/ 2

Abb. 4.0_58
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.289

Abb. 4.0_22
PARADIS, Guillaume, Claude Cormier et
Associés, Montréal

Abb. 4.0_42
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_7
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_23
KOZAL, Maciek

S.282

Abb. 4.0_8
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_24
DELUCA, Dan CC BY 2.0

Abb. 4.0_43a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_9
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_25
HATHAWAY, Caryl

S.283

S.268

Abb. 4.0_26
KOZAL, Maciek

Abb. 4.0_44
LEVS architecten, Amsterdam

Abb. 4.0_10
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.276

Abb. 4.0_45
SCHONE, Daan

Abb. 4.0_11
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_27
KOZAL, Maciek

Abb. 4.0_46
PEREIRA-RAPOSO, Filipa

S.269

Abb. 4.0_28
PEREIRA-RAPOSO, Filipa

Abb. 4.0_47
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_12
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_30
PEREIRA-RAPOSO, Filipa

Abb. 4.0_48
GYZELS, Dries

Abb. 4.0_13
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_31
HÉVIA, José

S.285

S.270

S.277

Abb. 4.0_49a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_14
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_33a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_50
StAKR Obj. Nr. 3484

kULTURHISTORISCHE STÄdTEbaULICHE anaLySE

S.287

Abb. 4.0_57
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_6
LENGWENNINGS, Karl Heinz

Abb. 4.0_15
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_54
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_72
MIR Architecten/Flexus AWC und Abbildungen
aus dem Bildbestand des Stadtarchivs Krefeld,
siehe auch Objektnummern bei den
entsprechenden Kapiteln der Analyse

Abb. 4.0_73
StAKR Obj. Nr. 61.644
Abb. 4.0_74
StAKR Obj. Nr. 3.868
Abb. 4.0_75
StAKR Obj. Nr. 5255
Abb. 4.0_76
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_77
StAKR Obj. Nr. 3875

Abb. 4.0_59a
StAKR Obj. Nr. 3553
S.300
Abb. 4.0_59a
StAKR Obj. Nr. 31597

S.290
Abb. 4.0_60a und b
MIR Architecten/ Flexus AWC

Abb. 4.0_78
StAKR Obj. Nr. 40.565
Abb. 4.0_79
GOERTZ-BAUER, Inge
LAV NRW R, RWB 23414/435
Abb. 4.0_80
MIR Architecten/ Flexus AWC

S. 293
Abb. 4.0_61 - 64
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_65
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.294
Abb. 4.0_66
MIR Architecten/ Flexus AWC

S.295
Abb. 4.0_67
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_68
MIR Architecten/ Flexus AWC
Abb. 4.0_69
MIR Architecten/ Flexus AWC

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